vonEva C. Schweitzer 10.10.2019

Manhattan Media

Eva C. Schweitzer, Buchautorin, Journalistin und Verlegerin, über Amerika und über die Leute, die über Amerika schreiben.

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Wie ist Frankreich für Interrailer? Wie der Amerikaner sagt, a mixed bag. Die TGVs, da kann man nicht meckern, wie die Berlinerin sagt. Was das „damit fahren“ angeht. Das fahren-dürfen, nicht ganz so einfach, denn dazu braucht man eine Reservierung, die es, wie bereits ausgeführt, im Internet nicht gibt. Da ich aber in ein paar Tagen nach Paris muss, reihe ich mich in die lange, lange Schlange vor dem Ticketschalter in St. Charles ein, dem Gott-sei-dank klimatisierten Bahnhof von Marseille. Neben mir stehen zwei Mädchen, die ebenfalls interrailen. Sie schwatzen die ganze Zeit, wirklich die ganze Zeit belangloses Zeug. Warum kann man Menschen nicht einfach leise stellen? Am Schalter spricht die SNCF-Dame nur französisch, klar, wir sind ja auch in Frankreich. Also, „Reservierung“ heißt reservation, und Paris heißt Paris. Wer sagt denn, dass ich mit meinem Schulfranzösisch nicht weiterkomme?

Am nächsten Tag fahre ich nach Aix-en-Provence, mit dem TGV. Nicht nach Aix, eigentlich, sondern in das nahe Les Milles, aber das ist ein bisschen zu ernsthaft, um hier erörtert zu werden. Den TGV habe ich selbstständig bei Oui, der englischsprachigen Website der SNCF rausgesucht. Eine halbe Stunde, für sechs Euro, und es ist keine reservation nötig. Die weniger schöne Nachricht ist, dass der TGV-Bahnhof von Aix keineswegs in Aix-en-Provence liegt, sondern mitten im Wilden Westen, ungefähr zwischen Las Cruces und Roswell.

Es gibt aber irgendwann einen Bus nach Aix, der irgendwo abfährt, erklärt mit das Mädchen vom Ticketschalter in einem gebrochenen Englisch, das klingt wie französisch. Ich hänge mich an ein französisches Pärchen dran, die wie Interrailer aussehen, und die finden den Bus tatsächlich. Er fährt in einem unter dem Bahnhof verborgenen Tunnel ab, kostet auch sechs Euro und braucht eine halbe Stunde. Zurück nach Marseille geht es mit Bus vom Hauptplatz von Aix, das kostet ebenfalls sechs Euro und dauert nochmal eine halbe Stunde. Es ist wie Formatradio.

Abends telefoniere ich mit meinen französischen Wohni, der gerade im nahen Toulon ist; wir wollen morgen zusammen nach Sanary-sur-Mer fahren. Mit dem Auto. „Ach, der Bahnhof von Aix“, sagt er. „Der ist ganz woanders. Ja, stimmt, das hatte ich nicht erwähnt, aber das weiß hier jeder.“ Außer mir, natürlich. Und Oui. Dafür schickt mir Oui heute noch Emails mit Specials, falls ich mal wieder nach Marseille fahre.

 

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