vonkritisch betrachtet 07.04.2021

kritisch betrachtet

Kontroverse Themen fazinieren Katharina Sophie Hübener seit ihrer Jugend, von Gesellschaft über Politik bis hin zur Wirtschaft beleuchtet sie aktuelle "heiß diskutierte" Thematiken.

Mehr über diesen Blog

Nach der Einschätzung von einem pädiatrischen Infektiologen sind bei Kindern und Jugendlichen aufgrund vermehrter Corona-Ansteckungen mehr Spätfolgen zu erwarten. 

Vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsklinik Freiburg sagte Markus Hufnagel der Deutschen Presse-Agentur, dass sie mit mehr Betroffenen mit länger anhaltenden, meist diffusen gesundheitlichen Problemen aufgrund der Lockerungen der Maßnahmen rechnen. Im Vergleich zu der Versorgungssituation bei Erwachsenen nach einer überstandenen Infektion sei die Pädiatrie noch nicht vorbereitet.

Bei Kindern laufen akute Corona-Infektionen häufig ohne Symptome ab und auch bei Jugendlichen sind schwere Krankheitsverläufe eher selten. Trotzdem wird auch bei Minderjährigen von Spätfolgen berichtet: Manchmal setzten diese erst Monate nach einer Corona-Infektion ein oder sie verschlechterten sich, erklärt Hufnagel. In solchen Fällen gelte es für Ärzte beispielsweise, durch Tests das Vorliegen von anderen Infektionen auszuschließen. Damit den Betroffenen Ambulanzen angeboten werden können, gebe es für Kinder und Jugendliche Überlegungen zum Aufbau von Spezialambulanzen.

Bei dem Phänomen ist in der Fachsprache von Post Covid (nach Covid-19) oder von Long Covid (langes Covid-19) die Rede. Für Kinder und Jugendliche sind bislang noch keine Corona-Impfstoffe zugelassen. Daher zählen diese zu den Gruppen, die für das Virus noch einige Monate empfänglich sein werden. In diesen Gruppen rücken mögliche Spätfolgen aufgrund der Lockerung der Corona-Maßnahmen mit Kita- und Schulöffnungen in den Fokus. Die nachgewiesenen Fälle von Corona bei Kindern und Jugendlichen steigen seit Wochen nach Daten von dem Robert Koch-Institut (RKI). 

Hufnagel erläutert, dass das Krankheitsbild sehr variabel sei. Dann zählt er mögliche Folgen auf, welche ebenfalls in Kombination auftreten können: Zu diesen zählen chronische Erschöpfung, Gelenk- und Muskelschmerzen und generelle Leistungsminderung. Ebenso können Hautveränderungen erfolgen, die Frostbeulen an den Zehen ähneln. Im Vergleich zu Erwachsenen spiele anhaltender Geschmacks- und Geruchsverlust hingegen eine untergeordnete Rolle bei Kindern und Jugendlichen. Hufnagel betonte, dass diese Symptome nicht spezifisch für Sars-Cov-2 seien. Das heiße, dass sie ähnliche anhaltende gesundheitliche Einschränkungen ebenfalls von anderen Virusinfektionen wie zum Beispiel dem Pfeifferschen Drüsenfieber kennen.

Unterschätzt werden dürfe das Problem nicht: Sofern insgesamt die Fallzahlen höher seien, würden die Zahlen der lange Leidenden auch umso größer. Hufnagel sagt, dass derzeit das Problem eher größer werde als kleiner, da sie bereits jetzt zahlreiche Post-Covid-Fälle sehen würden. Vermehrt seien das Patienten im Jugendalter. Deutlich seltener seien Fälle, die in den zehn ersten Lebensjahren erfolgten. Eltern hätten in der Regel den Verdacht, dass mit einer Corona-Infektion ein Zusammenhang liege. Zum Teil gebe es ebenfalls einen Antikörpernachweis.

Bislang gebe es zu dem Thema keine Daten aus Deutschland, sagt Hufnagel. Er hat mit Kollegen aus der Dresdner Universitätsklinik von allen stationär behandelten Kindern und Jugendlichen, die eine Sars-CoV-2-Infektion aufwiesen, ein Register zu Krankheitsverläufen etabliert. Bei Haushalten mit Corona-Fällen, die über eine längere Zeit begleitet wurden, habe eine Studie gezeigt, dass von den Jugendlichen und Kindern unter 14 Jahren fünf Prozent von ihnen auch drei Monate nach der Corona-Infektion mindestens ein Symptom zeigten. Hufnagel erklärt, dass es bei Erwachsenen sogar bis zu jeden Dritten betreffe.

Da Erwachsene nach einem stressigen Arbeitstag früher gerne mit Freunden etwas unternahmen und nun während den Lockdowns mit geschlossenen Restaurants, Cafés und Bars zu kämpfen haben, versuchen einige, sich daheim eine gemütlichere Atmosphäre zu gestalten und sich auch einmal ausgefallene Heiß- und Kaltgetränke zuzubereiten. Auch werden Shishas gerne am Abend genutzt und Shisha Tabak erworben, damit sich eine angenehmere und gemütlichere Atmosphäre einstellt. Kindern und Jugendliche hingegen versuchen die Eltern schmackhafte Gerichte zu zaubern und diesen in den Zeiten ohne Reisen, Ausflüge und Treffen mit Freunden möglichst viel Abwechslung zu bieten. Wandern, eine Fahrradtour oder einfach ein spannendes und lustiges Würfelspiel am Abend – für alle gemeinsam heißt es, das beste aus der aktuellen Situation zu machen.

Vom Office for National Statistics (ONS) zeigen Schätzungen von britischen Statistikern ebenfalls, dass bei Erwachsenen nach einer durchgemachten Corona-Infektion die Last deutlich ausgeprägter sein soll. Fünf Wochen nach einer Corona-Infektion ist der Anteil von denjenigen, die noch mindestens ein Symptom wie Fieber, Müdigkeit oder Husten haben, bei etwa 13 Prozent bei den zwei bis 11-jährigen und bei 14,5 Prozent bei den 12- bis 16-jährigen.Nach Einschätzung von Hufnagel spielt jedoch beim Auftreten von Spätfolgen ebenfalls die generell ermüdende und belastende Situation innerhalb der Pandemie eine Rolle – das Virus sei nicht allein für alle Symptome verantwortlich. Schließlich sei der Lockdown ein großer Stressfaktor. Sofern sich die Situation der Pandemie besserte, dürften auch die Ermüdungsanzeichen bei einem Teil der Betroffenen besser werden.

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/kritisch/vermehrt-spaetfolgen-bei-jugendlichen-aufgrund-der-corona-pandemie-moeglich/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.