vonChristian Ihle 01.05.2026

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Rosebush Pruning (2026, Karim Aïnouz)
im Kino

Auch wenn Regisseur Karim Aïnouz aus Brasilien stammt, so ist dank des alten Lanthimos-Drehbuchschreibers Efthimis Filippou der Einfluss der Greek Weird Wave auf diese Neuverfilmung von Marco Bellocchios „Fists In The Pocket“ (1965) nicht zu übersehen.

„Rosebush Pruning“ nimmt sich eines „Saltburn“-esquen Milieus an, lässt seine Figuren Pop wie Mode zitieren als wäre man in der deutschen Popliteratur der frühen 90er gefangen, versieht das aber mit soviel absurder Weirdness dass sich Aïnouz Film schon weit aus den üblichen Vergleichsmodellen herauskatapultiert. Da alle durchgeknallten Charaktere in dieser dysfunktionalen Familienaufstellung so weit draußen sind, dass man zu wirklich niemandem mehr irgendeinen menschlichen Bezug herstellen kann, bleibt unter der schönen Oberfläche und der wilden, vor allem auch sexuellen Provokation des Films wenig Kern übrig, zu dem ein Zuschauer vordringen könnte.

Dafür aber vorbildlicher, mehrfacher Einsatz der alten, besten Pet Shop Boys B-Seite „Paninaro“ in ohrenbetäubender Lautstärke, also kann ich andererseits auch nicht klagen. (5/10)

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Glut des Südens (1978, Terrence Malick)
zur Leihe

Schon im frühen Terrence Malick war alles angelegt, was ihn auch ein halbes Jahrhundert später a) faszinierend und b) enervierend macht. Ein Gefühl für die schönsten Kamerabilder, die freifließend eine Poesie der Natur einfangen, die in dieser Flüchtigkeit das große Kino sonst nie zu zeigen vermag. Aber eben auch ein bedeutungsschwangerer Kitsch, der sich über die Erzählung legt.

Vorteil des 1978er Malick: immerhin hatte er eine halbwegs konzise Erzählung! Deshalb ist „Days Of Heaven“ auch besser als die Malick-Filme aus diesem Jahrtausend, fühlt sich seine Glut des Südens nicht ganz so prätentiös an wie die Bäume des Lebens aus dem letzten Vierteljahrhundert. „What is unspoken in this picture weighs heavily on us, but we’re not quite sure what it is. The film is an empty Christmas tree: you can hang all your dumb metaphors on it“, so Pauline Kael.

Dennoch: der häufig brabbelnde Kinder-Off-Kommentar über den Bildern ist schon auch eine, nun ja, eigene Entscheidung. Richard Gere spielt in einem anderen, moderneren Film, als Malick ihn mit seinem Kameramann Néstor Almendros (hierfür Oscargewinner) einfängt.
Doch diese Bilder sind es, die „Days Of Heaven“ so sehenswert im Wortsinn machen. (6/10)


Fun Fact: Auch der Score war oscarnominiert – doch Ennio Morricone verlor das große italienische Duell in diesem Jahr gegen Giorgio Moroder, der für „Midnight Express“ den Academy Award gewann.

Across 110th Street – Straße zum Jenseits (1972, Barry Shear)
auf amazon prime

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„Across 110th Street“, heute wahrscheinlich am besten bekannt durch Bobby Womacks für den Film geschriebenen, gleichnamigen Soul-Hit, ist ein Blaxploitation-Klassiker der frühen 70er, der aber im Gegensatz zu den anderen Vertretern des Genres wie „Foxy Brown“ oder „Coffy“ jegliche Exaltiertheit abgeht und dadurch weit ernster spielt.

„Across 110th Street“ erzählt von Korruption und Mafia, von Rassismus und verlorenen Träumen – und das in harschen Bildern. Insbesondere gegen Ende dreht Regisseur Barry Shear die Blut-Fontäne überraschend weit auf und wird die „Straße zum Jenseits“ (so der deutsche Verleihtitel) wirklich ein Weg in den Abgrund.

My Father’s Shadow (2025, Akinola Davies Jr.)
auf mubi

Mir zu ‚poetisch‘ gefilmte Tagesreise eines Vaters mit zwei von ihm getrennt lebenden Kindern durch ein Lagos in politischem Aufruhr.
Der Backdrop ist ein Militärcoup nach einer verloren gegangenen Wahl, das Zentrum des Films aber das Verhältnis der Kinder zu ihrem Papa.

Dennoch sind die stärksten Szenen des Films jene Begegungen des Vaters mit verschiedenen Personen aus seinem Leben, deren Bedeutung oft nicht ganz erklärt wird, da wir den Film ja aus den Augen der Kinder sehen. Doch spüren wir seine Trauer, dass er ein anderes, besseres Leben nicht gelebt hatte. (5/10)

Der Meister und Margarita (2024, Michael Lockshin)
auf amazon prime

Komplex matrjoschkahaft erzählte Geschichte in seltsam glattem CGI-Look, irre anstrengend. (3/10)

Disconnect (2012, Henry Alex Rubin)
zur Leihe

Ein „L.A. Crash“ für das mittelfrühe Internet-Zeitalter. Mehrere miteinander verwobene Geschichten erzählen vom Abgrund, der neben der Datenautobahn lauert: bei Callboy-Camchats und Identitätsdiebstahl sowie in Catfishing mit virtuellem Bullying und Entfremdung durch Screensklaverei.

Gut besetzt mit Skarsgard, Riseborough, Nyquist und Bateman, aber doch zu arg in einem sich selbst sehr ernst nehmenden Hollywood-Kitsch-Stil erzählt. (5/10)

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