vonEva C. Schweitzer 13.10.2018

Manhattan Media

Eva C. Schweitzer, Buchautorin, Journalistin und Verlegerin, über Amerika und über die Leute, die über Amerika schreiben.

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Große Aufregung auf der Buchmesse: Hochgerüstete Polizei sperrte gestern weiträumig den Übergang von Halle 3 zu Halle 4 ab. Erst dachte ich, ein Anschlag sei angedroht, dann an einen Staatsbesuch — wenn es in New York so einen Aufmarsch gibt, kommt meistens Benjamin Netanyahu vorbei oder ein saudischer Prinz. Es war aber dann bloß Deutsch-Rechtsaußen Björn Höcke, der sein Buch vorstellte (glaube ich; da alles abgesperrt war, erschloss sich das nicht weiter). Beide Foyers füllten sich rasch mit Messebesuchern, die darauf warteten, dass etwas passierte, aber vergebens.

Allerdings gelang es Martin Sonneborn von Der Partei , zur Lesung vorzudringen, und zwar als Simulation von Hitler-Attentäter Claus Graf Schenck von Stauffenberg samt Augenklappe und Aktentasche. Er wollte letzere auf dem Fußboden abstellen, wurde daran aber gehindert, weil man sowas seit 9-11 nicht mehr darf. Ich habe mich mal (kurz nach 9-11) mit Daniel Ellsberg über Stauffenberg unterhalten. Ellsberg war der Mann, der unter Richard Nixon die Pentagon Papers an die New York Times gegeben hat. Ellsberg sagt, Stauffenberg habe den Fehler gemacht, die Tasche abzustellen und wegzugehen, statt sich mit selbiger in die Luft zu sprengen. Es ist schade, dass sich Sonneborn und Ellsberg nie kennengelernt haben, aber dann wärs ja keine Simulation mehr.

Am Nachmittag stellte Wolfgang Ischinger, der frühere Botschafter der Bundesrepublik in Washington sein neues Buch vor; Welt in Gefahr: Deutschland und Europa in unsicheren Zeiten, erschienen bei Ullstein, darin geht es um Amerika und Donald Trump. Wird Trump wiedergewählt? Ischinger gestand, dass er bisher mit allen präsidenzialen Voraussagungen falsch gelegen sei, deshalb mache er nun keine mehr (ähnlich gehts mir, ich versprach damals, meine Schuhe zu essen, falls Bush jr. wiedergewählt würde). Ansonsten schlug er vor. Trump fürsorglich zu umarmen. Alternativ könnte man — denke ich — auch Sonneborn im Weißen Haus vorbeischicken. Amis verstehen ja bekanntlich viel Spaß. Es wäre immer noch eine Simulation, aber eine mit Konsequenzen.

Am Abend gabs dann eine Preisverleihung im Frankfurter Literaturhaus; die Hotlist, zehn Preise an unabhängige Verlage für zehn neue und bemerkenswerte Bücher; elf Preise eigentlich, denn im Lauf des Abends kam noch ein Preis dazu, der an den Elfenbein Verlag aus Berlin ging (siehe Foto). Das Buch heißt Manapouri, von Marcel Schwob. Hier mehr zum Preis.

 

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