vonEva C. Schweitzer 09.10.2019

Manhattan Media

Eva C. Schweitzer, Buchautorin, Journalistin und Verlegerin, über Amerika und über die Leute, die über Amerika schreiben.

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In diesen Wochen und Monaten bin ich unterwegs in Sachen Kurt Tucholsky, nicht nur in Marbach (und New York), sondern auch in Frankreich und Italien. Als kostenbewusste Schwäbin und eifrige Umweltschützerin habe ich mich für eine Art des Transports entschieden, von dem ich lange glaubte, er sei ausgestorben: Interrail!

Aber nicht nur gibt es Interrail noch, es ist  zu vielen kleinen Interrails mutiert, so wie die Gremlins im Trump Tower; von drei Tagen in zwei Wochen und ganz Europa bis zu vier Wochen in einem Land ist alles buchbar. Und so stand ich hoffnungsfroh am Bahnhof Zoo, nein, am Hauptbahnhof und erwarb ein Interrailticket; zehn Tage innerhalb von zwei Monaten, von Spitzbergen bis Portugal.

Soweit will ich gar nicht; Marseille reicht mir erst einmal, und es gibt auch wahrhaftig einen Zug von Berlin nach Marseilles, mit Umsteigen in Frankfurt. Ein TGV. Erste Überraschung: Der TGV nimmt mich zwar mit, aber für einen soliden Aufschlag von zwanzig Euro. Dem nicht genug, ich kann die Reservierung auch nicht im Internet kaufen, sondern nur direkt am Schalter, vor Ort. Das wird noch einige Probleme bereiten, aber dazu später mehr.

Der TGV ist bequem und flott, wenngleich diesem hier so ab Lyon die Luft ausgeht und ich mit einer Stunde Verspätung in Marseille eintrudele. Marseille hat einen gewaltigen Bahnhof, St. Charles, dort werde ich mehr Zeit verbringen, als ich  ahnen, aber auch dazu später mehr. Immerhin hat St. Charles eine Klimaanlage, und da es in Marseille im August glühheiß ist, ist das gar nicht schlecht. In St. Charles kann ich auch direkt nachschauen, welche Züge fahren.

Das ist nötig, denn die französische Bahn SNCF hat zwar eine Website, und eine App, aber die Abfahrtszeiten schillern so ein bisschen um die Wirklichkeit herum, und die virtuellen Züge sind nicht unbedingt mit denen auf den Gleisen identisch. Auch dazu später mehr. Jetzt schleppe ich erst mal den Koffer die Stufen von St. Charles hinunter zum Hotel, einem kleinen, von Arabern geführten Haus, mit einem kleinen Fernseher, wo sämtliche Programme auf französisch laufen. Der Amerikaner in mir empört sich, aber mein französischer Wohni, den ich später treffen werde, findet das ganz normal.

 

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