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vonJakob Hein 07.09.2011

Reptilienfonds

Heiko Werning und Jakob Hein über das tägliche Fressen und Gefressenwerden in den Wüsten, Sümpfen und Dschungeln dieser Welt.

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Für unser heutiges Jubiläum haben wir etwas gewartet. Denn ja – es gab in der Zwischenzeit schlechte Karikaturen – aber für die 10. Ausgabe sollte es doch etwas Besonderes sein. Heute endlich liefert die in dieser Hinsicht verlässliche „Süddeutsche Zeitung“.

Bekanntermaßen ist der Euro in der Krise und die Regierungen schüren immer neue, so genannte „Rettungspakete“. Am einfachsten geht das normalerweise, wenn dabei nicht das Parlament oder – Gott bewahre! – das Volk gefragt werden müssen. Jeder Monarchist wird die Geschmeidigkeit solcher Regierungsformen bestätigen. Heute nun will sich aber das Bundesverfassungsgericht dazu äußern und diese Grundgesetz-Spießer werden vermutlich mitteilen, dass sich eine Beteiligung der Volksvertreter in solchen das Volk umfänglich betreffenden Entscheidungen gehört. Der Kanzlerin und ihrem Finanzminister wird es wenig gefallen, so in ihren Handlungsspielräumen eingeengt zu werden.

Wie aber setzt Herr Gottscheder dieses Geschehen in eine Karikatur um? Merkel und Schäuble fliehen vor einer Krake namens „Markt“, deren Körper ein Globus ist und  in deren Augen Dollar- und Euro-Zeichen blinken zum Verfassungsgericht, dass mit einem lächerlich kleinen Dreizack gegen die sechs übergroßen Arme der Krake angehen möchte.

Kraken haben acht Arme! Merkel und Schäuble suchen beim Verfassungsgericht keinen Unterschlupf, sondern dort wird über eine Verfassungsbeschwerde von Herrn Gauweiler (CSU, natürlich nicht im Bild) gegen die bisherige Regierungspolitik verhandelt. Es kann nur einer den Euro im Schild tragen! Entweder in den Augen des Kraken (was auch immer das bedeuten soll) oder als Bandenwerbung vom Bundesverfassungsgericht (was auch immer das bedeuten soll). Aber wenn man den Euro schon überall draukritzelt, um so etwas wie Bedeutung zu suggerieren, warum dann nicht auch noch auf das Rad von Schäubles Rollstuhl? Und wo ist eigentlich Rösler, der doch bei der vorigen schlechten Euro-Karikatur immerhin auch ins Bild durfte? Wo sind die beschrifteten Pfeile mit z.B. „Krise“? Oder ein Hai, auf dem „Euro-Bonds“ steht? Oder ein Luftballon „Frieden“?

Wahrscheinlich dienen diese Zeichnungen insgeheim der Pharmaindustrie zur Absatzsteigerung für Kopfschmerzmedikamente und Antiemetika.

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kommentare

  • @Floda: Und die Merkel schüttet der Europa-Kuh frische Euros aus einem Sack auf dem „deutsche Steuergelder steht in den Trog mit einem Loch, auf dem „Euro-Bonds“ steht. Und unten melkt ein griechischer Bauer das leere Euter.

  • Wo ist die abgemagerte Europa-Kuh? Wo ist der schlafmützende deutsche Michel? Und der zigarrerauchende dicke Kapitalist? Die haben sich doch bestimmt angeboten mitzumachen.

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