vonManuel Biallas 17.01.2020

Kurz & Laut

Blog über gesellschaftliche Phänomene, politische Ereignisse und kulturellen Wandel. Kurz und Laut.

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Das Farbspektrum in Deutschlands politischem Wasserfarbkasten ist bunt gefächert: Viel Auswahl, viel Meinung, viel Dialog. Generation Y & Z legt sich nicht gerne fest – sagt man. Warum entscheiden sich also junge Menschen für ein Parteibuch und somit gegen die Politikverdrossenheit die ihnen nachgesagt wird?

Die Serie „Parteibuch 2020“ portraitiert fünf Hamburger Nachwuchspolitiker_innen zwischen 17 und 27 Jahren aus SPD, Die Linken, FDP, Die Grünen und AfD durch sechs gleiche Fragen und zeigt: Deutschlands Jugend ist politisch engagierter denn je. Plakate kleben, Flyer verteilen, Bürgerdialog – Oft zeitintensives Ehrenamt neben Schule, Studium & Job. Woher nimmt die Jugend ihre Ambition? Antworten darauf sucht die Serie „Parteibuch 2020“ im Januar 2020 bei fünf aktiven Mitgliedern einer Partei – ungeachtet ihrer politischen Verortung  – und befragt diese kurz vor der Wahl in Hamburg zu ihrem Engagement.

 

Die Fragen beantwortet an dieser Stelle Christian Pohl, 21 Jahre alt, Beisitzer im Bezirksvorstand Eimsbüttel und Bürgerschaftskandidat Listenplatz 14, Mitglied seit April 2018.

Du bist Mitglied einer politischen Partei. Was war der entscheidende Moment Mitglied Deiner Partei zu werden?

Der entscheidende Moment, Mitglied der AfD zu werden, war, als ich ein Praktikum in der Bürgerschaftsfraktion im März 2018 gemacht und dort die Mitglieder der Partei persönlich kennengelernt habe. Das Praktikum fing ich aufgrund der negativen Berichterstattung über die Partei an, um mich selbst davon zu überzeugen, ob diese Art der Berichterstattung korrekt ist, oder nicht. Ich habe festgestellt, dass viele Mitglieder selbst einen Migrationshintergrund haben, somit war die Behauptung der Fremdenfeindlichkeit nicht korrekt. Nazis oder Faschisten habe ich bis heute in der AfD Hamburg nicht angetroffen und auch andere Behauptungen, wie die Partei angeblich sein soll, trafen nicht zu. Stattdessen habe ich eine Partei kennengelernt, die freundliche und aufgeschlossene Mitglieder hat und für vieles einsteht, dem ich mich auch anschließen kann.

Wenn Du eine konkrete Sache an der Gesellschaft ändern könntest, welche wäre es?

Die eine Sache, die unsere Gesellschaft aus meiner Sicht am dringendsten Nötig hat, ist aus meiner Sicht, dass die Einheit und der Zusammenhalt in der Familie wiederhergestellt und Beziehungen und Ehen wieder dauerhafte zwischenmenschlichen Bindungen werden. Die größte Stütze und Unterstützung im Leben sind in der Institution der Familie vorzufinden. Diese Stütze verdient und braucht jeder Mensch im Leben. Der Staat muss dafür Sorge tragen, dass diese Institution weiterhin geschützt bleibt.

„Die größte Stütze und Unterstützung im Leben sind in der Institution der Familie vorzufinden.“ – Christian, AfD

Parteiarbeit kostet Geld und Zeit. Wie viel ist Dir politische Partizipation wert?

Parteiarbeit ist Ehrenamtlich. Man darf und sollte dafür kein Geld in Anspruch nehmen. Selbst die Mandatsgehälter von gewählten Politikern, bzw. die Höhe dieser, sehe ich kritisch. Aber der Wert der Möglichkeit der Partizipation in der Politik, die jeder Bürger dieses Landes in Anspruch nehmen kann, ist nicht bezahlbar. Mit anderen Worten, unser demokratisches System und die Vorteile, die jeder einzelne hierdurch erhält, sind unbezahlbar und von unschätzbarem Wert.

Sich als junger Mensch politisch zu engagieren und auch durchzusetzen ist nicht immer einfach. Wo siehst Du da die größte Herausforderung in Deiner Partei?

Ich bin fast zwei Jahre Parteimitglied, war Bezirkswahlkandidat, Europadelegierter, Vorsitzender unseres Landesfachausschusses Familie, habe am Wahlprogramm intensiv mitgeschrieben und bin jetzt Mitglied des Bezirksvorstandes Eimsbüttel und Kandidat für die Bürgerschaftswahl und ich bin gerade einmal 21 Jahre alt. Wenn man in der AfD als junger Mensch seinen Fleiß und seine Kompetenz den anderen Mitglieder gegenüber beweisen kann, dann spielt das Alter keine Rolle.

Politische Arbeit kann ermüdend sein. Was ist am Ende des Tages dein Antrieb nicht damit aufzuhören?

Ich habe die Politik schon länger verfolgt, mich informiert und immer wieder festgestellt, dass jeder dies oder jenes verändert haben möchte. Meist waren die Forderungen logisch und notwendig, aber nur zu fordern ändert Garnichts. Der einzige Weg etwas in diesem Land bzw. generell etwas verändern zu können, ist, wenn man selbst etwas verändert. Und ich weiß, dass es in der Politik nur äußerst selten vorkommt, dass ein Politiker sich für jemand anderen als sich selbst einsetzt. Das muss sich ändern. Und ich sehe zudem, dass es niemanden gibt, der diese Tatsache ändern möchte. Wir brauchen in unserer Demokratie eine ehrliche und bürgernahe Politik. Und anstatt darauf zu warten, dass jemand anderes mit dem selben Ziel auftaucht, nehme ich es selbst in die Hand. Ob ich mein Ziel erreiche ist eine andere Frage, ich möchte es zumindest versuchen.

Letzte Frage: Wäre es nicht Deine Partei geworden, welche dann?

Ich war Mitglied der JuLis, der Jugendorganisation der FDP, würde allerdings nicht mehr zurück wollen, auch obwohl ich immer noch für freiheitliche Werte einstehe. Ich würde in keiner anderen der existierenden Parteien Mitglied werden eher würde ich eine eigene Partei gründen.

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