vonManuel Biallas 14.01.2020

Kurz & Laut

Blog über gesellschaftliche Phänomene, politische Ereignisse und kulturellen Wandel. Kurz und Laut.

Mehr über diesen Blog

Das Farbspektrum in Deutschlands politischem Wasserfarbkasten ist bunt gefächert: Viel Auswahl, viel Meinung, viel Dialog. Generation Y & Z legt sich nicht gerne fest – sagt man. Warum entscheiden sich also junge Menschen für ein Parteibuch und somit gegen die Politikverdrossenheit die ihnen nachgesagt wird?

Die Serie „Parteibuch 2020“ portraitiert fünf Hamburger Nachwuchspolitiker_innen zwischen 17 und 27 Jahren aus SPD, Die Linken, FDP, Die Grünen und AfD durch sechs gleiche Fragen und zeigt: Deutschlands Jugend ist politisch engagierter denn je. Plakate kleben, Flyer verteilen, Bürgerdialog – Oft zeitintensives Ehrenamt neben Schule, Studium & Job. Woher nimmt die Jugend ihre Ambition? Antworten darauf sucht die Serie „Parteibuch 2020“ im Januar 2020 bei fünf aktiven Mitgliedern einer Partei – ungeachtet ihrer politischen Verortung  – und befragt diese kurz vor der Wahl in Hamburg zu ihrem Engagement.

Die Fragen beantwortet an dieser Stelle Alexander Mohrenberg, 24 Jahre alt, Vorsitzender der Jusos Hamburg, Mitglied seit 2011.

Du bist Mitglied einer politischen Partei. Was war der entscheidende Moment Mitglied Deiner Partei zu werden?

Es gab nicht den einen Moment, doch an Folgenden erinnere ich mich sehr gut: Als wir uns selbstständig Schulpraktika suchen sollten, kamen viele meiner Mitschüler*innen nach wenigen Tagen in schicken Firmen unter und konnten dort spannende Erfahrungen sammeln – ihre Eltern organisierten das schon. Ich hatte das deutlich schwerer und wollte erst im Kiosk meines Vaters aushelfen. Spätestens da fiel mir auf, was für einen großen Einfluss das Elternhaus auf den schulischen Werdegang hat, dass dies keine Rolle spielen sollte und dass ich daran etwas ändern wollte.

Wenn Du eine konkrete Sache an der Gesellschaft ändern könntest, welche wäre es?

In einer idealen Gesellschaft sollte es jedem Kind – unabhängig davon, welche Sprache zuhause gesprochen wird, welchen formalen Bildungsgrad die Eltern haben oder wie hoch das Haushaltseinkommen liegt – möglich sein, später all das zu werden, was es kann und will.

Klar, nachts um 3 Uhr in Jenfeld vor Schulen zu plakatieren, dass hatte ich mir anfangs nicht gerade vorgestellt“ – Alexander

Parteiarbeit kostet Geld und Zeit. Wie viel ist Dir politische Partizipation wert?

Als Student hat man sowieso nicht so viel Geld, aber man kann seine Zeit sinnvoll einsetzen. Und mir fällt nichts Sinnvolleres ein, als an einer besseren und gerechteren Gesellschaft zu arbeiten. Klar, nachts um 3 Uhr in Jenfeld vor Schulen zu plakatieren, dass hatte ich mir anfangs nicht gerade vorgestellt. Aber ich weiß, wofür ich das mache und deshalb ist es mir auch schlaflose Nächte wert.

Sich als junger Mensch politisch zu engagieren und auch durchzusetzen ist nicht immer einfach. Wo siehst Du da die größte Herausforderung in Deiner Partei?

Gerade in einer linken, progressiven Regierungspartei kann man als langjähriger Parteisoldat oft auf viele gesellschaftliche Erfolge zurückblicken. Das Erreichte zu bewahren, den besseren Status quo zu halten, reicht vielen jedoch zu oft zu schnell. Hier forsch auf bestehende Missstände hinzuweisen ist nicht immer einfach, aber nun mal der Job der Jugendabteilung – und kann auch verdammt erfüllend sein, wenn man dann Forderungen durchgesetzt bekommt.

Politische Arbeit kann ermüdend sein. Was ist am Ende des Tages dein Antrieb nicht damit aufzuhören?

Die meiste Zeit ist es schon ein echter Kraftakt. Doch tausende junge Menschen begehren gerade weltweit auf und fordern ihr Mitspracherecht ein – wie kann man dann als parteiinterne Jugend nicht motiviert sein, weiterzumachen?

Letzte Frage: Wäre es nicht Deine Partei geworden, welche dann?

Wenn es die SPD nicht gäbe – dann müsste ich Sie halt neu erfinden.

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/kurzundlaut/parteibuch2020-spd/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.