vonEva C. Schweitzer 05.05.2019

Manhattan Media

Eva C. Schweitzer, Buchautorin, Journalistin und Verlegerin, über Amerika und über die Leute, die über Amerika schreiben.

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Gerade hatte ich mich daran gewöhnt,  alle paar Stunden einen neuen Greta-Artikel  serviert zu bekommen — Greta, das Mädchen aus Schweden, die Kohlendioxide so sehen kann so wie andere Leute die Spuren der Chemtrails — da wird schon wieder eine neue Sau durchs Dorf getrieben: Kevin Kühnert, der Juso-Chef. Kevin möchte BMW verstaatlichen, weil die Quandt-Familie, die BMW besitzt, daran zu viel Geld verdient.  Ich vermute mal, BMW ist nur ein Beispiel, als nächstes wäre DaimlerBenz dran, dann Ford, dann VW. Außerdem sollen, meint Kevin, Mietwohnungen kein Spekulationsobjekt sein, denn auch daran wird zu viel verdient.

Ein großer Aufschrei ging durch den Blätterwald, aber nicht überall; es gibt auch Sympathisanten von Kevin. Die eigentliche Frage ist aber: Was würde Greta dazu sagen? Greta, das ist wohl klar, steht für Konsumverzicht, weniger Autos und eigentlich am liebsten gar keine, Fliegen soll sowieso keiner, und große Wohnungen sind ebenfalls klimaschädlich, auch wenn Greta das nicht so direkt sagt, aber das ist tatsächlich so, schon wegen der Heizung. Also, klimamäßig wäre es am besten, wenn je ein Dutzend Leute gezwungen wären, der hohen Mieten wegen gemeinsam in einer Einraum-Wohnung zu hausen. Die heizen sich gegenseitig.

Nun also Kevin. Nehmen wir mal an, das würde alles so in der wirklichen Welt funktionieren, BMW würde sich nach der Enteignung nicht flugs in Trabbi 0.2 verwandeln, sondern es würden weiterhin richtige Autos vom Band rollen. Was passiert mit der Kohle, die die Quandt-Familie dann nicht mehr kriegt? Haben die Arbeiter mehr verfügbares Einkommen, weil denen der Betrieb gehört und können öfter in den Urlaub fahren? Werden die BMWs billiger, so dass sich mehr Leute ein Auto leisten können? Wird eine nachgeordnete Behörde geschaffen, die BMW verwaltet und die natürlich als erstes ein passendes Gebäude braucht? Oder wird das Geld in die Entwicklung neuer Maschinerie investiert, vom Flugzeug bis zur Rakete?

Natürlich könnte auch der Staat das Geld kassieren, statt die Quandt-Familie und es anderweitig verwenden — um die Politikerkaste besser auszustatten, Flüchtlinge aus dem Mittelmeer zu retten oder das Bafög zu erhöhen. Dann kaufen die halt BMWs. Was auch immer geschieht, es ist schlecht für das Klima. Denn mehr und blllige Autos … ich denke mal, ich brauche das nicht zu erklären. Oder vielleicht doch, denn erstaunlich viele linke Journalisten scheinen den Zusammenhang nicht zu begreifen, sonst wären die Greta-Anhänger nicht irgendwie auch die gleichen, die Kevin gut finden.  Man könnte beinahe meinen, die wollen eigentlich gar keinen Konsumverzicht, sondern nur mit der schicksten Theorie vorne sein.

Die Hauptfrage aber ist: Wo war Kevin, als Air Berlin pleite ging? Hätte der Staat da mal rechtzeitig zugegriffen, könnte ich heute noch für 200 Dollor nach New York fliegen. Was aber Greta und Kevin angeht, das ist wie mit dem Highlander: Es kann nur einen geben.

 

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