vonChristian Ihle 14.02.2020

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Dafür liebe ich den Amazon Prime Backcatalog: Wird dort auf einmal das nun wirklich gänzlich unbekannte – 5 Ratings bei imdb, 0 (!) Ratings bei Letterboxd – Regie(!)-Debüt vom alten Straßenköter Claude-Olivier Rudolph reingeworfen.

Und das ist dann auch noch eine Biographie über die deutsche Beat-Band The Rattles, notdürftig aus wahrscheinlich rechtlichen Gründen als „The Wonderbeats“ im Film verkleidet. Hauptrollen spielen die alten Rudolph-Kumpane Richy Müller und Ralph Richter (letzterer übrigens mit einer Matte, die aussieht, als wär sie die Vorlage für Rocko Schamonis „Fraktus“-Charakter gewesen) sowie ein blutjunger Jürgen Vogel. Als Jean-Genet-lesender Exzentriker begleitet der spätere Tatort-Regisseur Miro Nemec die Wonderbeats als Support auf ihrer Ochsentour durch norddeutsche Kuhkäffer.

Rudolph hat wenig Interesse, ein straightes Biopic mit Aufstieg und Fall zu erzählen, aber dafür sauviel Bock eine Jugend auf dem Hamburger Land mit einer Sehnsucht nach Beatmusik und Girls zu zeigen. Die von Nemec mit Rudolph geschriebenen Beatsongs sind durch die Bank erste Sahne, richtig dufte, und Rudolph filmt bei allem Quatsch in schönstem Schwarz-Weiß.

Der näheste Verwandte zu „The Wonderbeats“ ist wahrscheinlich Peter F Bringmanns räudiger Rocknroll-Film „The Heartbreakers“ über fiktive Ruhrpott-Rolling-Stones, gekreuzt mit einer Hamburger Schnodderschnauze, die Klaus Lemke in „Rocker“ so unvergesen auf die Leinwand brachte.

Auch wenn mir die damalige Jubelhymne der Süddeutschen Zeitung ein klein wenig übers Ziel hinaus schießt, bin ich doch mächtig überrascht von Claude-Olivier Rudolphs Regiedebüt: „Manchmal gibt es etwas zu sehen, wovon das deutsche Kino bislang nicht zu träumen wagte. Ein Film, der von nichts als Musik, Frauen, Alkohol und Autos handelt. Also von den wirklich wichtigen Dingen.“

(auf amazon prime)

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