vonChristian Ihle 12.11.2013

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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1. Der Film in einem Satz:


„Rosemaries Baby“ auf ziemlich geilen psychedelischen Drogen.


2. Darum geht‘s:


Heidi, ein Radio-DJ, bekommt eine obskure Platte von einer Gruppe namens Lords Of Salem zugesandt. Beim Anhören verfällt sie in eine Trance und vermutet, dass in ihrem eigentlich unbewohnten Nebenzimmer Teufelsbeschwörungen stattfinden. Ein Autor über Okkultismus entdeckt, dass die Melodie der Lords Of Salem einer Mitschrift zu einer Hexenverbrennung in der Vergangenheit gleicht. Heidi rutscht derweil immer tiefer in ihren Wahn, ihre Obsession…


[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=JEV-I_JWwqU[/youtube]


Ja, Rob Zombies neuer Film klingt höllisch uninteressant. Aber der ehemalige Musiker und jetzige Horrorfilmer hat sich zu einem richtigen „Auteur“ entwickelt, zu einem der spannendsten Regisseure im Horrorgenre, der sich seit seinem Debüt „Haus der 1000 Leichen“ – das noch ein wildes, unsortiertes Werk eines Fans war – enorm weiterentwickelt hat. Sein „The Devil’s Rejects“ gehört zu den Monumenten des Horrorfilms der Nullerjahre (und wurde hier schon als einer der besten Filme der Dekade hoch gelobt) und „The Lords Of Salem“ ist nun ein völlig verrücktes, eigenständiges Werk geworden, so sehr auch immer wieder „Rosemaries Baby“ von Polanski zitiert sein mag.






Vor allem fasziniert, wie sehr sich Zombie den Mainstream-Erwartungen entzieht: kaum Blut, keine billigen Schocks, sondern ein sehr langsam sich entwickelnder Film, der komplett auf Atmosphäre, Bilder und irr arrangierte Tableaus setzt. Gerade das Ende, das völlig offen sich der totalen camp-ness ergibt und keinerlei Angst hat, einfach auch albern zu wirken, hat man so wirklich noch nicht gesehen. Ich kann durchaus jeden verstehen, der keinen Zugang zu „Lords Of Salem“ findet wie der Kritiker des New York Observer („This one is so bad it’s hilarious. Sheri Moon Zombie is no Mia Farrow, Rob Zombie is no Roman Polanski, and The Lords of Salem seems to have been made by people on the rubber bus headed for a rubber room with bars on the windows.“), aber befinde mich eindeutig auf der Seite zum Beispiel des Slant Magazines, das geradezu jubiliert:

„The film reaches an apparent apex of diabolical majesty when a tranced-out Heidi, her face painted skeletal white, finds herself holding a monstrous midget fetus’s twin umbilical cords at the stop of a regal staircase as soaring opera roars. Yet amazingly, Zombie then finds a way to further upstage himself with an orgiastic montage finale—all scorching white lights, nude female hordes in black animal masks, neon crosses, death-metal dry-humping, and burned-face pontiffs pleasuring themselves in unison—that resembles what the conclusion of 2001 would have looked like if it had been directed by Satan himself. All hail this magnificent madness.“

Und ganz ehrlich: jeder Film, der (womöglich) die Ankunft eines neuen Satans präsentiert als Hieronymus-Bosch-Tableau mit in Neonlicht getauchten, ausgestopften Ziegen, auf denen Sheri Moon Zombie reitet, und dabei „Venus In Furs“ von Velvet Underground spielt, ist ziemlich arg alright in meinem Buch.



3. Der beste Moment:


Die Bilder, die Bilder!
Und eben dieses Ende. Das mit Sicherheit die Geister scheiden wird.




4. Diese Menschen mögen diesen Film:


Wer ungewöhnliche Horrorfilme mag, die nicht auf Schreck und Schock setzen, sondern im Phantasmagorischen schwelgen.


* Regie: Rob Zombie
* imdb


Lords Of Salem ist am 31. Oktober auf DVD erschienen.

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