Rosebush Pruning (Karim Aïnouz)
Auch wenn Regisseur Karim Aïnouz aus Brasilien stammt, so ist dank des alten Lanthimos-Drehbuchschreibers Efthimis Filippou der Einfluss der Greek Weird Wave auf diese Neuverfilmung von
Marco Bellocchios „Fists In The Pocket“ (1965) nicht zu übersehen. „Rosebush Pruning“ nimmt sich eines „Saltburn“-esquen Milieus an, lässt seine Figuren Pop wie Mode zitieren als wäre man in der deutschen Popliteratur der frühen 90er gefangen, versieht das aber mit soviel absurder Weirdness dass sich Aïnouz Film schon weit aus den üblichen Vergleichsmodellen herauskatapultiert. Da alle durchgeknallten Charaktere in dieser dysfunktionalen Familienaufstellung so weit draußen sind, dass man zu wirklich niemandem mehr irgendeinen menschlichen Bezug herstellen kann, bleibt unter der schönen Oberfläche und der wilden, vor allem auch sexuellen, Provokation des Films wenig Kern übrig, zu dem ein Zuschauer vordringen könnte. Dafür aber vorbildlicher, mehrfacher Einsatz der alten, besten Pet Shop Boys B-Seite „Paninaro“ in ohrenbetäubender Lautstärke, also kann ich andererseits auch nicht klagen. (6/10)
Ich verstehe Ihren Unmut (Kilian Armando Friedrich)
Das Leben in einer Putzkolonne. Heike hat zwar das Glück, immerhin noch Team-Managerin zu sein, aber dennoch ist ihr Tag nur Stress, Arbeit, noch mehr Stress und Kunden, die für Niedriglohn Höchstleistungen erwarten.
Zwar werden die ökonomischen Grundlagen nicht immer nachvollziehbar herausgearbeitet und mancher Dissens nie ganz klar, aber „Ich verstehe ihren Unmut“ ist bewusst ein sozialrealistisches Kino der Überforderung. Zwischen Ken Loach und den Dardenne-Brüdern, aber von noch weiter unten erzählt, ohne jede schönfärberische Eleganz. (6/10)
Wolfram (Warwick Thornton)

Outback-Western, der vor allem den Rassismus der weißen Goldgräber sowie ihre Ausbeutung der indigenen Bevölkerung thematisiert. Warwick Thorntons neuer Film, der hier an seinen „Sweet Country“ von 2017 anknüpft, arbeitet aber die Motivationen seiner Charaktere wenig heraus und verfällt zu stark in klischeebezogene Typisierungen. Auch die wenigen Actionmomente sind kaum mitreissend inszeniert. (4/10)
Isabel (Gabe Klinger)

Sympathischer Slice Of Life – Film aus Sao Paolo, der den Geist des französischen Kinos atmet. Eine Feier des Weins, des Selbstwasmachens, des No-Fuck-Gebens. (6/10)