vonericbonse 02.04.2022

Lost in EUrope

Eric Bonse, EU-Korrespondent der taz in Brüssel, schreibt hier all das über Europa und seine Krise(n), was die EU gerne verdrängen würde | Bild: dpa

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Die USA heizen den Krieg in der Ukraine weiter an. US-Präsident Biden ließ durchblicken, dass ukrainische Truppen in Polen geschult werden. Außerdem kommen Flugzeuge zur elektronischen Kampfführung nach Deutschland.

Die sechs Boeing-Kampfflugzeuge vom Typ „EA-18 Growler“ würden auf den Stützpunkt Spangdahlem in Rheinland-Pfalz verlegt, erklärte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, John Kirby. Sie sind dazu bestimmt, die Luftabwehr eines feindlichen Staats auszuschalten.

Kirby betonte, die Maschinen sollten nicht gegen russische Truppen in der Ukraine eingesetzt werden, sondern der Stärkung der Nato-Ostflanke und der Abschreckung gegenüber Russland dienen. Die Verlegung sei mit der deutschen Bundesregierung abgestimmt.

Deutschland entwickelt sich damit erneut zum Drehkreuz eines bewaffneten Konflikts – genau wie schon im Irakkrieg. Dabei steigt das Risiko einer Verwicklung in die Kämpfe in der Ukraine immer mehr. Vor allem die USA kennen (fast) keine Grenzen mehr.

So wurde jetzt bekannt, dass die Amerikaner auch ukrainische Soldaten für den Kampf gegen Russland in Polen ausbilden. Dies habe US-Präsident Biden versehentlich bei seinem Besuch in Warschau ausgeplaudert, meldet “Politico”.

Polen wiederum will Kampfjets in die Ukraine schicken – und hat dafür offenbar das “Go” von Biden erhalten. Wenn stimmt, was in Kiew behauptet wird, dürfte der Krieg bald in eine neue, noch gefährlichere Phase gehen – und Deutschland mittendrin.

Vielleicht sollte man sich in Berlin einmal Gedanken darüber machen, wo das alles enden soll. Der Ukraine-Konflikt wird immer mehr zum Stellvertreter-Krieg, in dem die USA (und Polen) immer offener Russland herausfordern. Ist das wirklich im deutschen Intresse?

Siehe auch “Bidens gefährliche Doppel-Botschaften” und “Polen spielt mit dem Feuer und zieht Deutschland hinein – über Ramstein”

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https://blogs.taz.de/lostineurope/2022/04/02/die-usa-mischen-kraeftig-mit/

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kommentare

  • Putin hat die Ukraine überfallen. Aber was ist mit einer Mitverantwortung der USA bzw. der Nato. Ich weiß nicht, was daran nicht zu verstehen ist, dass für Putin die Mitgliedschaft der Ukraine in der Nato eine rote Linie ist. Ein Blick auf die Landkarte reicht doch. Es doch zutreffend, dass die USA auf dem Gebiet der Ukraine militärisch präsent waren, entgegen der Vereinbarung im Abkommen Minsk 2. Also ich finde es gut, dass es endlich einen Beitrag zur Rolle der USA im Ukrainekrieg gibt.

  • Ich bin sehr enttäuscht von der oberflächlichen und unreflektierten Art mit der hier (mild ausgedrückt) Äpfel mit Birnen verglichen werden. Dabei würde ich zwar keinen bösen Willen oder Unredlichkeit unterstellen wollen, wohl aber eine ausgeprägte Trägheit, die dem Autoren das Abrücken von gewohnten und vorgefassten Bildern offenbar schwer macht.
    Es ist richtig, dass die Staaten der EU und der Nato (welche, wie meine Vorredner bereits richtig anmerkten, mitnichten gleichzusetzen sind!) in ihrer Außenpolitik auch in diesem Fall oft von eigenen Interessen getrieben selbstgerecht und zynisch dastehen. Dennoch darf uns das nicht dazu verleiten, das mit der menschenverachtenden Brutalität dieses Angriffskriegs und dessen Massaker gleichzusetzen und damit Kriegsverbrechen zu relativieren.

