Die My Love (2025, Lynne Ramsay)
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„Die My Love“ scheint zunächst zu fragen, was ein Baby mit einer Beziehung macht und wie belastend ein Neuankömmling für eine Zweiergemeinschaft wird, im Besonderen für die Mutter, die per Natur das schwerere Päcklein zu tragen hat.
Doch mit der Zeit dreht sich Lynne Ramsays Drama in noch düstere Gefilde, stellt Fragen nach toxischen Beziehungen und inwieweit das Unterdrücken der Bedürfnisse der Frau einen Abstieg in einen regelrechten Wahn verursachen kann. Dadurch ist „Die My Love“ thematisch näher an Jennifer Lawrence anderem Mutter-Film „Mother“ als beispielsweise an „Tully“ mit Charlize Theron. Letzterer stellt zwar ähnliche Fragen, wird dabei aber nie so destruktiv wie Ramsays unerbitterlich realistisches Drama, das darüber hinaus auch keine eskapistischen Ausflüchte wie Aronofskys „Mother“ erlaubt.
Harter Stoff. (5/10)
I’m Still Here (2024, Walter Salles)
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Ein Melodram über eine Familie gewickelt in einen politischen Thriller. Walter Salles wendet in seiner Anklage gegen die brasilianische Militärdiktatur das ganze Hollywood-Besteck an, bewahrt aber dank der Entscheidung, die gesamte Geschichte aus den Augen der Ehefrau zu erzählen, seinen Film davor in platte Biopic-Strukturen zu kippen. Den Nachklapp und mindestens den Nachklapp des Nachklapps verstärken den Film nicht zwingend, sondern simplifzieren ihn eher, aber insbesondere die ersten zwei Drittel sind stark. (7/10)
Magic Farm (2025, Amalia Ulman)
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Vor allem zu Beginn eine herrlich scharfe Satire über amerikanische Hipster lost in Südamerika.
Das offensichtliche Vorbild dieser TV-Crew auf der Suche nach der nächsten edgy Geschichte ist natürlich die Dokusparte des „Vice Magazine“. Herrlich wie das junge Fernsehteam auf der Suche nach einen Musiker mit einem viralen Hasenohrenhitvideoclip in San Cristóbal landet, nur um dann – sehr langsam! – festzustellen, dass es mehr als ein San Cristóbal in Südamerika gibt und man nun doch im falschen Land aufgeschlagen ist. Doch Geld ist in der neuen Medienökonomie knapper noch als Coolness und so bastelt sich das Team mit den verwunderten Einheimischen einfach ein eigenes, virales Hit-Thema.
Im letzten Akt verliert „Magic Farm“ leider seinen Zug und tröpfelt in verschiedenen Seitenstrang-Erzählungen vor sich hin, die von #metoo über Kulturexploitation das eine oder andere Issue zu viel in den Film wirft, um noch so scharf auf den Punkt zu sein wie zu Beginn.
Dennoch eine schöne Satire über die jungen Medien. (6/10)
The Mastermind (2025, Kelly Reichardt)
auf mubi
Für einen Film der Slow-Cinema-Großfigur Kelly Reichardt ist „The Mastermind“ schon beinah ein Plot-Boiler: eine verkrachte, doch smarte Existenz plant einen letztlich dilettantisch ausgeführten Kunstraub und befindet sich im Folgenden auf der Flucht vor Polizei und missgünstigen Neben-Gangstern.
Natürlich entwickelt Reichardt aus diesen Grundzutaten keinen Coen-esquen Kuriosita-Thriller mit unendlicher Eskalationsschleife, sondern verweilt bei unserem „Mastermind“ und seiner Schluffigkeit, die selbst auf der Flucht vor der Welt nie weggeblasen wird. (6/10)
Predator: Badlands (2025, Dan Trachtenberg)
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Offensichtlich wurde die Entscheidung, einen „Predator“-Film aus Sicht des Predators und mit voller Empathie für den alten Dreadlockwusel zu erzählen, an anderer Stelle (imdb: 7,2) mit mehr Begeisterung aufgenommen als bei mir.
Für mich funktioniert dieser Ansatz leider gar nicht, weil allein schon die Idee, einen gutmütigeren Killer als Sympathieträger im Gegensatz zu den noch niederträchtigeren Jägern zu platzieren, mehrfach humpelt. Einmal, weil ich den Kollegen mit seinen weini-weini-Anlagen nun wirklich nicht als Leitfigur sehe und zweitens weil die „weniger böse als böse ist doch irgendwie nice“ für mich auch nicht aufgeht.
Am Ende dann einfach viel CGI-Gekämpfe in einer Fantasy-Welt. (5/10)
No Bears (2022, Jafar Panahi)
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„No Bears“ (3. Platz in Venedig 2022) wurde von Jafar Panahi erneut unter erschwerten Umständen von politischen Repressionen gedreht, aber Panahi entwickelt clevere Wege, sein Quasi-Berufsverbot zu umgehen und landet am Ende bei einem Meta-Film über einen Regisseur (von Panahi selbst gespielt), der unter den erschwerten Bedingungen eines Quasi-Berufsverbots einen Film dreht.
Im Gegensatz zu seinem folgenden Cannes-Gewinner „Ein einfacher Unfall“ ist „No Bears“ der deutlich zurückgenommenere Film, der auch keine solche Plotzuspitzung wie „Ein einfacher Unfall“ auffährt, sondern still und leise von den Unterschieden aus Dorf-Tradition und Stadt-Intellekt erzählt sowie in einer parallelen Film-in-Film-als-Realität-Handlung die Beschwerlichkeiten einer Flucht nach Europa thematisiert. Leiser, aber wie ich finde, besser als „Ein einfacher Unfall“. (6/10)