Thomas Schwebel gründete 1977 gemeinsam mit Harry Rag die Post-Punk-Band S.Y.P.H. (bevor dieser Begriff überhaupt existierte), stieg Anfang 1979 bei Mittagspause ein, um nach deren Ende gemeinsam mit Sänger Peter Hein die Fehlfarben zu gründen. Nachdem Hein bereits nach dem Debütalbum die Fehlfarben wieder hinter sich ließ, übernahm Schwebel auch die Frontmann-Aufgaben für die Folgeplatte.
Das zweite Fehlfarben-Album „33 Tage In Ketten“ steht immer im Schatten des Debüts „Monarchie & Alltag“. Einerseits klar, welche Platte würde nicht im Schatten des besten deutschsprachigen Albums überhaupt stehen, andererseits aber auch unfair, ist doch das Fehlfarben’sche Zweitwerk selbst ohne den zu diesem Zeitpunkt bereits ausgestiegenen Peter Hein ein sehr überzeugendes Album. Der kompromisslose Albumopener „Tanz mit dem Herzen“ sprengt in seiner beinah DAF-esquen Energie schon alle Ketten. „Die wilde Dreizehn“ hätte der smartere Tanzflächen-Knaller und Chart-Hit werden sollen, der das simplere Funk-Stück „Ein Jahr (Es geht voran)“ gut sechs Monate später wurde. Rauswerfer „Der Marsch“ ist mit seinem Stop-Start, Schicht-auf-Schicht das „Paul Ist Tot“ von „33 Tage In Ketten“. Selten war deutscher Punk näher an WIRE als in diesem Marsch auf 33 Tage in Ketten.
Zur Wiederveröffentlichung von „33 Tage in Ketten“ hat Thomas Schwebel eine Band, bestehend aus ihm, Peta Devlin, Rick McPhail (ex Tocotronic) und Gunther Buskies (Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen) zusammengestellt und wird diesen Klassiker in Gänze aufführen – die ersten Konzerte waren bereits, im November folgen weitere. Einen ersten Eindruck von der aktuellen Besetzung kann man sich dank der Live-Platte verschaffen, die als Digitales Album auf den Streaming-Diensten veröffentlicht wurde.
* Die drei besten Punksongs/-singles?
– Oh Bondage up yours – X-Ray Spex
– We are all prostitutes – The Pop Group
– Viva La Rock’n’roll – Alternative TV
* Ein Song, der Dich immer zum Tanzen bringt?
I want you back – Jackson Five. Die besten ersten 30 Sekunden in der Popgeschichte.
* Die interessanteste / beste „neue“ Band/Künstler ist?
Hatte zuletzt keine Zeit, mich um neue Musik zu kümmern, aber ich werfe meinen Hut in den Ring für einen
Musiker/Produzenten aus England, der ziemlich unterm Radar segelt und dessen Werk mich in den letzten Jahren begleitet und begeistert hat: Gerry Diver
Einfach auf Gerrydiver.com gehen: Sein Solo Album „The Speech Project“ (schon etwas älter, zugegeben) ist
ein unglaubliches Meisterwerk. Sein Song über den Lockdown mit dem Dichter Richard Hendrick und Field Recordings von Italienern, die auf ihren Balkonen gesungen haben, ist sehr berührend.
* Deine liebste deutschsprachige Textstelle?
„Ich würd dir helfen, eine Leiche zu verscharren, wenns nicht meine ist“ – Niels Frevert
* Der beste Song über Revolte, Aufruhr und Revolution?
„Complete Control“ von den Clash. Alles an der Single, dem Sound, der Produktion, der Energie läßt einen vergessen, dass sich hier nur eine Band über ihre Plattenfirma aufregt, weil sie die falsche Single ausgekoppelt hat. Über wenig haben sich die Clash besser aufgeregt.
* Der beste Song in diesem (oder im letzten) Jahr ist…?
„Albarone“ von Baxter Dury
* Der beste Song, den Du je geschrieben / aufgenommen hast?
„Magnificent Obsession“, Fehlfarben: Glut und Asche
* DAF, Palais Schaumburg oder Der Plan – … und warum?
DAF – eindeutig. Das Level an Energie hat die deutsche Musikszene damals gesprengt. Dafür sind sie nach England, und damit sind sie zurück. Auch wenns Conny Plank produziert hat, das ist geblieben.
* Der beste Film über Musik? Und warum?
Als Konzertfilm bleibt „Stop making sense“ unübertroffen, aber als Film über Musik ist es „Amadeus“. Kein Film sonst erklärt das Wesen, die Tiefe und die Entstehung von Musik so gut. Und die „Get back“ Doku über die Beatles natürlich auch.
* Die beste deutsche/deutschsprachige Platte?
Schwierig, aus bekannten Gründen. Ich entscheide mich deswegen für eine 7“-Single:
„Immer wieder geht die Sonne auf/Was ich dir sagen will“ von Udo Jürgens. Double A-Side, kam glaube ich 1966 raus, hat auf der A-Seite schon mal das Abba-Klavier erfunden. Großer Pop.
* Die beste Platte aller Zeiten?
Das weiße Album der Beatles.
Auf der Bühne:
11. November: Oberhausen – Druckluft
12. November: Mainz – Schon Schön
13. November: Reutlingen – Kulturzentrum franz.K
14. November: Bielefeld – Forum
Weitere Lieblingsplattenfragebogen aus dem Fehlfarben-Umfeld:
* My Favourite Records mit Michael Kemner (bis 1981, 1989–2026 †)
* My Favourite Records mit Uwe Jahnke (1981–2014)
* My Favourite Records mit Frank Fenstermacher
* My Favourite Records mit Pyrolator