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vonlottmann 28.06.2007

Auf der Borderline nachts um halb eins

„Sein Borderline-Blog ist der Schlüssel für das Gesamtwerk des wohl besten Autors unserer Tage“ – Rainald Goetz

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REFLEXIONEN DES COMANDANTE EN JEFE

Einige weitere Argumente zum Manifest vom 17. Juni 2007

Warum ich gesagt habe, dass Bush meine Ermordung bewilligt oder angeordnet hat? Inzwischen hat selbst die deutsche Zeitung DER SPIEGEL darüber berichtet, nämlich auf deren online Seite am heutigen Tag. Ich werde dies hier sofort ergänzen und begründen:
Dieses Thema zur Anklage seines Mordplanes bezüglich meiner Person wurde schon vor dem Zeitpunkt aufgeworfen, als er den anderen Kandidaten durch Wahlbetrug um den Sieg brachte.
Vor schon recht langer Zeit, d.h. am 5. August 2000, habe ich es in der Stadt Pinar del Río, vor zahlreichem, dort anlässlich der traditionellen Feierlichkeiten zum 26. Juli versammeltem Publikum kämpferischer Mitbürger angeprangert, in einer Provinz, welche zusammen mit Villa Clara und Havanna-Stadt aufgrund ihrer Verdienste Austragungsort dieser Veranstaltung war.
Es ist wirklich ein Rätsel, die Verantwortlichen der mehreren hundert Attentate gegen mein Leben aufzuzeigen. Es wurde jede mögliche Art und Weise verwendet, um meinen Tod zu verursachen, sowohl auf direkte als auch indirekte Art. Ford hat nach dem aus moralischen Gründen zwangsläufig verursachten Abtritt von Nixon das Verbot verfügt, Regierungsbeamte dazu zu verwenden, Morde zu begehen.
Ich bin sicher, dass Carter aufgrund seiner religiösen Überzeugungen niemals den Befehl zu solch einem Unternehmen gegen mich gegeben hätte. Er war der einzige Präsident der bei verschiedenen wichtigen Themen eine freundschaftliche Geste gegenüber Kuba hatte, so unter anderem die Einrichtung der Interessenvertretung in Kuba.
Mir ist nicht bekannt, dass Clinton so etwas angeordnet hätte, sodass ich ihm solch einen Befehl nicht zuschreiben kann. Er achtete ohne Zweifel die Gesetze und handelte mit politischem Verantwortungsbewusstsein, als er die gerichtliche Entscheidung respektierte, den entführten Jungen dem Vater und seinen nächsten Familienangehörigen zurückzuschicken, da dies auch schon die Unterstützung der Mehrheit der US-amerikanischen Bevölkerung genoss.
Ende 1997 fand das 7. Iberoamerikanische Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs auf Isla Margarita in Venezuela statt, an dem ich gezwungenermaßen teilnehmen musste.
Am 27. Oktober jenes Jahres fuhr ein Wasserfahrzeug mit dem Namen „La Esperanza“ in Richtung Isla Margarita. Als es sich der Küste von Puerto Rico sehr näherte, wurde es von einem Patrouillenboot von Küstenpolizei und Zollbehörden jener besetzten Insel abgefangen, da Drogentransport vermutet wurde. Auf dem Schiff reisten vier Terroristen kubanischer Herkunft, die 7 Kisten mit Munitionen und zwei halbautomatische Scharfschützengewehre Barrett Kaliber 50 mit Nachtsichtzielfernrohr mitführten, welche mit Präzision auf eine Entfernung von mehr als tausend Metern Panzerfahrzeuge oder Flugzeuge – sowohl während des Fluges als auch kurz vor dem Abheben bzw. beim Landansatz – treffen können.
