vonHeiko Werning 26.09.2011

Reptilienfonds

Heiko Werning und Jakob Hein über das tägliche Fressen und Gefressenwerden in den Wüsten, Sümpfen und Dschungeln dieser Welt.

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Contra Bov Bjerg und Malte Lehming:

Die Standardpointe eines jeden humoristischen Textes, in dem irgendeine Form moderner Technologie oberhalb eines per Kabel mit der Wand verketteten Festnetztelefons oder irgendwas mit Internet thematisiert wird, lautet seit etwa 15 Jahren: »Fragen Sie doch einfach den zehnjährigen Jungen von nebenan, wie das funktioniert.« Aber jetzt ist der Bengel halt 25 und schließt den ganzen selbstironisch mit ihrem Unwissen kokettierenden Modernitätsverweigerern nicht nur den Router an und richtet ihnen den Desktop altersgerecht ein, sondern verkabelt auch die Politik neu. Damit die älteren Herrschaften sich in Ruhe über die wichtigen Dinge austauschen können, etwa über die Unvermeidbarkeit des Mauerbaus, die vielen Touristen, die ja oft auch nach 22 Uhr noch lachend und im schlimmsten Fall gar Rauschmittel konsumierend durch die Berliner Straßen ziehen, die historischen Leistungen Fidel Castros, das Recht auf Jobs, die ebenso gut jede Maschine bewältigen könnte, den Ausbau von Förderungsmaßnahmen zur Wiedereingliederung in einen Arbeitsmarkt, der nicht den geringsten Bedarf an den Wiedereinzugliedernden hat, oder die Luftqualität des rauchenden Wirtes in seiner Raucherkneipe. Leider stört dabei immer mal wieder neumodischer Trend-Quatsch wie irgend so ein bedingungsloses Grundeinkommen, umlagefinanzierter öffentlicher Nahverkehr oder Bürger, die einfach selbst entscheiden wollen, was sie tun. Und nun auch noch diese Piraten!

Aber das müssen Sie jetzt wirklich nicht auch noch verstehen. Fragen Sie doch einfach den zehnjährigen Jungen von nebenan, wie das funktioniert.

Veröffentlicht in der Jungle World 38/2011

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