vonChristian Ihle 23.02.2026

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Liebhaberinnen (Caroline Kox)

Caroline Kox (aka „Koxi“) aktualisiert radikal einen Jelinek-Text aus den 70ern. Instagram und TikTok beherrschen die Figuren genauso sehr wie Misanthropie und Kapitalismus. Johanna Wokalek wirft sich ganz in ihre schwierige Rolle, die sie als Gebeutelte der Markt- und Machtstrukturen zeigt, aber auch als selbst höchst egozentrische Frau, die im Zweifel nicht minder über Leichen geht.

Wie oft bei Jelinek-Verfilmungen ist auch in „Liebhaberinnen“ der Nervfaktor auf Anschlag gedreht, was durch den immer wieder durchscheinenden Humor nicht vollends erträglich gemacht wird.

Etwas ganz Besonderes (Eva Trobisch)

Der internationale Titel „Home Stories“ bildet den Film besser ab, zeigt Eva Trobisch in „Etwas ganz besonderes“ doch ein ganzes Panorama von Geschichten einer Großfamilie, in der jedes Mitglied sein eigenes Problemsäckchen zu tragen hat. Das fühlt sich vor allem im Verhältnis der getrennten Eltern von Lea echt an, voll von Verletzungen, die die gemeinsamen Jahre geschlagen haben. Die nächste Explosion, der kommende Streit steht immer nachvollziehbar vor der Tür.

Am schwächsten ist dagegen der Erzählstrang um die Hauptfigur, Teenager-Tochter Lea, die in einer Casting-Show auftritt und von Szene zu Szene ein anderer Mensch zu sein scheint. Mal überschüchtern und empathisch, mal Partytier und Ego-Arschloch.
Als ganzes aber ein gelungenes Portrait einer Familie, die über alle Generationen hinweg verzweifelt gegen das Auseinanderfliegen kämpft, aber diese zentrifugalen Kräfte nicht mehr beherrschen kann.

Animol (Ashley Walters)

Kompetentes Jugendknastdrama, das dem Genre nicht viel Neues beifügen kann. Gut gespielt, aber mit zu wenig Raum für Stephen Graham, der in seinen wenigen Szenen natürlich wieder beeindruckt.

17 (Kosara Mitic)

Klassenfahrt from Hell! Toxische Jungmännlichkeit trifft auf weibliche Bitchyness in dieser mazedonischen Ausflugsfahrt einer Abschlussklasse. Insbesondere den Männern wird keinerlei Einhalt geboten, was ihr unangenehmes Verhalten nur noch verstärkt. Laut Anfangstitel beruht dieser Film auf wahren Begebnissen, aber es ist kaum vorstellbar, wie sehr diese jungen Männer jegilche Norm negieren. Die ersten zwei Drittel sind dabei eine starke Beobachtung dieser Dynamiken, der letzte Akt kommt zum Stillstand und zeigt in kaum auszuhaltender Länge dann noch eine verheimlichte Schwangerschaft bzw. ihr Ende durch eine selbst durchgeführte Geburt. Harter Stoff, schwer zu ertragen.

Anymart (Yusuke Iwasaki)

Der Horror der Lohnarbeiterschaft. In seiner ersten Hälfte stellt „Anymart“ schön die ewige Monotonie des Tagesjobs dar, hier am Beispiel einer Supermarkt-Bedienung. Die Regeln, die erzwungene Freundlichkeit, das stupide Ein-und-Aus jeden Tages.

Je länger der Film dauert, desto stärker schiebt sich ein surrealer Wahnsinn ins Bild, der immer wieder in sehr trockenen Gewalteruptionen endet. Beispielhaft dafür, wenn sich ein Supermarktmitarbeiter über den frisch insolvent gegangenen, süssen „Quiche“-Laden gegenüber lustig machen will, und für ein Selfie vor der Schließungsnotiz posiert – aber genau in diesem Moment vom per Dachsprung Selbstmord begehendenen Quiche-Inhaber erschlagen wird.

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