Die halbautomatischen Gewehre waren Eigentum von Francisco José Hernández, Präsident der Cuban American National Fundation. Die Jacht „La Esperanza“ war als Eigentum von José Antonio Llamas registriert, einer der Leiter derselben konterrevolutionären Organisation. Letzterer erklärte kürzlich, die CANF habe einen Transporthubschrauber, zehn ferngesteuerte Ultraleichtflugzeuge, sieben Wasserfahrzeuge und reichlich Explosionsmaterial mit dem ausdrücklichen Ziel erworben, Terroraktionen gegen Kuba durchzuführen. Der CANF stand außerdem eine weitere Jacht zur Verfügung, die „Midnight Express“, die, so Llamas, den Chairman – Obersten Chef – Mas Canosa zur Insel bringen würde, um sich als Präsidenten auszurufen, sobald Fidel Castro ermordet und seine Regierung gestürzt worden wäre.
Die berühmt berüchtigte US-kubanische Mafia bereitete sich auf die Präsidentenwahlen vom November 2000 vor. Sowohl die eine als auch die andere Partei machten sich deren Unterstützung strittig, da der Bundesstaat Florida entscheidend für den Wahlsieg sein konnte. Ihre Chefs aus den ehemaligen Batista-Kreisen waren vor allem Fälschungsexperten.
Vom Ansehen der imperialen Politik wird nicht einmal Staub übrig bleiben. Wir werden ihre Heuchelei und ihre Lügen eine nach der anderen systematisch anklagen und niederreißen. Es ist offensichtlich, dass sie keine Ahnung davon haben, welch erstklassiges Volk sich in diesen vierzig Jahren Revolution geschmiedet hat.
Unsere Botschaft wird an alle Enden der Welt gelangen und unser Kampf wird Beispiel sein. Die Welt, die immer unregierbarer wird, wird den Kampf fortführen, bis Hegemonismus und Unterjochung der Völker völlig unhaltbar werden.
Wer nun zum Präsidenten des Imperiums ‚gewählt‘ ist, darf nicht verkennen, dass Kuba die totale Aufhebung des mörderischen Cuban Adjustment Act und der kriminellen Gesetze mit den berüchtigten Namen Torricelli und Helms-Burton, der völkermörderischen Blockade und des Wirtschaftskrieges fordert; dass sich seine Autoren, Urheber und Vollstrecker des Verbrechens des Völkermordes schuldig gemacht haben, das in den internationalen von den USA und Kuba unterzeichneten Abkommen definiert und sanktioniert wird.
Auch dürfen sie sich keinen Illusionen zur Haltung Kubas hingeben, sollten die Vereinigten Staaten irgendwann normale Beziehungen zu unserem Land aufnehmen, so wie sie sie heute zu anderen sozialistischen Ländern wie China und Vietnam unterhalten. Wir werden zu keinem gegen die Völker begangenen Verbrechen, keiner Aggression oder Ungerechtigkeit schweigen. Unsere Schlacht der Ideen wird nicht aufhören, solange es das imperialistische, hegemonische und unipolare System gibt, das für die Menschheit zur Geißel und für das Überleben der Gattung Mensch zu einer tödlichen Bedrohung geworden ist.
Es wächst die Anzahl der Millionen US-Bürger, die sich der Schrecken der Wirtschafts- und politischen Ordnung bewusst werden, die der Welt aufgebürdet wurde.
Die Kubanische Revolution vertraut nicht nur auf die moralische Integrität und die patriotische und revolutionäre Kultur seines Volkes sowie auf den Selbsterhaltungstrieb der Gattung Mensch, deren Überleben bedroht ist. Sie glaubt auch an den traditionellen Idealismus des US-amerikanischen Volkes, das nur durch plumpe Täuschung zu ungerechten Kriegen und beschämenden Aggressionen geführt werden kann. Sind Demagogie und Lüge einmal aus der Welt geschafft, dann wird die Welt in den Bürgern der Vereinigten Staaten ausgezeichnete Verbündete haben, wie es nach jenem abscheulichen Krieg der Fall war, der zwei Millionen Vietnamesen und mehr als 50 000 jungen US-Amerikanern das Leben gekostet hat; oder wie es dieses Volk eben erst mit seiner edlen Unterstützung für einen kubanischen Jungen und seine Angehörigen bewies, die Opfer eines brutalen Verbrechens durch eine Bande von Übeltätern geworden waren, die sich der Gastfreundschaft jenes Landes bedient hatten und am Ende, von Hass und Frustration fortgerissen, die Flagge der Vereinigten Staaten in den Schmutz zerrten und anzündeten.
