vonkritisch betrachtet 28.05.2021

kritisch betrachtet

Kontroverse Themen fazinieren Katharina Sophie Hübener seit ihrer Jugend, von Gesellschaft über Politik bis hin zur Wirtschaft beleuchtet sie aktuelle "heiß diskutierte" Thematiken.

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Etwa 61.000 Menschen leben in Deutschland ohne Krankenversicherung – hierbei sind Menschen ohne Papiere nicht eingerechnet. Diese Antwort der Bundesregierung geht auf eine im Bundestag von der FDP-Fraktion gestellten Frage hervor. In der Antwort von der Bundesregierung heißt es, dass die konkreten Ursachen für einen fehlenden Krankenversicherungsschutz sehr heterogen seien. Häufig würden die Betroffenen im Wesentlichen die Möglichkeit, sich in einer Krankenversicherung zu versichern, selbst nicht wahrnehmen. 

Oftmals sei es bei EU-Bürgern aus Südosteuropa und Osteuropa ein Problem, den Krankenversicherungsschutz korrekt zu klären, weil dieser zum Teil im Heimatland ebenfalls unklar sei. Die Bundesregierung informiert, dass alle vier Jahre die Fragen zu einer Krankenversicherung erhoben werden, sodass die nächste Erhebung für das Berichtsjahr 2023 erfolge. Nach eigenen Angaben liegen der Bundesregierung keine Informationen darüber vor, wie viele der niedergelassenen Arztpraxen beziehungsweise Ärzte Patienten ohne den Nachweis eines Versicherungsschutzes eine Behandlung gewähren. Auch weist sie darauf hin, dass bei einer akuten Erkrankung die Ärzte berufsrechtlich zu einer Behandlung verpflichtet sind, selbst wenn die erkrankte Person über keinen Versicherungsschutz verfügt. 

Krankenversicherung in Deutschland

Es gibt in Deutschland eine Krankenversicherungspflicht. Das bedeutet, dass generell jeder, der in Deutschland seinen ständigen Wohnsitz hat, krankenversichert sein muss. Allerdings gibt es trotz der Versicherungspflicht in Deutschland immer noch Menschen, die über keinen Versicherungsschutz verfügen. Vor allem sind Selbständige mit einem geringen Einkommen betroffen, welche ihre Beiträge nicht mehr bezahlen können. Ihre Beiträge zahlen sie oftmals für eine längere Zeit nicht, sodass sich hohe Säumniszuschläge und Beitragsschulden auftürmen. Falls eine Person keine Krankenversicherung besitzt und sich erneut versichern will, wird diese generell in dem System versichert, wo sie vorher versichert war: Privatversicherte in der privaten Krankenversicherung (PKV) und gesetzlich Versicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

Vorgehen bei einer gesetzlichen Krankenversicherung

Wenn jemand zuletzt in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert war, muss dieser erneut eine gesetzliche Krankenversicherung abschließen. Hierbei ist die Krankenkasse zuständig, bei der der zu Versichernde zuletzt versichert war. Grundsätzlich muss die Kasse jeden aufnehmen, der für eine gesetzliche Krankenversicherung die Voraussetzungen erfüllt – dieser Umstand ist unabhängig von dem aktuellen Gesundheitszustand. Grundsätzlich muss der Versicherte Beiträge nachzahlen für die Zeit, in der keine Versicherung vorlag. Wenn der zu Versichernde pflichtversichert ist, muss er jedoch nicht die vollständige Beitragsschuld nachzahlen. Vielmehr erhält er einen Nachlass. Allerdings können in der GKV freiwillig Versicherte einen Nachlass für den zusätzlich entstandenen Säumniszuschlag lediglich formlos beantragen.

Vorgehen bei einer privaten Krankenversicherung

Wenn sich jemand privat versichern muss, kann er sich aussuchen, bei welchem Anbieter der PKV er versichert sein will. Dabei ist jede Gesellschaft verpflichtet, im sogenannten Basistarif Menschen ohne eine Versicherung aufzunehmen. Ein solcher Tarif erbringt Leistungen, die ungefähr dem der gesetzlichen Krankenversicherung entsprechen. Im Basistarif dürfen die Krankenversicherer für Vorerkrankungen Risikozuschläge verlangen und keinen Antrag ablehnen. Zudem richtet sich der maximale Monatsbeitrag nach dem Höchstbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung und umfasst 759,49 Euro (Stand 2021). Wenn eine zu versichernde Person die Beiträge der privaten Krankenversicherung nicht zahlen kann, wird diese zunächst in einem Notlagentarif bei ihrer Gesellschaft versichert. Vergleichsweise sind die Beiträge günstig. Damit sind jedoch lediglich die Kosten für Notfallversorgungen versichert. Abgedeckt sind nur weitergehende Behandlungen für Kinder, Jugendliche sowie Schwangere. Zudem kann der zu Versichernde versuchen, einen herkömmlichen Tarif abzuschließen, falls er relativ gesund und nicht zu alt ist. Unter Umständen ist das je nach Gesundheitszustand und Alter günstiger als vergleichsweise eine Versicherung mit den Konditionen eines Basistarifs. Die Beiträge für eine versicherungsfreie Zeit, zusammen mit möglichen Säumniszuschlägen, müssen auch Privatversicherte nachzahlen. Je ein voller Monatsbeitrag wird vom zweiten bis zu dem fünften Monat ohne eine Versicherung fällig. Für jeden weiteren Monat wird ab dem sechsten Monat ein Sechstel von dem Beitrag fällig. Falls sich die zeitliche Dauer der Nichtversicherung nicht herausfinden lässt, geht eine private Versicherung im Allgemeinen von einer Dauer aus, die fünf Jahre umfasst. Es ist bisweilen möglich, mit der privaten Krankenversicherung für die ausstehenden Beiträge einen Nachlass auszuhandeln. Zudem kann der Versicherte beantragen, dass der Prämienzuschlag sogar gestundet wird.

Wo können nicht Krankenversicherte Hilfe erhalten?

Eine nicht krankenversicherte Person sollte nicht warten, bis sie krank wird, um sich um eine Krankenversicherung zu kümmern. Es kann zwar darauf vertraut werden, ärztliche Hilfe in akuten Notfällen zu bekommen. Für eine Behandlung nach der ersten Notfallversorgung ist die Person jedoch nicht versichert. Mit einer angeschlagenen Gesundheit ist es außerdem noch schwieriger, in eine Krankenversicherung eine Aufnahme zu organisieren. Deshalb sollte eine zu versichernde Person so schnell wie möglich Unterstützung holen, um zur Krankenversicherung zurück zu gelangen. Zu grundsätzlichen Fragen zum Thema Krankenversicherung gibt die unabhängige Patientenberatung kostenlos Auskunft. Zudem kann sich eine zu versichernde Person meist schon gegen eine kleine Gebühr von 5 Euro bei den Verbraucherzentralen beraten lassen. Falls die zu versichernde Person Sozialhilfe, Grundsicherung oder Arbeitslosengeld II bezieht, kann sie sich kostenlos bei der Verbraucherzentrale Hamburg beraten lassen. Außerdem bieten regional zahlreiche kirchliche Einrichtungen sowie Vereine wie die Caritas oder die Diakonie ihre Hilfe an. In verschiedenen Städten organisieren außerdem gemeinnützige Initiativen für Menschen ohne eine Krankenversicherung Sprechstunden von Ärzten, zum Beispiel Ärzte der Welt oder der Malteser Hilfsdienst. Bis mit der Krankenversicherung alles geregelt ist, kann sich der zu Versichernde dort medizinisch behandeln lassen.

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