vonericbonse 29.01.2022

Lost in EUrope

Eric Bonse, EU-Korrespondent der taz in Brüssel, schreibt hier all das über Europa und seine Krise(n), was die EU gerne verdrängen würde | Bild: dpa

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Heimlich, still und leise bereitet sich die EU-Kommission auf einen Krieg in der Ukraine und eine Unterbrechung der Gasversorgung aus Russland vor. Die russische Regierung hat daran zwar keinerlei Interesse – ihr würden hohe Einnahmen verloren gehen.

Umso größer ist das Interesse der USA. Sie wittern die einmalige Chance, ihr schmutziges und teures Fracking-Gas in den europäischen Markt zu drücken. Bei von der Leyen rennen sie offene Türen ein. Sie kündigte einen Deal mit US-Präsident Biden an.

“Wir beabsichtigen, in enger Zusammenarbeit mit den EU-Mitgliedstaaten bei der Versorgung mit Flüssigerdgas im Hinblick auf Versorgungssicherheit und Notfallplanung zu kooperieren”, heißt es in der gemeinsamen Erklärung.

Aus den Vereinigten Staaten könnte demnach noch mehr Flüssig-Erdgas (LNG) kommen. Die USA sind für die EU bereits jetzt der größte Lieferant von LNG. Nun wollen sie den Streit um die Ukraine und Nord Stream 2 nutzen, um ihren Marktanteil zu erhöhen.

Wozu die Kriegsangst nicht alles gut sein kann! Am Ende braucht es vielleicht nicht einmal einen “echten” Krieg in der Ukraine, damit die EU den Gasimport aus Russland reduziert – und noch mehr in den USA einkauft.

Dieses Ziel verfolgte schon Ex-Präsident Trump. Nun tritt Biden in seine Fußstapfen – und die deutsche EU-Chefin reicht ihm die Hand. An der Gasstrategie habe man schon seit Wochen gearbeitet, heißt es in Brüssel voller Stolz.

Bleibt die Frage, ob von der Leyen ihren neuen schmutzigen Deal (der mit vielen netten Worten zur Energiewende verbrämt wird) mit Deutschland abgesprochen hat.

Aus der gemeinsamen Erklärung geht das nicht hervor…

Siehe auch “USA geben Gas (für Sanktionen)”

P.S. Mehr Gas soll auch aus autoritären Regimen wie in Algerien, Ägypten oder Azerbaidschan kommen. Auch mit Katar ist von der Leyen im Gepräch…

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