Der Wandel in der Kuba-Politik der Regierung der Vereinigten Staaten hat ein einseitiger zu sein, denn die Blockade und der Wirtschaftskrieg gegen Kuba durch jene, die dieses Land regieren, erfolgen auf einseitige Weise.
Von hier aus, von dieser Provinz aus, wo der Titan aus Bronze in Mantua seine kolossale Heldentat der bei den Mangos von Baraguá begonnenen Invasion zu Ende führte, erteilen wir ihnen unsere Antwort: Ihr Dummköpfe! Begreift ihr denn nicht, dass Kuba uneinnehmbar ist, dass seine Revolution nicht vernichtet werden kann, dass sich sein Volk niemals ergeben noch beugen wird? Werdet ihr nicht gewahr, dass die Wurzeln unseres Patriotismus und unseres Internationalismus so tief in unseren Köpfen und unseren Herzen sitzen wie die beeindruckenden Mogote-Felsen aus Feuergestein von Pinar del Río auf dem vulkanischen Grund dieses Teiles unserer Insel, die sich Kuba nennt und die sich heute rühmen kann, fast 42 Jahre Blockade und Aggression durch das mächtigste Land, das es je gegeben hat, unbesiegt überstanden zu haben?
Für uns spricht die Stärke unseres Prestiges und unseres Beispiels, die unzerstörbare Stahl der unanfechtbaren Gerechtigkeit unserer Sache, das unlöschbare Feuer unserer Wahrheit und unserer Moral, der doppelte und uneinnehmbare Schützengraben aus Steinen und Ideen, den wir errichtet haben.
Deshalb, Herr Bush, sollten Sie Oberhaupt des Imperiums bleiben – denn Republik kann es schon nicht mehr genannt werden – so rate ich Ihnen als aufrichtiger Gegner, denken Sie zurück; riskieren Sie nicht, der zehnte Präsident zu werden, dessen Amtszeit einmal abläuft, indem er mit steriler und überflüssiger Bitterkeit einer Revolution in Kuba zusehen musste, die sich weder beugt, noch aufgibt, noch vernichtet werden kann.
Ich weiß recht gut, was Sie unüberlegterweise zu Ihren engen und schwatzhaften kleinen Freunden der kubanisch-amerikanischen Mafia äußerten, nämlich dass Sie das Kuba-Problem sehr leicht in Griff bekommen können, wobei Sie klaren Bezug nehmen auf die Methoden der unheilvollen Zeit, als bei Mordplänen gegen die Führungspersönlichkeiten unseres Landes die CIA direkt mit herangezogen wurde. Da ich diese so enge Auffassung zur Rolle des Einzelnen in der Geschichte nicht teile, ermahne ich Sie, nicht zu vergessen, dass für jeden der revolutionären Führer, den Sie auf diesem Wege zu beseitigen beschließen, es in Kuba Millionen Männer und Frauen gibt, die seinen Platz einzunehmen fähig sind. Sie alle zusammen sind viel mehr, als Sie beseitigen könnten und als Ihre riesige politische, ökonomische und militärische Macht besiegen könnte.
Ich bin der Meinung, dass diese lange Reflexion ein weiteres Argument dessen ist, was ich im Manifest für das kubanische Volk letzte Woche dargelegt habe.

Fidel Castro Ruz

26. Juni 2007

18.15 Uhr

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kommentare

  • Ich kannte mal ein spanisches Mädchen. Ihr Vater war ein argentinischer Kiffer gewesen. Sie erhielt ein Stipendium der Internationalen Hochschule für Film und Fernsehen in San Antonio de los Baños. Es stellte sich heraus, dass sie eine begnadete Kokserin war. Auf Kuba konnte ihr genauso geholfen werden wie seinerzeit Diego Armando Maradona.

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