Good Luck, Have Fun, Don’t Die (Gore Verbinski)
Sam Rockwell als Penner aus der Zukunft reist in die Gegenwart, um in einem Diner eine Kampfestruppe gegen die Vernichtung der kommenden Welt durch Handys, KI, Teenager oder whatever zusammenzustellen (so genau weiß das der Film auch nicht, jedenfalls GEGEN DIE MODERNE WELT!).
„Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ schafft es zugleich, ein origineller Weirdo-Trip zu sein, aber das doch immer auf die plattest denkbare Weise. Wie das Internet-Meme, das gestern der letzte Schrei war und morgen von deinem unlustigen Kollegen in der Arbeits-WhatsApp-Gruppe geteilt wird. Das ist sehr oft sehr nervig, ganz selten ein bisschen lustig, zugegebenermassen zwischendurch auch ein wenig originell, aber am Ende auch nicht mitreissender als die letzte schlechte Stephen-King-Verfilmung.
How do you do, fellow kids?
¯\_(ツ)_/¯
(4/10)
A Prayer For The Dying (Dara Van Dusen)
Es beginnt mit einem toten Hund am Wegesrand und geht abwärts von hieran für die nächsten 90 Minuten. Dara van Dusens Depri-Western suhlt geradezu im beeindruckend aufgetragenen Schmutz, den Krankheiten, dem Blut und dem Niedergang bis selbst eine Feuerwalze schon wie Erlösung wirkt. Lässt man sich auf diesen Abstieg in die Hölle ein, ist „A Prayer For The Dying“ durchaus intensiv in seinem Insistieren, immer noch den nächsten Tiefschlag zu setzen. Lediglich das Ende, das ins Phantasmagorische gleitet, zu einem Apocalypse Past wird, entgleitet van Dusen dann doch. Irgendwann hat man genug Elend beobachtet, dass man nicht einmal mehr die Welt brennen sehen möchte. (6/10)
Gelbe Briefe (İlker Çatak)
Das Private ist politisch, na klar, doch das Politische zieht auch ins Private: Ein progressives Ehepaar aus der Kuenstler- und Intellektuellen-Szene Ankaras – er Theaterautor & Professor, sie Buehnenstar – trifft die volle Wucht eines autoritaeren Regimes, nachdem beide die ueblichen Gefaelligkeiten verweigern, zu Demonstrationen gehen und sich auf Social Media aeussern. Stuecke werden abgesetzt, Professorenstuehle entzogen und letztlich gar mit einer Anklage wegen Anstiftung zu Terrorismus gewedelt. Was macht das mit dem Binnenkonstrukt einer Beziehung? Wie sehr vermag ein autoritaerer Staat einen Keil auch in das innigste Verhaeltnis zu treiben, selbst wenn man sich politisch doch einig ist? Das ist die interessante Frage, die Ilker Catak in seinem ersten Film seit dem auslandsoscarnominierten Erfolg „Das Lehrerzimmer“ stellt. Zwar benoetigt er lange und nicht unbedingt notwendige zwei Stunden zur Verhandlung dieses Punkts, doch gerade die letzte halbe Stunde ueberzeugt in ihrer Dringlichkeit, in diesem vor allem von Özgü Namal stark gespielten Film. (6/10)