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vonJakob Hein 15.09.2011

Reptilienfonds

Heiko Werning und Jakob Hein über das tägliche Fressen und Gefressenwerden in den Wüsten, Sümpfen und Dschungeln dieser Welt.

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An vielen Tagen sitzt der Blogger da und hinterfragt den Sinn seines Tuns. Wer soll all das Geschriebene lesen, wenn doch alle selbst zu schreiben scheinen? Der Vorschlag, Transferleistungen nur dann zu zahlen, wenn der so Unterstützte gelobt, keinesfalls öffentlich zu schreiben, hat sich ja auch nicht durchsetzen können.

Aber dann gibt es diese Tage, wo man plötzlich denkt: Da draußen interessiert sich jemand für Dein Blog. So ein Tag war vorgestern. Die „Karikatur“ in der Süddeutschen Zeitung lässt doch nur einen Schluss zu: Dort in München sitzen fleißige Leser des „Reptilienfonds“, die besonders diese Rubrik hier zu schätzen wissen. Alle paar Tage lassen sie mal eine besonders absurde Zeichnung abdrucken und schließen dann Wetten darauf ab, wie lange der Reptilienfonds wohl brauchen wird, um darauf zu reagieren. Vielleicht bangen sie auch manchmal, ob es die „Karikatur“ tatsächlich in unsere Rubrik schaffen wird.

Aber die beiliegende Zeichnung schafft natürlich die Qualifikation im Handumdrehen, sie würde jede olympische Norm schaffen. Völlig überladen mit absurder Symbolik und trotzdem vollkommen sinnfrei – Weltklasse! Der Euro, sonst oft nur ein Haufen Geld oder ein Symbol in den Augen einer Krake, ist hier eine mit den Europasternen verzierte  Schlange, die schlaff in einem Baum hängt, der „EU“ heißt. Absolut vorbildliche Symbolik, so sagt man doch häufig im Alltagsgebrauch: „Meine Güte, Du hängst hier herum wie der Euro auf der EU.“ Keiner kann bezweifeln, dass der Euro sich zur EU genau so verhält wie eine Boa zu einer Esche oder der Tapir zur Solarzelle.

Großartig auch das Medikament „Koalitipirin“, dass irgendwie mit Rösler und Seehofer zu tun hat und der Schlange wohl verabreicht wurde, wie der Titel der Zeichung „Nebenwirkung“ verrät. Und als Ergebnis spuckt die Schlange einen Frosch aus, der eine griechische Fahne in der Hand hält, wobei sich einfachen Geistern nicht so schnell erschließt, ob der Frosch Griechenland selbst sein soll, weil er ja dann eigentlich mal Teil der EU hätte gewesen sein müssen und die Schlange dann ein Stück Eschenrinde ausspucken müsste oder ob der Frosch vielleicht den griechischen Anteil an der Europäischen Währungsunion darstellen soll, der ja aber wiederum eigentlich durch die Schlange selbst dargestellt wird.

Unser dankbarer Gruß geht jedenfalls in die Redaktion der Süddeutschen Zeitung zurück, die offensichtlich immer an uns zu denken scheint.

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https://blogs.taz.de/reptilienfonds/2011/09/15/nachrichten_vom_niedergang_der_politischen_karikatur_xii/

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kommentare

  • Nur 60-70 %? Was heißen würde, dass 30-40 % der Zeichnungen _die Hürde_ schafften? Michael, Sie lesen eine andere „Süddeutsche“ als ich. Der Pensionsfond wäre sicher eine gute Sache, aber ich fürchte, viele der Zeichner brauchen als Untote nichts aus dem Reich der Lebenden (vgl. Deutscher Michel).

  • Oh, jetzt ist eine Woche Nachwahl-Aufruhr vergangen, und ich komme erst heute wieder zum Reptilienfonds. Jedenfalls: Sie haben völlig Recht, Jakob. Schlangen schlucken höchst selten unfreiwillig Kröten.

    Aber die Idee mit dem Vorab-Screening sagt mir sehr zu. Nur würden dann gefühlte 60-70 Prozent der SZ-Karikaturen _die Hürde_ (gerne gemalt als Klotz oder Leichtathletik-Hürde und einer entsprechenden Beschriftung, das ist ganz wichtig) nicht nehmen.

    Vielleicht wäre auch ein Karikaturen-Rettungsfonds vernünftig, mit dessen Hilfe eine größere Zahl der derzeitigen Tätigen in den vernünftigen Ruhestand gehen könnten und jüngere Kräfte (des Fortschritts) Förderung erfahren und bei den Zeitungen landen dürfen.

  • Übrigens, Michael: Nachdem ich eine Nacht drüber geschlafen habe, ist mir bei Ihrem Vorschlag leider ein zentrales Problem aufgefallen: Schlangen schlucken zwar Kröten, aber von „müssen“ kann in diesem Zusammenhang keine Rede sein, sie machen das ausgesprochen gern. Aber die Zeichnung ist ja ohnehin unrettbar.

  • Michael: Danke! Diese Lesart hatte ich noch nicht gehabt. Wäre die Kröte dann nicht noch besser ein kleiner Drach(m)e? Diese Karikaturen haben etwas Meditatives: Wenn man sie nur lange genug anstarrt, entdeckt man mitunter sogar eine Art Sinn darin. Vielleicht sollte die „Süddeutsche“ diese Zeichnungen prinzipiell erst den verantwortungsvollen Lesern vom „Reptilienfonds“ anvertrauen, die dann die Zeichnung gewissermaßen intensivmedizinisch betreuen und das noch Rettbare herausholen.
    Weil, jetzt mal ehrlich: Das „Koalitipirin“ hätten wir doch wohl alle mit einem Ausdruck von Ekel und Fassungslosigkeit gestrichen, oder?

  • Ich hätte in dieser komplett sinnfreien Karikatur das griechenfahnenhaltende Reptil als Kröte interpretiert, die der Euro schlucken musste und nun wieder ausspeit.

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