vonManuel Biallas 01.12.2019

Kurz & Laut

Blog über gesellschaftliche Phänomene, politische Ereignisse und kulturellen Wandel. Kurz und Laut.

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Das arabische Alphabet unterscheidet sich um nur zwei Letter mehr als das Deutsche. Dennoch werden die Buchstaben, die Schrift, eine ganze Kultur in der westlichen Öffentlichkeit oft falsch gelesen – Das Hamburger Modelabel „Habibi“ kämpft gegen diese Stigmatisierung und setzt dabei vorallem auf eine Waffe: Den Dialog.

Imad El Rayess und Jessica Rees, die beiden 25-Jährigen hinter dem Label Habibi, besticken in der norddeutschen Familienagentur ihre Kollektionen mit einer simplen Botschaft: حبيبي (Habibi – arabisch für Sweetheart, Schatz oder Liebling).

Der plakative Schriftzug auf den Kleidungsstücken polarisiert und zeigt dabei klare Haltung: Arabisch ist in der westlichen Welt noch immer negativ konnotiert, wird oft mit Angst oder Gewalt in Verbindung gebracht, „dabei sind wir alle nur Habibis“, so Imad.

Bestickung im Familienbetrieb. Bild: Habibi

Habibi ruft dazu auf in einen Dialog zu treten und bringt Menschen zusammen. So erzählen Jessy und Imad die Geschichte zweier Nachbarn, die nie miteinander geredet haben, sich im Treppenhaus begegnet sind und durch das Tragen eines Habibi-Hoodies zu echten Freunden wurden. Die Geschichte einer Kindergärtnerin, die durch Habibi eine bessere Verbindung zu ihren arabischsprachigen Schützlingen aufbauen konnte. Und Hassan Akkouch, Schauspieler (4 Blocks), der die Kleidung von Habibi trägt. „Unsere Botschaft ist so stark, wir brauchen wenig Budget für Werbung“, so Jessica von Habibi, die zusammen mit Imad das Label mit null Euro Startkapital ins Leben gerufen hat.

Im Gegensatz zum Fast Fashion Trend – welcher sich seit einiger Zeit in den aufpolierten Schaufenstern der Modeketten abzeichnet – produziert Habibi nachhaltig nur auf Bestellung: So bleiben mehr Ressourcen, mehr Zeit für künstlerische Visionen und ein Frühstück von Imad´s Mutter im Familienbetrieb.

Habibi setzt auf Dialog und Aufklärung gegen Stigmatisierung

Polizeikontrolle bei Videodreh
Polizeikontrolle bei Videodreh. Bild: Imad El Rayess

Der arabische Schriftzug polarisiert so stark, dass es bei einem aktuellen Videodreh von Habibi auf Hamburgs Straßen zu einem Polizeieinsatz kommt. Der Grund hierfür war das aus dem Auto Halten einer schwarzen Fahne mit dem Logo des Labels – Anlass genug für eine polizeiliche Kontrolle, da die Flagge mutmaßlich in einen radikalen Kontext gesetzt wurde.

 

„Wir sind nicht politisch, wir sind gesellschaftlich“ – Imad, Gründer von Habibi

Die Situation konnte, nachdem die PolizeibeamtInnen den Schriftzug zum Übersetzen fotografierten, noch vor Ort friedlich mit dem Einsatzleiter geklärt werden, betont Imad. Durch Dialog und Aufklärung setzt sich das Label gegen die Vorturteile ein, mit denen die arabische Schrift behaftet ist. Dabei geht es den MacherInnen von Habibi nicht um eine konkrete politische Botschaft, sondern schlichtweg darum zu zeigen, dass alle Menschen Teil der Gesellschaft sind.

Jessy und Imad, zwei junge Kreative mit einer Vision: Sie geben einer stigmatisierten Gruppe eine Stimme, zeigen klare Haltung und sind zwei echte Habibis.

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