vonChristian Ihle 19.05.2026

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

Mehr über diesen Blog

Nils Keppel – Super Sonic Youth

Hier wurde ein eingebetteter Medieninhalt blockiert. Beim Laden oder Abspielen wird eine Verbindung zu den Servern des Anbieters hergestellt. Dabei können dem Anbieter personenbezogene Daten mitgeteilt werden.

Seit Nils Keppel mit seiner Single „Wellblech“ 2023 auf sich aufmerksam gemacht, warten wir gespannt auf sein Debütalbum, das mit dem schönen Titel „Super Sonic Youth“ nun in diesem Frühjahr erschienen ist.

Keppel spielt das oft geschmähte NNDW-Genre in einer deutlich edgieren Variante Richtung Post-Punk durch. Wie beispielsweise zuletzt auch Levin Goes Lightly arbeitet Keppel dabei mit bowie-esquer Attitude, hat aber zuweilen die Schroffheit von Messer oder Die Nerven (vor allem im besten Song des Albums „Keine Zukunft“) und die Wildheit eines jungen Bilderstürmers. Deshalb überzeugen auch seine schärferen Songs – die sich etwas zu sehr im Vorderteil des Albums sammeln – mehr als wenn Keppel die Geschwindigkeit herausnimmt.

Mit „Fremder Traum“ und „Keine Zukunft“ hat Keppel zwei der besten deutschsprachigen Post-Punk-Songs des Jahres geschrieben, gerade „Keine Zukunft“ brilliert zudem auch noch mit einem Text, dessen erste Strophe auch Peter Hein auf „Monarchie & Alltag“ hätte singen können:

Neue Wolken
Die niemals verziehen
Neue Freiheit
Mit 20 verspielt
Neue Welle
Und wehe sie bricht

In der Gischt
Seh ich 3 verlorene Jahre sonst nichts
Die Hitze kocht uns unter dem Dach
Vergessen in der ewigen Stadt
3 Kugel doch ich warte noch ab
Ich will nie sterben
Weil es keinen Platz im Himmel mehr hat

Kapa Tult – Immer alles gleichzeitig

Hier wurde ein eingebetteter Medieninhalt blockiert. Beim Laden oder Abspielen wird eine Verbindung zu den Servern des Anbieters hergestellt. Dabei können dem Anbieter personenbezogene Daten mitgeteilt werden.

Die junge Indie-Band Kapa Tult aus Leipzig spielt rumpelig-hymnische Songs mit selbstbewussten Lyrics aus einem (mindestens) Millenial-Mindset, die gern die Zustände sowohl im modernen Spätkapitalismus als auch in Romantik 2.0 thematisieren. Kapa Tult wirken – im besten Sinn – wie eine aktualisierte Wir Sind Helden – Version.

Dieses Frühjahr veröffentlichten Kapa Tult ihr zweites Album „Immer alles gleichzeitig“, das in knackigen fünf Tagen bei Produzent Moses Schneider (u.a. Tocotronic) eingespielt wurde und mit „Niemand“ (Kapa Tults „Denkmal“) sowie „ARD Mediathek“ mindestens zwei richtige Hits bereit hält. Letzterer ist eine schöne Anspielung auf die „Netlix & Chill“-Date-Gewohnheiten der jungen Leute, die die Wildheit der Beziehung implizit mit öffentlich-rechtlichem Streaming-Service gleichsetzt.

Manchmal driften Kapa Tult etwas zu sehr in eine unbestimmte „Aber mein Leben könnte schöner sein und dass ich womöglich auch noch arbeiten muss, ist ja wohl eine Frechheit“-Trotzigkeit ab, doch das ist ja das Vorrecht einer jungen Band, sich Utopien auch im Kleinen wünschen zu können.

Anzeige

Dir hat der Beitrag gefallen? Teile ihn über Social Media. Du möchtest etwas dazu sagen? Weiter unten gelangst du zu den Kommentaren.

https://blogs.taz.de/popblog/2026/05/19/neue-platten-nils-keppel-kapa-tult/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert