vonChristian Ihle 04.06.2020

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Fünf neue Songs für die Best New Music Playlist (hier finden sich die Texte zu den bisherigen Playlist-Einträgen), diesmal ausschließlich aus Österreich!

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gebenedeit – Die Viren sollen krepieren

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Was könnt mehr on topic sein, als eine Virus-Hass-Predigt in Liedform?
gebenedeit nennen sich selbst eine „literarisch-liturgische Band“ und Lydia Haider ist vor gebenedeit vor allem als Autorin in Erscheinung getreten, erinnert sei hier an ihr Buch von 2018 mit dem schönen Titel „Wahrlich fuck you du Sau, bist du komplett zugeschissen in deinem Leib drin“ und die gerade erschienene Anthologie „Und wie wir hassen! 15 Hetzreden“, bei der u.a. Stefanie Sargnagel und Sibylle Berg mitgewirkt haben.
gebenedeit spielen fordernde Musik, die aber in ihrer eigentümlichen Mischung aus Penetranz und Pattern mich sehr erreicht. Die zweite Single ist übrigens noch unangenehmer, heißt „Falsche Sau“ und beschreibt den typisch österreichischen Brauch der „Decke“, welche von einer Gruppe über eine unliebsame Person geworfen wird und in die jeder dann hindreschen kann wie und solange er will – da die Person unter der Decke nicht weiß, wer geschlagen hat, sind auch keine Konsequenzen zu erwarten).

Der Nino Aus Wien – Taxi Driver

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Auch wenn vor der Quarantänenzeit geschrieben, scheint das neueste Album „Ocker Mond“ von Nino Mandl doch zu unseren Tagen der Selbstisolation zu passen wie wenig sonst. Aufgenommen hat Mandl das ganze Album in „einer einzigen Febernacht“, als „Vollmondidee“. Dementsprechend ist „Ocker Mond“ auch ein wirkliches Solo-Album – also Nino ohne Nino aus Wien – Band – und erinnert mich an die schönen Demos, die Doherty früher noch zum Entsetzen seiner Plattenfirma einfach so nächstens ins Netz geworfen hatte. Auch wenn Dissens über den besten Songs des Albums zu bestehen scheint (manche meinen „Unter Fischen“, das eher die John-Lennon-Seite von Nino hervorbringt), bleibt für mich sein „Taxi Driver“ allein textlich schon das beste Lied des ganzen Jahres. Öfter gehört habe ich mit Sicherheit keinen Song in diesen Monaten: „Die Welt ist a Suppentopf, die Welt is a unglaublich düsteres Loch“.

Ernst Molden & Ursula Strauss – Theresiasong

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Inzwischen langähriger Partner In Crime von Nino aus Wien ist Ernst Molden. Gemeinsam haben sie das hervorragende Cover-Album „Unser Österreich“ aufgenommen, auf dem ganz fantastische Folk-Versionen von Falcos „Ganz Wien“ oder Andre Hellers „Und dann bin i ka Liliputaner mehr“ enthalten sind. Zu letzterem hat der ORF übrigens ein etwas bizarres Gartenzwerg-Video mit Molden und Nino gedreht:

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Aber zurück nach 2020. Gerade hat Ernst Molden mit der Schauspielerin Ursula Strauss ein ähnlich minimalistisches Album veröffentlicht wie Nino Mandl mit „Ocker Mond“. Molden greift aber auf etwas ältere musikalische Traditionen zurück und klingt in Songs wie „Feiawea“ oder „Theresiasong“ prä Pop&Rocknroll.

Laut Fragen – 6434

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„Facetten des Widerstands“ heißt das Album des politmusikalischen Projekts Laut Fragen, das aus Recherchen zum österreichischen Widerstand entstanden ist. Didi Disco und Maren Rehmann vertonen Texte, die sich gegen den Austrofaschismus und Naziterror wenden. „6434“ nimmt dabei als musikalischen Ausgangspunkt den schroffen Electro-Punk-Stil der frühen 80er und übersetzt diese Lyrics in die Wave-Disco.
Wichtig und gut.

Baits – Coming After Me

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Im Herbst erst wird Album von Baits erscheinen und ich kann nur hoffen, dass bis dahin wieder Clubkonzerte möglich sein können, denn ein Punk-Power-Pop-Smash wie ihre erste Single „Coming After Me“ schreit einfach nach einem kleinen Club, viel Bier und Körperkontakt – oder dem Soundtrack zu einem 90er Jahre Film von Richard Linklater.

Musheen – Hoaschloch

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Herrlich sich in seiner Aggressivität fast überschlagender No-Wave-Punk, der musikalisch wie wildgewordene ESG klingt und darüber Vocals schreit, die Poly Styrene von X Ray Spex lieben würde. Fanastische Zwei Minuten und zwei Sekunden, in den letzten Mai-Tagen ist die Debüt-Cassette (!) „Etat“ erschienen.
Bin in Love.

Bulbul – Motta

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Bereits bei Album Nummer Acht sind Bulbul, die sich selbst bei einem „wilden Ritt durch die retrofuturistische Unterhaltungsmusik“ sehen. „Motta“ ist der Hit des Albums und erinnert mich, ganz retrofuturistisch, zurück an die seligen Zeiten Mitte der Nuller Jahre als Simian Mobile Disco & Co. für einen kurzen Moment die Zukunft des Dance-Indie-Hybriden lebten.

Anger – Wo ist die Liebe?

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Mit ihrer Debütsingle „Baby“ waren Anger als Pophit eine Nummer 1 in den FM4-Charts, aber mir gefällt „Wo ist die Liebe?“ deutlich besser, das auf dem schmalen Grat zwischen Kitsch und Cool erfolgreich wandelt und gut auf den „Drive“-Soundtrack gleich neben „A Real Hero“ gepasst hätte.

Wem das noch nicht genug Österreich ist – in der bisherigen Best New Music Playlist verstecken sich natürlich ebenfalls bereits einige Austria-Acts:

Blizzard – Pauls Jets

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The Return of the austrian Wunderkind: Pauls Jets mit der ersten Single vom zweiten Album – beginnt bei Kavinsky und endet bei Reinhold Messner.

Just For Kings – Petra & Der Wolf

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Erneut ein sehr gutes Album aus Österreich, in dem ich Ansätze an etwas konventioneller strukturierte Friends Of Gas wie auch an Sonic Youth heraushöre.

Das kosmische Genie – PauT & The GreaT Kellys

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PauT ist auch Bassist in der Nino Aus Wien – Band, veröffentlicht aber schon seit gut zehn Jahren auch Songs unter eigenem Namen. War „Popstar aus Plastik“ zuletzt eher in Richtung Falco schielend, ist das neue, starke Album um die Lead-Single „Das kosmische Genie“ voll mit den schönsten 60ies- und Beatles-Referenzen

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https://blogs.taz.de/popblog/2020/06/04/best-new-music-playlist-fuer-2020-update-oesterreich-edition/

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