vonHildegard Willer 15.12.2019

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Kaum jemand dürfte die Situation der Transsexuellen in Peru besser kennen als Miluska Luzquiños. Die  gross gewachsene Anwältin mit dem herzlichen, volltönenden Lachen ist Perus bekannteste Menschenrechts-Aktivistin für die Anerkennung der Rechte transsexueller Menschen.

Miluska ist vor 35 Jahren in Lambayeque  (Nordperu) als Mann geboren worden und hat am eigenen Leib erlebt, was es bedeutet, in Peru sein Geschlecht zu wechseln: Armut, Prostitution, Obdachlosigkeit. Trotz allem hat sie es geschafft, ihr Jurastudium abzuschliessen, und ist „eher aus Zufall“ , wie sie in einem Interview  sagte, nicht Richterin geworden, sondern eine Verteidigerin der Anliegen und Rechte transsexueller Menschen.  25 700 Transsexuelle lebte alleine in Lima und Callao, sagt sie. Statistiken darüber, wieviele es in ganz Peru sind, existieren nicht.

2017 gründete Miluska Luzquiños ein selbst verwaltetes Haus für transsexuelle Menschen in Lima, die „Casa Zuleimi“ , benannt nach einer ermordeten jungen Trans-Frau.

Für ihr Engagement ist Miluska Luzquiños am 10. Dezember 2019 in der französischen Botschaft in Lima mit dem deutsch-französischen Menschenrechtspreis ausgezeichnet worden.  „Frau Luzquiños steht für eine Gesellschaft, in der die Gewalt gegen Frauen  keinen Platz hat“, würdigte der deutsche Botschafter Stefan Herzberg die Aktivistin.

Seit 2016 vergeben das deutsche und französische Aussenministerium diese jährliche Auszeichnung an 15 Personen weltweit, die sich für die Umsetzung der Menschenrechte stark machen. Die jeweiligen Botschaften machen hierfür Vorschläge, die 15 Gewinner werden dann in Berlin und Paris gemeinsam ausgewählt.  Dass heuer wieder – wie schon letztes Jahr – eine Peruanerin unter den Preisträgerinnen ist, ist auch ein Hinweis auf die rege Menschenrechtsarbeit in Peru, und dass die deutsche und französische Botschaft diese unterstützend verfolgen.

„Diese Auszeichnung ist eine Herausforderung in einer machistischen Gesellschaft wie Peru“, sagte Miluska Luzquiños in ihrer Dankesrede.  Und rief zugleich dazu auf, bei den im Januar stattfindenden Parlamentswahlen, Abgeordnete zu wählen, die sich für ein neues Gender-Gesetz stark machen. Die entsprechende Gesetzesvorlage, verfasst von Miluska Luzquiños, steckt seit zwei Jahren im peruanischen Parlament fest.

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf www.infostelle-peru.de

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