„Vielleicht, anders kann man sich jedenfalls das Konzept von Berlin kaum erklären, wird man fit für die Zukunft, wenn man einen absurden Städte-Wettbewerb krönt mit einem Ergebnis, das zu einem KI-Malwettbewerb unter Kindertagesstätten passen würde. Herausgekommen ist ein Design für den öffentlichen Raum, wie es kindischer und ideenloser nicht denkbar ist. So vergangen wie in Berlin sah die Zukunft noch nie aus.
Geplant ist ein Fernsehturm, dessen Stahlbetonschaft mit den olympischen Ringen geschmückt ist und daher anmutet wie das Plastik-Wurf-Ringspiel auf der Seite Mein-kleines-baby.de: „Spielzeit in lehrreiche Momente verwandeln“. (…) Ringe zieren aber auch die Brücke vor dem Berliner Dom und den Flughafen BER, der auch ohne bunte Kringel an seine Existenz als Architektur-Lachnummer der Welt erinnert. Es ist zum Kringeln.
Welche Agentur sich auch immer das Luftschlangen-Konzept ausgedacht haben mag: Wer hier länger als fünf Sekunden nachdenken musste, um die Olympia-Bewerbung einer Stadt mit dem Zitat der olympischen Ringe zur KI-Chiffre der Einfalt kurzzuschließen, sollte zumindest keine einzige Sekunde davon in Rechnung stellen dürfen für irgendeine Form von entwurflicher Arbeit. Nach der fulminanten Ästhetik, die im olympischen Paris zu sehen war als einzigartige Feier architektonischer und stadträumlicher Schönheit, ist Berlin offenbar zum Gegenteil entschlossen – und degradiert die Hauptstadt zum Partykeller mit Pappnasen-Optik und Konfetti. (…) Die Design-Idee der Hauptstadt, die mit den Ringen spielt, in einem Wort? Sondermüll.“
(Gerhard Matzig in der Süddeutschen)