vonkritisch betrachtet 18.12.2020

kritisch betrachtet

Kontroverse Themen fazinieren Katharina Sophie Hübener seit ihrer Jugend, von Gesellschaft über Politik bis hin zur Wirtschaft beleuchtet sie aktuelle "heiß diskutierte" Thematiken.

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Der überwiegende Teil der deutschen Bevölkerung lebt in Städten, hiervon wiederum ein großer Anteil in Großstädten. Lärm, Gedränge, Stress und schlechte Luft belasten die Bewohner. Möchten sie wirklich mal an einem schönen Abend einem Sonnenuntergang beiwohnen, so haben viel hundert andere Menschen dieselbe Idee. Uferpromenaden gehen im Gedränge der Menschen unter, Corona Abstand? Fehlanzeige. Stimmen fordern für Deutschland das Jedermannsrecht wie in skandinavischen Ländern. Was es damit auf sich hat, wird der folgende Artikel unter die Lupe nehmen. 

Das Jedermannsrecht nach skandinavischem Vorbild

Wer sich in Skandinavien vom Stress der Großstadt und des Alltages erholen möchte, der packt sein Zelt und fährt aufs Land hinaus, wo er sich ein lauschiges Plätzchen sucht, an dem er sein Zelt aufschlagen kann. In der Natur am Land kann in Skandinavien jedermann zelten. In Skandinavien kann sich auf diese Art und Weise jeder Städter eine wohlverdiente Auszeit nehmen. Natürlich gelten hier strenge Regeln und keinem Städter würde es auch nur im Traum einfallen, seinen Müll am Ort der Erholung zurückzulassen. In Deutschland sieht das anders aus. Hier würden die betreffenden Städter schnell eine Anzeige wegen Wildcampens erhalten und müssten im wahrsten Sinne des Wortes ihre Zelte abbrechen und sich auf den Rückweg in die Stadt machen, sich einen Zeltplatz oder eine Pension suchen. Doch genau dies ist in Zeiten von Corona ja eher schwierig. Daher werden auch bei uns in Deutschland immer mehr Stimmen laut, das sogenannte Jedermannsrecht nach skandinavischem Vorbild einzuführen. Doch macht dies wirklich Sinn und ist das bei uns überhaupt realisierbar?

Wo des Deutschen Disziplin beschränkt ist

Wahrscheinlich können sich die meisten noch an den aufregenden Corona Sommer 2020 erinnern. Die Deutschen wurden aufgefordert, möglichst im eigenen Land ihren Urlaub zu verbringen und wahnsinnig viele von ihnen sind dieser Aufforderung auch nachgekommen. Die Folge war besonders für die klassischen Ausflugsziele in Bayern nahezu verheerend. Menschenströme schoben sich durch kleine Ortschaften, die schon mit dem ansonsten herrschenden Touristenverkehr schwer tun. Alle wollten nur das Eine, den Berg hinauf. Das Ende vom Lied waren Müllberge, die die Touristen hinterlassen haben und das in eigentlich stiller Natur. Bergbauern und Anwohner sind hier natürlich auf die Barrikaden gegangen, haben demonstriert und teilweise sogar die die Zugangsstraßen für die Ortsdurchfahrt blockiert, weil sie sich eben nicht mehr anders gegen die Touristenströme und die damit verbundenen Müllberge zu wehren wussten. Derartige Szenarien wären in Skandinavien vermutlich nicht denkbar, weswegen es auch so wunderbar funktioniert, dass wirklich jeder die Natur überall eben auch mit Zelt genießen kann. 

Welche Probleme das Jedermannsrecht mit sich bringen würde

Obgleich die Idee hinter diesem Prinzip sicher sehr schön und lobenswert ist, so würde sich dies zumindest nicht in dem Maße umsetzen lassen, wie es in Skandinavien bereits erfolgreich praktiziert wird. Zum einen muss hier natürlich auch bedacht werden, dass in Deutschland nicht nur zahlreiche Naturschutzgebiete ausgewiesen sind, in denen ein sogenanntes wildes Campen natürlich schon einmal nicht denkbar ist. Dann kommt natürlich auch noch erschwerend hinzu, dass hierzulande weit mehr Landwirtschaft angesiedelt ist, als es in den skandinavischen Ländern der Fall ist. Die Bauern würden es vermutlich nie dulden, wenn Urlauber einfach wild auf ihren Wieden zelten würden.  Selbst die in diesem Fall dann wahrscheinlich überwiegend frei umherlaufenden Hunde würden ein erhebliches Problem darstellen. Es gibt ohnehin permanent Ärger, weil Hundebesitzer so unvernünftig sind und ihre Hunde in alle möglichen Wiesen koten lassen. Dieser Hundekot kann sowohl für Pferde als auch für Rinder eine erhebliche Gefahr darstellen, da sich die nicht verwerteten Proteine aus dem Kot im Gras ablagern und somit durch das Heu in die jeweiligen Tiere gelangt, wo diese größtenteils tierischen Eiweiße durchaus auch mal zu Vergiftungen führen können. Wie genau es ausschauen könnte, wenn dieses Recht in Deutschland eingeführt werden würde und welche Alternativen es gäbe, das schauen wir uns nun einmal an. 

Wie könnte das Jedermannsrecht aussehen und wo liegen die Alternativen?

Wenn in Deutschland das Jedermannsrecht eingeführt werden sollte, dann müsste dies aufgrund des hohen Anteils an landwirtschaftlichen Flächen vor allem einmal in diesem Hinblick begrenzt werden. Das würde bedeuten, es gäbe nur an ausgewiesenen Stellen die Möglichkeit, sich aufzuhalten und gegebenenfalls auch zu zelten. Doch bleibt auch hier noch die Frage, ob sich die betreffenden Stadtbewohner dann auch daran halten würden. Ihnen ist nicht selten die Bedeutung der unberührten landwirtschaftlichen Flächen fremd. Was können also für Alternativen geschaffen werden? Klar, zum einen können in den Städten selber mehr Grünflächen und entsprechende Anlagen geschaffen werden. Doch das alleine würde nicht verhindern, dass sich vor allem in den Großstädten die Menschen dann auch wieder dicht an dicht in den jeweiligen Bereichen tummeln würden. Mehr familienfreundliche Parks im Umland der Ballungszentren wären eine Alternative, allerdings eine recht kostenintensive. Wer so wirklich die unberührte und idyllische Natur genießen möchte, der wird also nach wie vor aufs Land ziehen müssen, alternativ einfach Tagesausflüge machen. Doch für den entspannten Feierabend im Sonnenuntergang ist dies auch nicht immer die ideale Lösung. Hier sollte einfach jeder für sich eine passende Lösung finden, vielleicht am besten wirklich etwas abseits der Ströme an Menschenmengen.  

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