vonericbonse 27.10.2017

Lost in EUrope

Eric Bonse, EU-Korrespondent der taz in Brüssel, schreibt hier all das über Europa und seine Krise(n), was die EU gerne verdrängen würde | Bild: dpa

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Kaum dass es in Euroland wieder (etwas) besser geht, werden die Lehren aus dem großen Bankencrash 2008 verdrängt. Dabei bauen sich schon wieder neue Risiken auf.

Erst gab die EU-Kommission bekannt, dass sie ihre Pläne zum Trennbankensystem aufgibt. Giganten wie die Deutsche Bank dürfen also weiter im Investmentbanking zocken – und die Einlagen ihrer Sparer als “Sicherheit” hinterlegen.

Es habe keine Hoffnung auf eine Einigung im Ministerrat gegeben, heißt es zur Begründung. Und ich dachte immer, Ex-Finanzminister Schäuble wolle die Risiken im Bankensektor reduzieren…

Genau in die andere Richtung zeigt auch ein weiterer Vorstoß der EU-Behörde. Sie will den Handel mit “securitised loans” wiederbeleben. Er hatte zum Crash beigetragen und war danach auf Eis gelegt worden.

Der Moment ist “günstig”. Denn es bauen sich gerade neue Risiken auf – diesmal mit Krediten beim Autokauf. Die Lobbykritiker von CEO warnen schon vor einem “Carmageddon”.

Offenbar haben Banken- und Autolobby ganze Arbeit geleistet. Und das nicht nur in EUropa. In den USA wurden gerade Sammelklagen gegen Banken verboten – die Wall Street jubelt…

P.S. Hier noch die (originelle) Begründung des Verhandlungsführers im Europaparlament, O. Karas:  “Was Gift war, wollen wir zur Arznei machen”, sagte er. “In der amerikanischen Subprime-Krise haben wir gesehen, wie Überdosierung und fehlende Regeln Verbriefungen zu Brandbeschleunigern gemacht haben. Jetzt ziehen wir neue, klare und strenge Regeln ein, damit Verbriefungen wieder eine sinnvolle volkswirtschaftliche Aufgabe übernehmen können”, so Karas.

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https://blogs.taz.de/lostineurope/2017/10/27/was-gift-war-soll-arznei-werden/

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