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vonChristian Ihle & Horst Motor 23.12.2007

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Die fortschreitende Entwicklung hin zum erwachsen werden, zeigt bei mir auch musikalische Ausmaße. Schon im Sommer interessierte ich mich ernsthaft für klassische Musik. Dabei behilflich war der Sampler „Yellow Lounge compiled by Rufus Wainwright“, ein auf CD gepresster DJ-Set vom Amerikaner. Seine Lieblingsstücke der klassischen Musik. Ich ging die Reise mit und erwischte mich selbst dabei, einem Sonnenaufgang in Bayreuth entgegenzufahren. Mit Schubert und Verdi, die mir aus der Auto-Stereoanlagen entgegenkamen.

Dass Wainwright gleichzeitig ein Pop-Album veröffentlichte, war keine Überraschung. Die Ankündigung, er hätte gerade von der Metropolitan Opera den Auftrag erhalten, eine Oper zu schreiben, zeigte, dass er auch längst in der Hochkultur angekommen ist und ernst genommen wird.

Passend zu Weihnachten erscheint nun das dritte Album Wainwrights in diesem Jahr. Und es macht musikalisch eine weitere Schublade auf.

Rufus Wainwright spielte im Juni 2006 mit einem 36-köpfigen Orchester zwei Abende in Folge in der New Yorker Carnegie Hall das legendäre Konzert von Schauspielerin, Sängerin und Schwulen-Ikone Judy Garland in exakt der selben Songreihenfolge und am Original-Schauplatz wieder vor Publikum.

Heraus kam meine neue Leidenschaft für Orchestermusik.

Jetzt kann man schnell Robbie Williams „Swing when you´re winning“ ins Spiel bringen. Ähnlich an Weihnachten veröffentlicht, ähnlich der Versuch eines Popmusikers, Swing und Orchester-Musik zu performen, verschieden aber wohl nur die Leidenschaft.

Leicht tuntig und hörbar gerührt versprüht Rufus Wainwright hier die Liebe zur Musik und zeigt in jedem Moment, wie geehrt er sich fühlt, diese Songs an diesem Ort einzuspielen.
Bei den Proben zu den zwei Konzerten stellte Wainwright noch den „schwulsten Moment meines Lebens“ in Aussicht, das Konzert wurde eine furiose Liebeserklärung an die Lieder von George Gershwin und Harold Arlen.

Vielleicht werde ich wirklich alt und interessiere mich jetzt ernsthaft für Orchestermusik.

Eher glaube ich aber, dass es die Leidenschaft ist, die man bei jedem Ton hört, die mich bei dieser Aufnahme fasziniert. Nur auf diese Leidenschaft kommt es mir in der Musik an. Ob bei Rock, Klassik oder Pop.

Nun, und wenn Rufus Wainwright drauf steht, dann ja eh. Gesamtkunstwerk. (Säm Wagner)

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