vonChristian Ihle 12.06.2019

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Kirchenverbrennungen, Suizid, Mord und Corpse Paint – kaum überraschend dass die durchgeknallte Geschichte des norwegischen Black Metal um Euronymus, Dead, Hellhammer und Varg Vikernes von Hollywood nacherzählt wird, eher schon, dass es so lange gedauert hat, bis jemand einen Spielfilm dazu gedreht hat.

Prinzipiell sollte Jonas Akerlund auch genau der richtige Regisseur für dieses Projekt sein: Akerlund selbst war in den 80ern Session-Drummer bei der Proto-Black-Metal-Band Bathory und ist als Regisseur von transgressiven Musikclips sowie gewaltfeiernden style over content Spielfilmen bekannt geworden.
Wo Akerlund aber seinen ihm eigenen Style ausgerechnet bei so einem Herzensthema verloren hat, ist wirklich rätselhaft. „Lords Of Chaos“ sieht aus wie eine Mischung aus TV-Krimi und Netflix-True-Crime-Zusammenschusterei. Dazu noch ein verlogener Disclaimer (ja, klar, „Lords Of Chaos“ wäre nur als Warnfilm für alle Teenager auf der Welt gedreht worden. Zwinker Zwinker) und eine totale Unentschiedenheit, ob brennende Kirchen jetzt irgendwie geil aussehen oder Euronymous, Varg & Co. einfach doch nur die ärmsten Würstchen auf der Welt waren, machen „Lords Of Chaos“ zu einer ziemlichen Enttäuschung.

Die Besetzung tut ihr Übriges: der traurige Welpenblick von Rory „Bruder von Macaulay“ Culkin hilft nicht wirklich weiter, Euronymous als das Mastermind des norwegischen Black Metal zu verstehen, und Emory Cohens Varg Vikernes ist so flach gespielt, dass nie auch nur annähernd klar wird, wann und wo die Entwicklung in diesem jungen verblendeten Typen vom Poseur-Metaller mit Scorpions-Aufnäher zum gefährlichsten Mann der Musikhistorie geklickt hat.

Schade – die Historie von Mayhem ist einerseits zu arg, als dass selbst Akerlund sie kaputt erzählen könnte, aber was hätte aus diesem Thema für ein gefährlicher, mitreissender Film werden können!

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