vonChristian Ihle 25.08.2008

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Warum sind es eigentlich immer die ganz großen Erneuerer der Popmusik, die ihre Kinder zumindest äußerlich nach ihrem Ebenbild formen? John und Julian Lennon, anyone? Oder: Bob und Jakob Dylan!

Damit erschöpft es sich zumindest bei letzterem glücklicherweise nicht.

Jacob Dylan

Die Jahre der Wallflowers und das ständige Messen mit seinem Übervater (oder zumindest dessen Image in der Musikgeschichte) haben an Jakob Dylan gezehrt. Jetzt hat er wohl resigniert, zeigt allen den Mittelfinger und sagt sich: bitte schön, mach ich eben ein Folk-Album. Die Wallflowers bleiben damit erstmal im Poesie-Album. Stattdessen gibt es sparsam instrumentierte Songwriter-KUNST. Ja, Kunst. Denn vom miefig-muffigen Stadionrock hat Dylan sich verabschiedet. Das war bei der Produzentenwahl aber auch irgendwie vorhersehbar. Kein geringerer als Rick Rubin saß hinter den Knöpfchen und bastelte Dylan ein Album zurecht, dass einem Agit-Folk und düstere Poesie wie ein Porterhouse-Steak auf den Tisch donnert. Es ist selten, dass sparsam instrumentierte Alben eine regelrechte Wucht erzeugen. Rubin ist bekannt dafür, genau das aus den wenigen Mitteln zu machen, die dem Songwriter zur Verfügung stehen. In diesem Fall: eine Akustikgitarre. „Evil Is Alive And Well“ zum Beispiel, der Opener. Jakobs Vater hätte diesen Song nie geschrieben. Dazu ist die Abhandlung über die Inkarnationen des Bösen viel zu genau, zu klar.

Aber gerade das ist Jakobs Stärke. Er versucht gar nicht erst, zu verwischen und zu verklausulieren. Ein bischen Working Class Lyrik, wie in „All Day And All Night“, hin und wieder eiskalte Abrechnung mit dem Krieg in der Ferne , wie in „I Told You I Couldn’t Stop“, dann wieder ein Hoffnungsschimmer im Hoffnungsarmen Amerika, das formidable „Will It Grow“. Jakob hat die Neuerfindung geschafft, vielleicht sogar mehr als das. „24,000 copies sold in its first week“ kündigt das vielleicht wichtigste Folkalbum 2008 an. Abwarten. Und mal wieder in „Masters Of War“ reinhören… (Robert Heldner)

Anhören!
* Evil Is Alive And Well
* All Day And All Night
* Will It Grow

Im Netz:
* Homepage
* MySpace

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