vonericbonse 26.03.2022

Lost in EUrope

Eric Bonse, EU-Korrespondent der taz in Brüssel, schreibt hier all das über Europa und seine Krise(n), was die EU gerne verdrängen würde | Bild: dpa

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Wirtschaftsminister Habeck lässt sich für seinen “Erfolg” in Katar feiern. Dabei läuft er nur US-Präsident Biden und EU-Kommissionschefin von der Leyen hinterher. Mehr Gas gibt es durch den nationalen Alleingang auch nicht.

Bereits am 28. Januar – also vier Wochen vor dem Ukraine-Krieg – haben Biden und von der Leyen ihre Zusammenarbeit bei der Suche nach “alternativen” Gas-Lieferanten öffentlich gemacht.

Und schon am 25. Januar gab das Weiße Haus bekannt, dass es an Plänen für eine Substitution von Gas und Öl aus Russland für Europa arbeitet. Katar stand ganz oben auf der Prioritäten-Liste.

Habeck läuft also nur den USA und der EU hinterher, letztlich folgt er einer amerikanischen Strategie. Dass er sich dafür nun in Deutschland feiern lässt, ist aus mehreren Gründen peinlich.

Zum einen ist seit Wochen bekannt, dass Katar kurzfristig nicht viel Flüssiggas (LNG) nach Europa liefern kann.

Laut Schätzungen aus der qatarischen Presse macht das für eine Umleitung verfügbare Gas nur etwa 13 Prozent der europäischen und britischen Importe aus Russland aus, berichtet die “FAZ”.

Zum anderen verfügt Deutschland bisher nicht einmal über einen Hafen mit LNG-Terminals. Habeck hatte erst vor wenigen Wochen angekündigt, dass er sich darum kümmern will – viel zu spät.

Last but not least handelt es sich bei LNG um einen klimaschädlichen Rohstoff, der noch dazu aus einem autoritären Staat kommt. “Schlimmer geht’s nicht mehr für einen grünen Klimaschutzminister”, urteilt die “Süddeutsche” zu Recht.

Dass Habeck dann auch noch einen nationalen Alleingang hinlegt, macht die Sache nicht besser. Es zeigt, wie schnell das grüne Bekenntnis zu EUropa über Bord geworfen wird.

Der gefeierte Minister reiste lieber mit einer Delegation deutscher Konzernchefs und Lobbyisten, als gemeinsam mit der EU vorzugehen. Offenbar eifert er Ex-Kanzlerin Merkel nach – die hat es genauso gemacht…

Siehe auch „Plötzlich ist Habeck für Frackinggas“

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https://blogs.taz.de/lostineurope/2022/03/26/habeck-wandelt-auf-bidens-spuren/

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kommentare

  • Probleme mit der Logik? Zweiter Vorwurf an Habeck ist, daß er hierzulande keine LNG-Häfen gibt, dritter Vorwurf dann, daß LNG sowieso abzulehnen sei. Wenn man wie der Autor LNG sowieso ablehnt, kann man doch nicht kritisieren, daß es keine LNG-Häfen gibt. Ganz abgesehen davon, daß Habeck erst seit wenigen Monaten im Amt ist, und der Bau von LNG-Terminals nun wirklich nicht in so einer kurzen Zeitspanne zu realisieren ist.

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