vonChristian Ihle 12.05.2026

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Peaky Blinders: The Immortal Man (2026, Tom Harper)
auf Netflix

Lange keinen Film mehr gesehen, der so sehr über seinen Soundtrack lebt. Die Netflix-Spielfilm-Fortsetzung zum modernen britischen Serienklassiker verschwindet fast in seiner Musicvideo-Ästhetik: Slowmo, Explosionen, Gitarrendonner. Aber dank mehrerer von Fontaines D.C.s Grian Chatten eingesungener und geschriebener Lieder eben dennoch mit mehr Wucht, als diese Herangehensweise haben dürfte.

Die Story bleibt dagegen dünn, mäandert vor allem anfangs doch recht vor sich hin bis Cilian Murphy als Tommy Shelby endlich aus der selbstgewählten Immigration heraustritt, um den Vater-Sohn-Konflikt mit Barry Keoghan als Duke Shelby vor dem Backdrop einer großen Nazi-Intrige auf die Straße zu tragen. Mächtige Bilder, noch stärkerer Sound – doch die beabsichtigte emotionalen Treffer landet „The Immortal Man“ letztlich nicht. (6/10)

Rose (Markus Schleinzer)
im Kino

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Am Ende des Dreßigjährigen Krieges. Rose versucht sich eine Erbschaft zu erschleichen, will sich niederlassen, sich etwas aufbauen. Der einzige Weg dazu: ein Mann sein. Also ist Rose ein Mann, als sie in das kleine Dörfchen kommt, um in der Rolle des gefallenen Kameraden eine Erbschaft zu beantragen. Nach erster Skepsis überzeugt Rose durch harte Arbeit, gut bestellte Felder und einen Kampf gegen einen Bären. Sie wird zu einem der starken Männer des Dorfes. Doch dann kommt die Gier. Rose will mehr. Mehr Länder, mehr Auskommen, mehr Leben. Sie stimmt zu, sich zu diesem Zwecke mit der Tochter eines anderen Grundbesitzers zu verheiraten. Doch nun? Die Ehe muss vollzogen werden, der Nachwuchs muss sprießen.

Markus Schleinzer inszeniert diese von wahrer Historie inspirierte Trans-Köpenickiade in strengem Schwarz-Weiß und so naturalistisch, dass beim Zusehen der Feldarbeit schon Schwielen an den Händen entstehen. Sandra Hüller brilliert in der Hauptrolle, gerade weil sie die falsche Männlichkeit gar nicht ausstellt, sondern in die Introspektive arbeitet, ins Schweigen. Ebenso stark ist Caro Braun als Ehefrau, die zunächst kindliche Naivität versprüht, aber mit jeder weiteren Minute andeutet, dass doch mehr Eigenwille und Sturheit in ihr steckt als Zuschauer – und Dorfbewohner – vermuten. Unerwartet erzeugt Schleinzer immer wieder Momente des Humors in all der Tragik und weckt manchmal Erinnerungen an Herzogs 70er-Jahre-Filme circa „Kaspar Hauser.

Ein starker Film, dem sowohl das Einleben in das Damals gelingt als auch über seine Geschichte deutlich genug politische Signale an das Jetzt sendet, vom glass ceiling des weiblichen Aufstiegskampfes bis zu Diskussionen über die Binarität von Geschlechtern. Das alles in knackigen 90 Minuten erzählt, in einem großen Bogen von Beginn bis Ende. (7/10)

Crime 101 (2026, Bart Layton)
auf amazon prime

Schön noiriger Verbrechensthriller mit einer erstaunlich hochkarätigen Besetzung (Jennifer Jason Leigh, Mark Ruffalo, Halle Berry, Chris Hemsworth, Nick Nolte, Barry Keoghan*). Gerade das Katz-und-Maus-Spiel sowohl zwischen Ganove und Polizist als auch unter den Gangstern selbst erinnert immer wieder aufs Beste an „Heat“.

Überzeugende Kombination aus Drama und Krimi in guten, kühlen Bildern. Empfehlung! (7/10)

* wie Barry Keoghan selbst so eine Riege an Kollegen einfach an die Wand spielt! Finde sein Talent & Präsenz & inhärente Weirdness wird viel zu wenig besungen. Der beste Schauspieler seiner Generation?

Spiders (2023, Sébastien Vaniček)
auf amazon prime

Knackiges Mensch-gegen-Spinne-Creature-Feature, das in einem Wohnblock der französischen Banlieues spielt.

Erfindet sicher das Spinnrad nicht neu, aber hat wenig Quatschmomente. Lediglich warum diese Spinnen so mutieren, ist mir dann nicht wirklich klar geworden? (6/10)

Mercy (2026, Timur Bekmambetov)
auf amazon prime

Ein Film von solcher Stumpfheit, dass ich a) kaum glauben konnte, was ich sehe und b) bei knapp der Hälfte entnervt aufgab, weil nicht einmal ein unterhaltsamer Trash-Faktor die Restlaufzeit rechtfertigen würde.

Eine krude Mischung aus Desktop-Thriller, „Minority Report“ für Gehirnamputierte und career worst performances von Chris Pratt & Rebecca Ferguson machen „Mercy“ zu einem filmischen Desaster wie ich lange keines mehr gesehen habe. (2/10)

Sarah Silverman: A Speck of Dust (2017, Liam Lynch)
auf Netflix

Deutlich unterhaltsamer als Sarah Silvermans aktuelles Special „Post Mortem“. Silverman erwischt hier einen schönen Mittelweg aus dirty, aber nicht zu platt, und damit das richtige Maß an Transgressivität. Sie liefert zudem ihre Pointen in einer angenehm nonchalanten Weise, also eher in der Leslie-Nielsen-Schule des Nicht-Anlachens des eigenen Gags. (6/10)

P.S.: Regie führte übrigens Liam Lynch, manchem vielleicht noch vom gar nicht mal schlechten Novelty-Hit „United States Of Whatever“ bekannt, seines Zeichens die UK-Top-Ten-Single mit der kürzesten Spielzeit ever (1:25 Minuten):

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