The Change (2025, Jan Komasa)
auf amazon prime
Ungewöhnliche Mischung aus Drama um eine dysfunktionale Familie und den rechtsextremen Umschwung in der amerikanischen Politik.
Am Hochzeitstag der Eltern bringt der erwachsene Sohn seine neue Freundin mit, die früher unter der Mutter studiert hat und dort über eine rechtspopulistische Seminararbeit mit ihr in Konflikt geraten ist.
Spannend ist, wie undurchschaubar Phoebe Dynevor diese Figur anlegt – für die Familie ebenso wie für den Zuschauer. Nie weiß man, ob sie nur naiv das hübsche Vorzeigegesicht dunkler Mächte gibt oder selbst die Fäden zieht. Dynevor spielt das mit oberflächlichem Lächeln unaufdringlich, aber beunruhigend gut.
Wenn in der zweiten Hälfte die Dystopie eines autokratisch-rechten Amerikas Überhand nimmt und so die Familienkonflikte zunächst in den Hintergrund treten, ist „The Change“ nicht mehr ganz so überzeugend, weil Jan Komasa die politische Dimension zuvor nicht tief genug herausgerabeitet hat, die diesen Wandel nachvollziehbar machen. Dank eines entschlossen-düsteren Endes wirkt sein Film dennoch nach. (7/10)
Greenland 2: Migration (2026, Ric Roman Waugh)
auf amazon prime
Im Gegensatz zum überraschend ordentlichen ersten Teil, der dank seiner persönlichen Perspektive mit einem doch halbwegs originellen Spin auf das alte Roland-Emmerich-Genre „Weltuntergang“ überzeugt hatte („Die Apokalypse – menschlich gesehen.“), ist das Sequel leider einer der vielen durchschnittlichen Mensch gegen zerfallende Welt – Streifen, die man schon oft – und oft besser – gesehen hat.
Die Unwahrscheinlichkeiten häufen sich, das CGI sieht nach Plastik aus, die so nachvollziehbar gelegten Emotionsspuren aus Teil 1 werden hier mit Pathos zugeschüttet.
Nicht mehr als Background-Noise. (4/10)
Der Pfau (2023, Lutz Heineking)
in der ZDF Mediathek
Lange Zeit recht unterhaltsame Team-Coaching-Satire, die eine hübsche Riege deutscher Schauspieler um Tom Schilling und Jürgen Vogel in ein schottisches Burglein verpflanzt und mit Agatha-Christie-haftem Raunen einen Zwischenfall und Twist ankündigt. Letztlich endet alles aber so dermaßen belanglos im Nichts, dass ich das nicht mal mehr als Meta-Kommentar zur Beliebigkeit von sowohl Agatha-Christie-Krimis als auch Team-Coachings lesen mag. (5/10)
Nightborn (2026, Hanna Bergholm)
im Kino
Postnatale Depression als Horror. Nicht der erste Film, der auf die Idee kommt, die Geburt und ihre Folgen allegorisch zu Ende zu deuten – und auch nicht der Beste.
Am stärksten ist „Nightborn“ in seiner ersten Hälfte, wenn die Anstrengungen des Elternseins, die physischen Härten wie die psychischen Zehrungen deutlich werden, ohne dass bereits ausformuliert wird, wie weit wir hier ins Horror-Terrain wandeln.
Am Ende ist Hanna Bergholms Film – die in ihrem Debüt „Hatching“ bereits Coming-Of-Age in einer (etwas gelungeneren) Horrorallegorie verarbeitete – zu repetitiv und unsubtil, um wirklich zu überzeugen. (5/10)
Lebensansichten eines Huhns (2025, György Pálfi)
im Kino
Das Leben eines Huhns, von massenproduktionsähnlicher Geburt bis zum natürlichen Tod. György Pálfis Film ist dabei weder an der anthropomorphischen Verniedlichung seiner Hauptfigur interessiert noch läuft er als Anklage gegen die Unmenschlichkeit der Massentierhaltung, sondern will als Odysee eines Tieres einen Blick von Unten-Außen auf unsere Welt werfen.
Die ersten zwei Drittel dieses quasi dialogfreien Blicks auf die Beschwerlichkeiten eines Hühnerlebens in der modernen Welt sind auch recht faszinierend, doch Pálfi scheint diesem Ansatz selbst nicht so recht über die komplette Spieldauer zu trauen und baut in der zweiten Hälfte zu viel menschlichen Subplot ein, der auch nicht wirklich zu den „Lebensansichten eines Huhns“ beiträgt – denn was soll uns in diesem Kontext eine toxische Beziehung und Flüchtlingsschmuggel erzählen?
Das hat Jerzy Skolimowski kürzlich in „EO“, den Lebensansichten eines Esels, mit mehr Konsequenz und deshalb auch deutlich überzeugender auf die Leinwand gebracht. (5/10)