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vonericbonse 20.03.2020

Lost in EUrope

Eric Bonse, EU-Korrespondent der taz in Brüssel, schreibt hier all das über Europa und seine Krise(n), was die EU gerne verdrängen würde | Bild: dpa

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Kurz nach Beginn des Ausnahmezustands in vielen EU-Ländern wird immer klarer, dass die Corona-Krise länger dauern wird als die angekündigten zwei Wochen. Das stürzt die EU-Politiker in ein krasses Dilemma.

Wenn wir zwei Wochen die Schulen dicht machen und die Menschen zuhause halten, so werden wir die Kurve der Neuinfizierten flach halten und einen Zusammenbruch des Gesundheitssystems verhindern. So hieß es Anfang dieser Woche in Brüssel, Berlin und Paris.

Doch wenige Tage später ist klar: Mit zwei Wochen wird es nicht getan sein. Italien hat jetzt schon mehr Tote als China und kündigt nun eine Verlängerung des Ausnahmezustands an. Deutschland bereitet eine Ausgangssperre vor, ein Ende der Krise ist nicht absehbar.

Damit schwindet aber auch die Hoffnung der EU-Politiker, den sozialen und wirtschaftlichen Schaden begrenzen zu können. Zwei bis vier Wochen kann man die Schulen zumachen und die Betriebe in Werksferien schicken, ohne bleibende Schäden zu riskieren.

Doch wenn es sechs Wochen oder gar mehrere Monate werden, dann droht der gesellschaftliche und wirtschaftliche Kollaps. Dann könnte der Schaden durch den Ausnahmezustand größer werden als der Nutzen, den er für die Gesundheit bringt bzw. bringen soll.

Das stellt die EU-Politiker vor ein krasses Dilemma: Sollen sie die Schutzmaßnahmen verlängern, auch wenn die Menschen murren und die Wirtschaft zusammenbricht? Oder sollen sie den Hausarrest aufheben, obwohl die Pandemie noch nicht besiegt ist?

Bis Ostern kann man die Entscheidung vielleicht noch aufschieben. Die EU-Chefs wollen ab sofort einmal pro Woche einen Video-Gipfel abhalten, um ihre Maßnahmen an die Lage anzupassen und Zeit zu gewinnen. Doch dem Dilemma können sie nicht entweichen.

Das ist bitter – denn schließlich haben es unsere Politiker mit verschuldet. Erst haben sie die Pandemie auf die leichte Schulter genommen und die Schutzmaßnahmen sträflich vernachlässigt. Dann haben sie uns eingesperrt, ohne eine Exit-Strategie zu entwickeln.

Gerade Deutschland saß lange auf dem hohen Roß. Jetzt zeigt sich, dass auch im größten und reichsten EU-Land harte und krasse Entscheidungen fällig werden. Selbst die politische Überlebens-Künstlerin Merkel hat keine guten Optionen mehr…

Siehe auch “Update: Europa ist das Epizentrum”

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