vonChristian Ihle 24.07.2026

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Der Astronaut – Project Hail Mary (2026, Phil Lord & Christopher Miller)
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„Der Astronaut“ folgt dem Lehrer Ryland Grace, der als einzige Hoffnung der Menschheit durch das All reist, um die Sonne vor dem Erlöschen durch außerirdische Mikroorganismen zu retten. Dabei leidet er anfangs unter Gedächtnisverlust und freundet sich auf seiner Mission mit einem Alien an.

„Der Astronaut – Project Hail Mary“ will alles sein und ist am Ende doch von allem zu wenig.

Knuddelige Familien-Unterhaltung wie „E.T.“, aber erwachsene Verständigungsparabel wie „Arrival“, Sci-Fi-Oha in seinen Setpieces wie zugleich Down-To-Earth-Vertrautheit dank des Gosling & Hüller- Doubleacts. Gosling rettet mit seinem Charme dennoch viel und gerade die Flashback-Momente mit Hüller sind packend, so dass man immer wieder bedauert, wenn in die Jetztzeit zu Gosling solo ins weite Weltall geschalten wird.

Am Ende bleibt ein in Teilen guter, aber ziemlich zerrissener und vor allem überlanger Film über das Ende der Welt und eine letzte große Rettungsmission. (5+/10)

Dreams (2025, Regie: Michel Franco)
im Kino

Fernando, ein junger Balletttänzer aus Mexiko, träumt von internationalem Ruhm und einem Leben in den USA. In der Hoffnung, dass seine Geliebte Jennifer, eine wohlhabende Society-Erbin und Philanthropin, ihn finanziell unterstützen wird, lässt er alles hinter sich und verliert bei der Überquerung der Grenze beinahe sein Leben.

Michel Franco erzählt eine Geschichte über Macht und Migration. Unterkühlt, am Ende gar hanekehaft, wirft Franco seinen Blick auf die Machtdynamiken zwischen einer reichen amerikanischen Philantropin (Jessica Chastain als älteres Daddy‘s Girl) und einem jungen, in die USA illegal eingereisten mexikanischen Ballett-Tänzer (Isaac Hernandez). Die Beziehung ist bestimmt von Liebe, Begierde und natürlich Geldhaben, Keingeldhaben.

Interessant wird Dreams dadurch, dass Franco die Klichees von Ausnutz-Beziehungen auf den Kopf stellt – sie reich, er hübsch & talentiert / beide zwar gierig auf den anderen, aber auch ernsthaft in love – und im letzten Akt die bis dahin klar verteilten Rollen noch einmal dreht, so dass niemand mit Zuneigung oder gar Mitleid aus diesem Film entlassen wird. (6+/10)

Splitsville (2025, Michael Angelo Covino)
zur Leihe

Splitsville handelt von Carey, dessen Frau Ashley die Scheidung will. Carey sucht Trost bei seinen Freunden Julie und Paul, die eine offene Ehe führen. Als Carey und Julie eine Grenze überschreiten, geraten alle Beziehungen und Freundschaften in ein großes Chaos.

Zuweilen erfreulich quatschiger Blick auf Polyamorie, offene Beziehungen und all den modernen Liebe&-Selbst-Findungsrest, bevor es sich „Splitsville“ dann doch in einer verhältnismäßig auf sich zurückgeworfenen Konstellation gemütlich macht.

Aber gerade der Mittelteil, wenn ein überkompensierender Gehörnter sich beinah neurotisch mit all den neuen, ständig im gemeinsamen Haus abhängenden Liebschaften der Ex anfreundet, macht enormen Spaß. (7/10)

Die letzte Nacht in Palermo (2024, Gabriele Muccino)
in der ZDF-Mediathek

Sophie hat an ihrem letzten Tag in Italien genug von ihrer strengen Schwester. Doch der Partyabend mit Urlaubsflirt Giulio wird zur Schicksalsnacht.

Dass es ein italienisches Remake von „Victoria“ gibt, war völlig an mir vorbeigegangen (& das Original war immerhin mein Film des Jahres damals)

Gabriele Muccinos Version von Sebastian Schippers grandioser Berlin-Nacht ist ein schönes Lehrbeispiel, wieviel Regie und Kamera in der Umsetzung eines Drehbuchs ausmachen. Erst in „Letzte Nacht in Palermo“ merkt man, wie dünn der Plot von „Victoria“ eigentlich ist – und wie egal das dank Schippers verrückter Umsetzung als einziger One-Shot-Adrenalin-Rausch war!

Muccinos Variante fehlt jede größere Ambition und bricht die Geschichte auf eine simple Räuberpistole herunter, die zwar immer noch einigermaßen unterhält, aber darüber hinaus nicht viel zu bieten hat. (5+/10)

Fuze (2025, David Mackenzie)
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Fuze verbindet eine dramatische Bombenentschärfung in London mit einem heimlichen Banküberfall: Eine Weltkriegsbombe sorgt für die Evakuierung eines Viertels, während Kriminelle das Chaos ausnutzen.

Was ich auf den ersten Blick aufgrund des Plakats für einen dieser Straight-To-Streamingregal-KrachBummsPeng-Langweiler gehalten hatte, entpuppt sich dank der versierten Regie von David Mackenzie und einem durchaus überraschenden Drehbuch (Ben Hopkins, der zuletzt den Willem-Dafoe-Existentialismus-Onehander „Inside“ geschrieben hatte) als doch überdurchschnittlich unterhaltsamer Actionthriller.

Der komplex gewundene Heist-Film „Fuze“ wirkt zunächst wie eine seltsame Wahl für einen Regisseur wie Mackenzie, der in Filmen wie „Perfect Sense“ oder „Hell Or High Water“ immer am Rand zum Arthouse agierte, doch die erstaunlich vielschichtigen Charaktere und ihre erst spät offenbarten Motivationen heben diesen Actionfilm eben doch aus der üblichen Massenware heraus, was wiederum gut einen Regisseur verträgt, der sich nicht allein mit Explosionen zufrieden gibt. (6+/10)

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