vonManuel Biallas 11.11.2019

Kurz & Laut

Blog über gesellschaftliche Phänomene, politische Ereignisse und kulturellen Wandel. Kurz und Laut.

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Grün ist Trend. Das belegen vergangene Wahl- und Umfrageergebnisse – Nicht zuletzt auch die mediale Berichterstattung um Aminata Touré mit ihrer Wahl zur Vizepräsidentin des Schleswig-Holsteinischen Landtages. Dass die Grüne Welle noch nicht vorbei ist hat die gestrige Wahl Belit Onays zum Oberbürgermeister in Hannover erneut gezeigt. Doch woran liegt das?

Die Grünen sind eine Wählerpartei. Das rührt zunächst aus ihrem historischen Kontext, denn die einstigen Aktivist_innen gaben der politischen Bewegung zwar Unterstützung in Form ihrer Stimme, wollten sich aber nicht selbst persönlich  in die Organisation einer Partei einbringen. Das zeigt sich bis heute, Die Grünen haben im Vergleich zu anderen Parteien deutlich weniger Mitglieder, profitieren dennoch vom höchsten Gut der Demokratie: Der abgegebenen Stimme am Wahltag.

Die Wählerschaft der Grünen wird durch fünf Attribute charakterisiert. So gilt sie im Allgemeinen als jung, weiblich, gut gebildet. Unter ihr finden sich wenige Arbeiter_innen, dafür mehr Angestellte und Beamt_innen. Darüber hinaus werden die besten Wahlergebnisse in Großstädten und urbanen Zentren erzielt.

Überträgt man die Eigenschaften der Wählerschaft auf die Abgeordneten des Bündnis 90/Die Grünen im deutschen Bundestag sind im Vergleich zu anderen Parteien überdurchschnittlich viele Frauen als Volksvertreter_innen repräsentiert, Grün ist jung in seinem Erscheinungsbild, und: Grün ist migrantisch.

Grün ist migrantisch

Mit Abgeordneten wie Canan Bayram, Ekin Deligöz oder Cem Özdemir zeichnet sich bei den Grünen auch an dieser Stelle eine durchschnittlich höhere Repräsentanz von Abgeordneten mit sogenanntem „Migrationshintergrund“ ab. Nicht zuletzt hat dies die Wahl Aminata Tourés als jüngste women of color zur Vizepräsidentin des Schleswig-Holsteinischen Landtages gezeigt. Belit Onay wurde gestern zum Oberbürgermeister von Hannover gewählt: Als bundesweit erster Oberbürgermeister mit Migrationsgeschichte.

Grün ist progressiv und bildet auch auf Legislaturebene die deutsche Mehrheitsgesellschaft ab.

Grün hat Vision

Parteien brauchen Visionen, denn diese verleihen ihnen Identifikationspotential. Visionen haben die Grünen, sind selbst im Freistaat Bayern zweitstärkste Kraft und haben den „Altparteien“ damit etwas voraus. Während sich SPD und CDU selbstdarstellerisch und strategisch zerfleischen, gelingt es den Grünen sich für einen gerechten Umgang mit Mensch und Natur zu positionieren.

So erreicht die Partei ein immer größer werdendes Wählerpotential, abseits von Populismus und macht sich damit selbst zum Happy-Produkt. Alexander Dobrindt, CSU sagte 2017: „Deutschland ist nicht der Prenzlauer Berg“ – Erreichter Stimmanteil der Grünen in der letzten Bundestagswahl: 26,3 Prozent mit Canan Bayram (Zahlen: Bundeswahlleiter 2019). Doch vielleicht entwickelt sich Deutschland gerade zunehmend zu einer grünen Republik. Immerhin fehlen – überspitzt gesagt –  nur noch 6,3 Prozentpunkte bundesweit für Die Grünen bis dahin. Fest steht jedenfalls: Grün ist die Farbe der Hoffnung und diese hat sich mit ihrer Vision politisch  gestern erneut durchgesetzt.

 

Der Autor ist kein Mitglied einer politischen Partei.

 

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kommentare

  • Beim Thema Stromtankstellen in Hannover hätte ich mir mehr Zusagen von Onay gewünscht, besonders die Carsharing-Parkplätze brauchen solche Anschlüsse. Das Fahrradstadt-Thema allein hat auch eine Schwierigkeit, da sehr viele Fahrräder gestohlen, werden braucht Hannover mehr kameraüberwachte Fahrradständer, da macht Überwachung Sinn. Die kaufbaren Schlösser werden alle durchgesägt. Mir sind in einem Monat zwei gute Fahrräder gestohlen worden, meinem Sohn sein Mountainbike von der Haltestelle Sauerwinkel. Der Umstieg in die Bahn muß sicherer sein. Wenigstens dort braucht es Kameras.

  • Die „autofreie Autostadt“? – Mit solchen Utopien ködern die Grünen auch in Hannover ihre Wähler und Wählerinnen. Anstatt „blühender Landschaften“ sehe ich in Zukunft eher verödete Innenstädte und arbeitslose Ladenbesitzer und immer mehr Menschen, die im Internet bestellen.

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