vontaz.meinland 23.01.2017

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taz.meinland wird im März nach Wuppertal zur Schularbeitshilfe „Chance“ reisen – hier kämpft eine Einrichtung gegen die Armut in der ehemaligen Industriestadt.

Weltberühmt ist Wuppertal in zweierlei Hinsicht, erstens, weil diese Stadt eine Schwebebahn als öffentliches Verkehrsmittel hat, zweitens aber wegen des Tanztheater Pina Bauschs. Aber die Dunkeln sieht man nicht, ließe sich sagen – dabei ist der Tag, wenn auch frostig, sonnig, als mich Thomas Willms am Bahnhof Oberbarmen abholt.

Wir sind verabredet, weil er seit vielen Jahren bei der „Chance! Wuppertal“ im absolut nullest gentrifizierten Stadtteil Langerfeld arbeitet. Das ist eine Einrichtung, die sich seit vielen Jahren um Schulnachhilfe kümmert – die Schülerinnen und Schülern zugute kommt, in deren Familien Bildung entweder keinen extrem hohen Wert hat oder schlicht die Mittel für den Unterricht nach dem Unterricht fehlen.

Thomas Willms von „Chance! Wuppertal“

Es ist eine christliche Einrichtung, katholisch – und das mitten im evangelischen Gebiet, aus dem ja auch der frühere Bundespräsident Johannes Rau stammt: ein Industrierevier von unfassbarem Reichtum, als es noch auf Produktion jenseits von Hightech und mit vielen Rohstoffen ankam. Fährt man dem ICE von Hannover kommend gen Köln, fährt man durch diese Stadt und erkennt doch gleich, dass dies kein Silicon Valley ist: Wuppertal, zumal in einem Arbeiterviertel wie Langerfeld, ringt ums eine kommunale Zukunft, um Jobs und Betriebe.

Woran hapert es in Wuppertal?

„Die Chance! Wuppertal“ ist eine ausgesprochen freundliche Einrichtung, die auch von Spenden lebt. Thomas Willms kann sich nicht nur vorstellen, dass taz.meinland dort Station macht. Noch ist offen, ob dies der 15. oder 20. März wird – aber zu reden gibt es dann viel: Woran hapert es, wenn zum gemeinsamen Fastenbrechen – das Haus versteht sich überkonfessionell, man hat Respekt vor jedem Glauben – auch Familien von Flüchtlingen eingeladen sind, aber nur wenige kommen. Und wenn, dann sind es die Männer. Es wird auch zu reden sein über ein Haus, in dem spontan so etwas wie Wärme und Anteilnahme für alle Bedrängten spürbar ist: Hier ringt man um das Nötigste, weil es in der Tat nötig ist.

In der Sonderausgabe der TAZ zu taz.meinland am Mittwoch wird mehr über dieses Haus zu lesen sein: Menschen, die sich um Lebenschancen anderer kümmern, weil deren Chancenarmut sonst niemand schert.

JAN FEDDERSEN, Projektleiter taz.meinland und Redakteur für besondere Aufgaben

Beitragsbild: JAF

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