vonkritisch betrachtet 20.10.2020

kritisch betrachtet

Kontroverse Themen fazinieren Katharina Sophie Hübener seit ihrer Jugend, von Gesellschaft über Politik bis hin zur Wirtschaft beleuchtet sie aktuelle "heiß diskutierte" Thematiken.

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Die Bürger der Vereinigten Staaten wählen dann möglicherweise ihren 46. Präsidenten, denn für den derzeitigen Amtsinhaber sieht es laut neuesten Umfragen nicht besonders gut. Donald Trump kosteten seine unzähligen Twitter-Eskapaden und nicht zuletzt sein Verhalten beim TV-Duell einige Wählerstimmen. Doch auch die Corona-Politik des skandalträchtigen Präsidenten beeinflusste zuletzt stärker die Stimmung der Wählerschaft.

In wenigen Wochen geht es los: Anfang November wählen die US-Bürger ihr neues Staatsoberhaupt. Bei der 59. Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika tritt der Vizepräsident von Barack Obama, Joe Biden, gegen den amtierenden Präsidenten Trump an. Der demokratische Herausforderer Biden kann mit seiner langjährigen Erfahrung an der Seite von Trumps Vorgänger Obama auf eine erfolgreiche politische Karriere in der amerikanischen Politik blicken. Dagegen wirkte Donald Trump mit seiner Art der Amtsführung zuletzt häufig überfordert, so auch im Umgang mit der weltweiten Corona-Pandemie und den landesweiten Unruhen seit Aufkommen der Black-Lives-Matter-Bewegung. Besonders sein Verhalten nach dem eigenen positiven Corona-Test in den vergangenen Tagen und das Bekanntwerden seiner Steuererklärung könnte ihn nun aber endgültig die Wiederwahl kosten. Aktuelle Umfragen sehen seinen Widersacher Biden deutlich in Führung.

Donald John Trump, Sohn des amerikanischen Immobilien-Unternehmers Frederick Trump, dürfte den Meisten bis vor wenigen Jahren vor allem als skandalträchtiger Unternehmer und TV-Host bekannt gewesen sein. In seiner eigenen Fernsehsendung The Apprentice castete der Multimilliardär dabei Kandidaten, die anschließend für ihn und sein Firmenimperium arbeiten durften. Außerdem fiel er alle paar Jahre wieder durch spektakuläre Firmenpleiten und damit verbundene Skandale auf, so zum Beispiel der Insolvenz des Taj Mahal in Atlantic City. Dass Trump seine Finanzen ähnlich unkonventionell handhabt wie seine politische Führung machte zuletzt auch die Veröffentlichung seiner Steuerklärung deutlich: laut Medienberichten habe der amtierende Präsident zuletzt nur wenige hundert Dollar Steuern gezahlt, trotz eines Milliarden-Vermögens. Allerdings kommt in diesem Zusammenhang einer seiner Stärken zum Tragen, gelingt es ihm immer auf Pressekonferenzen den Fangfragen der Journalisten geschickt auszuweichen. Dabei ist er sehr wortgewandt im Punkto Synonyme und Ausdruck, schafft es immer die Aufmerksamkeit schnell umzulenken.

Doch auch die seit Monaten andauernden BLM-Proteste zeigen den Unmut vieler US-Bürger mit der Politik Trumps. Immer wieder kommt es dabei auch zu gewaltvollen Auseinandersetzungen, besonders in den beiden Großstädten Portland und Louisville. Die Stimmung in der amerikanischen Bevölkerung scheint zur Zeit so angespannt wie seit Jahren nicht mehr. Ausgelöst durch den Tod von George Floyd setzte sich zunächst in den USA eine Bewegung in Gange, die die derzeitigen Menschenrechtsverhältnisse anprangert. Mit dem Slogan Black-Lives-Matter soll dabei vor allem auf die ungleichen Verhältnisse für schwarze US-Bürger aufmerksam gemacht werden. Mittlerweile kommt es regelmäßig auch in anderen Ländern zu BLM-Protesten. Doch besonders in den USA kommt es dabei immer wieder zu gewaltvollen Zusammenstößen der politischen Lager. Den BLM-Aktivisten stehen dabei immer wieder Trump-Anhänger in großer Zahl gegenüber, teils schwer bewaffnet. Tragischer Höhepunkt dieser Auseinandersetzungen waren die tödlichen Schüsse auf zwei Demonstranten durch den 17-jährige Kyle Rittenhouse am Rande von Protesten in Kenosha. Die politische Stimmung in den Vereinigten Staaten ist seitdem zunehmend angespannt.

Im jüngsten TV-Duell der beiden Präsidentschaftskandidaten Trump und Biden kam das Thema der BLM-Bewegung auch zur Sprache. Auf die Aufforderung, sich von militanten rechten Gruppierungen zu distanzieren, reagierte Trump mit einem Apell an die Proud Boys, sich für die anstehende Wahl „bereitzuhalten“. Ähnlich fragwürdig schienen auch seine Äußerungen zum Umgang mit der Covid-Pandemie. Auf die Kritik Bidens an der Corona-Politik von Trumps Regierung reagierte dieser mit Gegenangriffen. Immer wieder fiel Donald Trump im Duell durch persönliche Angriffe und unhöfliches Verhalten auf. Das spiegelt sich nun auch in den neuesten Umfragen zur anstehenden US-Wahl wider. Diese sehen den Herausforderer Joe Biden derzeit mit deutlichem Abstand, auch wichtige Swing-States konnte der Demokrat zuletzt laut Umfrageergebnissen für sich gewinnen. Entscheidend sei für viele Bürger die fehlgeleitete Politik zur Eindämmung des Corona-Virus. Die USA führen die Liste der Corona-Infizierten und der Toten seit Monaten an, ein Ende scheint kaum in Sicht.

Wie verantwortungsvoll Trump als Präsident mit der Pandemie umgeht zeigte zuletzt auch seine eigene Erkrankung am Virus. Kurz nach dem TV-Duell gab dessen Leibarzt das positive Testergebnis des Präsidenten bekannt, wenig später musste der Präsident sich zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus begeben. Seine Äußerungen dazu und seine Auftritte nur wenige Tage später bei Wahlkampfveranstaltungen lösten nun eine erneute Welle der Kritik aus. Das anstehende zweite TV-Duell mit Biden stand kurzfristig vor dem Aus. Nun fand es doch statt, allerdings als Fernduell. Auch diesmal waren die Corona-Politik und Trumps Finanzen wieder zentrale Themen. Trump versicherte dabei, dass die baldige Einführung eines Impfstoffes die Corona-Pandemie endgültig eindämmen werde. Auch machte er Eingeständnisse zu Schulden in Millionenhöhe, die die „New York Times“ kürzlich enthüllte. Ob das aber ausreicht, um die nötigen Stimmen der US-Wähler zu bekommen, wird sich spätestens am Wahltag im November zeigen.

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