vonEva C. Schweitzer 18.07.2019

Manhattan Media

Eva C. Schweitzer, Buchautorin, Journalistin und Verlegerin, über Amerika und über die Leute, die über Amerika schreiben.

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In Marbach gibt es nicht nur Amerikaner, sondern auch Berliner; am Sonntag sprach die Autorin Felicitas Hoppe im Literaturmuseum der Moderne über ihren Roman Hoppe. Anlass war, dass der Film „Felicitas Hoppe sagt“ von Oliver Held und Thomas Henke nun im Literaturmuseum gezeigt wird, und zwar auf drei Wänden. In, ich glaube, Endlosschleife. Im Film wie im Roman spricht sie über ihre Biographie, allerdings nicht ihre echte Biographie, sondern eine, die ihr besser gefällt, in der sie ein Einzelkind ist und in Australien lebt. Und in Amerika. Und durch die ganze Welt fährt. Das ist eine wunderbare Idee, und ich fange gleich mal damit an, meine eigene Biographie umzugestalten. Bin ich nicht eigentlich eine Nachfahrin von Friedrich Schiller?

Übrigens beklagte sich auch Tucholsky über sein ungelebtes Leben, aber nicht eines in Australien, sondern eines mit seiner Frau Mary, vorzugsweise in Paris. Dazu später mehr. Neben Tucholsky erforsche ich aber auch Marbach. Die Altstadt von Marbach ist zu großen Teilen von der alten Stadtmauer umgeben, so dass es gar nicht so einfach ist, zum Neckar hinabzusteigen, jedenfalls nicht, wenn man vom Süden, vom Literaturarchiv kommt. Der Neckar liegt im Westen. Vom Bahnhof aus, vom Norden, habe ich es zwar geschafft, bis zur Landungsbrücke zu gelangen und dann am Flussufer weiter zum alten Bootshaus,, nur mit dem Rückweg, das war etwas mühseliger als gedacht. Ich tappste eine Zeitlang neben der vielbefahrenen Ludwigsburger Straße her und fand endlich eine Treppe bis zu einem winzigen Tor in der  Stadtmauer, allerdings erst, als ich die halbe Stadt schon umrundet hatte.

Am nächsten Morgen, im Hellen, bin ich aus purer Rechthaberei noch einmal den Weg vom Literaturarchiv zum Neckar hinuntergelaufen und habe tatsächlich einen Fußweg gefunden, der Mühlweg heißt, aber so ganz umwegfrei war der auch nicht. Allerdings gibt es eine sehr malerische Fußgängerbrücke vom Mühlweg zum Bootshaus, die hätte den Weg angenehm abgekürzt, aber die war gesperrt. Immerhin habe ich nun ein zweites Tor in der Stadtmauer entdeckt. Also, wenn ich noch zwei, drei Jahre hier wohne, kenne ich wahrscheinlich jeden Stein.

In Sachen Automat für Hanuta und Duplo habe ich inzwischen folgendes recherchiert: So einen Automaten im Café im Archivgebäude aufzustellen, das geht nicht, weil, da müsste sich ja wer drum kümmern. Das sei personalintensiv. Außerdem gäbs ja den ganzen Tag im Café im Nationalmuseum — also dem Publikumsmuseum — Hanutas zu kaufen. Mein Einwand, dass die dort dreimal so teuer seien wie hier (ja, ich bin bereits voll ins Schwabenländle integriert), wurde mit Kopfnicken entgegengenommen. Ich frage mich aber doch, ob das nicht eher ein Kampf ist, den die ortsansässige Bevölkerung führen sollte. Und hier noch einen Blick auf den abendlichen Neckar:

 

 

 

 

 

 

 

 

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