  • Sorry, aber der Kommenmtar ist nur peinlich!
    Wie kommt der Autor darauf, dass der Krieg in der Ukraine eines Aufheizen seitens der USA bedarf? Weil es Waffen an die Ukraine liefert, damit diese sich verteidigen kann? Ernsthaft?
    Der Vergleich zum Irakkrieg und das Deutschland zum Drehkreuz eines bewaffneten Konflikt würde – hanebüchen: Im Irakkrieg nutze eine Kriegsführende Partei (die USA) Infrastruktur in Deutschland um von dort aus den Krieg auf Euphrat zu führen. Davon kann jetzt doch gar keine Rede sein.
    Genauso unsinnig ist es einen Zusammenhang zwischen dem Training ukrainischer Soldaten in Polen und der Stationierung der der Boeing-Kampfflugzeuge zu ziehen. Ersteres dient der Fähigkeit der Ukrainischen Armee zu Kriegsführung (dazu kann man ja stehen, wie man will), letzteres der Sicherung der Nato-Staaten vor einem möglichen Angriff. Oder glaubt Ericbonse ernsthaft, die Waffen, die zur die Luftabwehr eines feindlichen Staats dienen, sollen im jetztigen Krieg zum Einsatz kommen, sprich: Die USA oder die Ukraine die LUftabwehr der Russen ausschalten wollen? Das macht nur Sinn, wenn man einen Angriff auf russisches Territorium vorsieht. Das ist wohl kaum Ziel der ukrainischen Vertreidigungsbemühungen.
    Den Krieg in der Ukraine auf einen Stellvertreterkrieg runterspielen, bei dem eigentlich zwei Großmächte (auf dem Rücken der Ukraine) ihre Konflikte austragen, ist näher am Putinschen Märchen von der Bedrohung durch den Westen, als an der Realität. Den Krieg in der Ukraine gäbe es auch ohne USA, ohne den Westen. Er würde mit derselben Brutalität geführt, wie jetzt, möglich allerdings, dass die Ukraine ihn schon verloren hätte. Wenn man das will, lieber ERicbonse, dann sagen Sie es doch offen…

    • Aus der „Zeit“:
      Rheinland-Pfalz wird nach Einschätzung von Innenmister Roger Lewentz (SPD) als Drehscheibe für die Ostflanke der Nato eine „unglaubliche Bedeutungsaufwertung erfahren“. Dies sei sein Eindruck nach Gesprächen mit dem Pentagon, dem State Department und mit für den Militärhaushalt verantwortlichen Kongress-Abgeordneten in Washington, sagte Lewentz der Deutschen Presse-Agentur in Mainz.
      (…)
      „Wir haben in den letzten Monaten und Jahren beweisen können, dass man über das Drehkreuz Ramstein, aber natürlich auch mit den großen Nachschubmöglichkeiten aus Kaiserslautern flexibel und schnell verlegungsfähig ist“, sagte Lewentz. Dies werde in den USA gesehen.

      „Das Zusammenspiel der Standorte in Rheinland-Pfalz funktioniert.“ Die wichtigsten Standorte seien Spangdahlem und Ramstein für die Luftwaffe (Air Force) sowie Kaiserslautern und Baumholder für die Army. Rheinland-Pfalz sei nach dem Eindruck all seiner Gesprächspartner „die bedeutende Drehscheibe, um das amerikanische Engagement an der Nato-Ostflanke durchführen zu können“.

  • Ich dachte erst, dass dieser Artikel Satire ist, aber wenn man sich die anderen Artikel anschaut, meinen Sie das ja wirklich ernst. Ich fand diese Meinung schon immer peinlich, aber dass Sie das jetzt noch SO schreiben, kann ich mir nur noch damit erklären, dass Sie sich mit kontroversen Meinungen wichtig machen wollen. Logik folgt es nämlich nicht. Sie schreiben setzen Dinge gleich, die unterschiedlich sind, nämlich „der Westen“ und „die Nato“, die aber nun mal einfach keine singulär erfassbaren Entitäten sind, mit Russland, dass seit Jahrzehnten von einem Autokraten geführt wird. Und sie unterscheiden Dinge, wo auch das unangebracht ist, nämlich dass alle „westlichen“ Akteure irgendwelche verschwörerischen Pläne ausführen, aber gerade Putin(!) anscheinend nur getrieben ist und keinen eigenen Willen hat.

    Ich weiss nicht was sie antreibt, und ich finde ja man sollte immer den Ton wahren, aber Sie sollten sich wirklich schämen, schon allein für den ersten Satz Ihres Artikels. Das war vor einigen Monaten vielleicht noch edgy, ist inzwischen aber nur noch absolut bitter in Anbetracht der Tatsachen und der Toten in der Ukraine. Die wurden von russischen Kugeln getroffen.

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