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vonChristian Ihle 13.08.2019

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Ich hatte „American Gigolo“ (aka „Ein Mann für gewisse Stunden“) tatsächlich noch nie gesehen – was einmal meiner lebenslangen Richard-Gere-Abneigung und zudem meinem Fehlurteil geschuldet war, dass es sich bei „American Gigolo“ um einen Softsex-Streifen ähnlich des „Breathless“-Remakes oder „9 1/2 Wochen“ handeln würde.

Dabei ist „American Gigolo“ im Gegenteil doch recht gelungen und in Ansätzen sogar transgressiv, befördert Regisseur/Autor Paul Schrader hier einige 1980 im Mainstream nicht unbedingt bereits akzeptierte Punkte ins Rampenlicht und nimmt gleichzeitig die hedonistische Ästhetik des kommenden Jahrzehnts vorweg. Vieles in „American Gigolo“ wirkt wie ein Blueprint für die Donjohnsisierung der 80er im Zuge von „Miami Vice“, nicht zuletzt dank seines guten Giorgio-Moroder-Soundtracks*.

Woran „American Gigolo“ letztendlich doch scheitert, ist aber das Herz unter der aufregenden Oberfläche – die gegenseitige Faszination von RIchard Geres und Lauren Huttons Figuren miteinander wird nie spürbar, sondern bleibt behauptet. Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass das letzte Drittel blutleer bleibt, wo Schrader wohl von aufopfernder Liebe gegen gesellschaftliche Konventionen erzählen wollte.
Trotzdem: unterhaltsamer und besser als ich erwartet hatte.

*Eine zentrale Rolle spielt übrigens Blondies „Call Me“, das in einigen verschiedenen Versionen im Film gefeatured wird – hörenswert ist Moroders Synth-Instrumental-Version „Night Drive“.

Geschrieben wurde „Call Me“ von Moroder (Musik) und Deborah Harry (Lyrics). Ursprünglich sollte Stevie Nicks von Fleetwood Mac Moroders „Man Machine“ (so der Originaltitel von Moroder) einsingen.

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