Der Künstler Fabrice Mumpfiritsa (auch Mufiritsa) ist in Nord-Kivu bekannt. In der Nacht zu heute, gegen 2 Uhr früh, wurde er am Stadtrand von Goma gefunden, „gefesselt und mit verbundenen Augen, in einem Zustand der fortgeschrittenen Traumatisierung“, wie die Provinzregierung von Nord-Kivu auf ihrer Webseite bekanntgibt, mit Fotos von ihm (http://www.provincenordkivu.org/fabrice_mufiritsa_retrouve.html). Er wurde ins Krankenhaus der Hilfsorganisation Heal Africa gebracht, das größte private Krankenhaus von Goma. Dort kam er unter Polizeischutz und konnte nicht besucht werden, wie Freunde von ihm am Vormittag feststellten.
Fabrice war am Freitag nachmittag nach einer Aufnahme-Session in Goma entführt worden. Die Nachricht wurde zunächst von der Oppositionspartei UNC (Union für die kongolesische Nation) verbreitet, deren Führer Vital Kamerhe der stärkste Gegner Präsident Joseph Kabilas im Ostkongo ist. Laut UNC sollte Fabrice ein Wahlkampflied für Kamerhe einspielen.
Der Künstler ist bekannt als Folklore-Sänger und -Tänzer der Bahunde-Volksgruppe Nord-Kivus und als Leiter der Musikgruppe Kipfumu BM (Kipfumu Bwenge Misha). Er war vor Jahren Mitglied des vom Pole Institute in Goma gegründeten „Ballet Interculturel“, das Künstler und traditionelle Ausdrucksformen aller Volksgruppen der Provinz zusammenführt. Später ging er als Musiker und als Studiobesitzer eigene Wege (siehe http://mulopwemustafa.files.wordpress.com/2011/11/bushenge.jpg; auf dem gezeigten Plakat ist der Künstler links groß im Bild). Die Bahunde sind im Distrikt Masisi westlich von Goma die wichtigste Volksgruppe neben den ruandischsprachigen Banyarwanda-Hutu und haben eigene bewaffnete Mai-Mai-Gruppen; sie stellen auch einen wichtigen Teil der organisierten Zivilgesellschaft von Goma, die sich zu großen Teilen Kamerhes Wahlkampf gegen Kabila angeschlossen hat.
Ab Sonntag vormittag, als die Nachricht der Entführung die Runde machte – Fabrice war da schon anderthalb Tage verschwunden – gingen wütende Jugendliche in Goma auf die Straße und errichteten brennende Barrikaden auf der Ausfallstraße Richtung Westen. Wiedergefunden wurde Fabrice schließlich, wie aus Goma zu erfahren ist, nahe Mugunga am westlichen Rand von Goma, in der Nähe eines Lagers der Präsidialgarde GR. Zwei Gardisten sollen ihn aus dem Studio abgeholt haben und schwer zugerichtet haben.
Fabrice soll auch Nord-Kivus Vizegouverneur Feller Lutaichirwa Mulwahale nahegestanden haben, der ihm sein Studio finanziert habe und für den er ebenfalls Wahlkampf machen sollte. Dass er jetzt auch für die Opposition arbeiten wollte, wurde ihm offenbar zum Verhängnis. Wobei die Provinzregierung jede Verwicklung in die Entführung von sich weist, vermutlich ehrlicherweise: bereits am Sonntag traf sich der Sicherheitsrat der Provinz und empfing Bahunde-Vertreter, und die Suche nach dem verschwundenen Künstler sei in vollem Gange, hieß es.
Gut möglich, daß die ohnehin nicht hundertprozentige Loyalität der Prvonzführung Nord-Kivus zu Kabila – sie steht eher dem ehemaligen Rebellenführer Mbusa Nyamwisi nahe, der diesmal selbst zur Präsidentschaftswahl antritt und seine Kandidatur anders als 2006 bislang nicht zugunsten Kabilas zurückgezogen hat – jetzt auf eine neue, harte Probe gestellt worden ist.