Das vordere Fünfzigmeterbecken war am Montag (29.06.26) gesperrt, damit es wieder aufklart. Denn das eigentlich so schön klare und kalte Becken nennen einige auch Bergsee – wenn nicht gerade Hitzewelle und 8.000 Menschen drin und drumherum sind. Wieder andere nennen es Terrassenbecken, weil sich das Wasser vor der Terrasse mit der schönsten Abendsonne Kreuzbergs wie ein Teppich davorlegt. Während Terassenbecken oder Bergsee durchaus treffende Namen sind, ist Fünfzigmeterbecken falsch.
Es soll ja Leute geben, die auf Zeit ihre Bahnen ziehen. Einige mit hohen Ambitionen, jedenfalls der Ausrüstung nach zu urteilen. Und beim Schwimmen zählt jedes Sekundenzehntel. Doch wer im Terrassenbecken seine Zeiten nimmt, schwimmt zuverlässig zu schnell. Denn das Becken schmeichelt jedem, demokratisch, ob den plaudernd nebeneinander schwimmenden Damen oder eben den anonymen Kampfschwimmern.
Misst man nämlich auf Satellitenbildern von Google und Co. des Bades nach, werden nämlich unterschiedliche Längen zwischen Sport- und Terrassenbecken deutlich. Ein Blick in Oloews (2006) Standardwerk zum Prinzenbad bestätigt den Verdacht: Die Akten taxieren die fehlende Länge auf genau 1,16 Meter. Bei einer gemütlichen Minute pro Bahn betrügt man sich um gut 1,4 Sekunden pro Bahn im Achtundvierzigkommaachtvierbecken. Auf 1.500 Metern sind das 40 Sekunden. Entscheidend. Vielleicht.
Dahinter steckt der umfassende Umbau des Sommerbads Kreuzberg in den Jahren 1984/85. Das damals neue Becken wurde in die Betonwanne des Vorgängerbeckens von 1956 gesetzt, Becken in Becken. Die neuen Wände brauchten Platz. Den nahm man halt auch von der Länge. Gestört hat das seither niemanden, außer die Stoppuhren der Neoprenschwimmer.
Man munkelt, dass das Terrassenbecken nach 40 Jahren nun bald wieder einer kleinen Kur unterzogen werden solle. Mal sehen, wie lang es danach sein wird.