vonJakob Hein 31.12.2011

Reptilienfonds

Heiko Werning und Jakob Hein über das tägliche Fressen und Gefressenwerden in den Wüsten, Sümpfen und Dschungeln dieser Welt.

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Es kommet im Leben darauf an, Vogel zu sein und nicht Müllsack

Gegen Silvesterfeiern zu sein, ist letztendlich auch so eine ausgelutschte Position wie gegen Halloween zu sein oder sich jeden September über die Weihnachtsdekorationen in den Kaufhallen zu wundern oder zu sagen, in den Lesebühnen würden eh nur lustige, aber leider unliterarische Alltagsgeschichten vorgelesen werden. Irgendwann mag die Kritik mal einen wahren Kern gehabt haben, durch die Abkehr vom Objekt hat sie dann aber ihre Position nicht weiterentwickeln können und mittlerweile liefern sich die Eigenschaften Banalität, Überholtheit und Rückwärtsgewandtheit ein Kopf-an-Kopf-Rennen über den ersten Platz auf dem Siegertreppchen der Sparte „Am genausten zutreffende Beschreibung“. Wobei gerade die Überholtheit der Position trotz ihres Namens gute Aussichten auf die goldene Medaille hat, da durch das Abkoppeln von neuen Informationen die Kritik langsam zur Meinung wird, um dann zur Ideologie zu gerinnen. Klar, das spart viel Zeit für Neues, aber man darf sich dann nicht wundern, wenn man plötzlich jedes Jahr ein Bambi dafür bekommt, dass man lebt und für sonst nichts.

Insofern ist davon auszugehen, dass heute unglaublich großartige Silvesterfeiern im ganzen Land steigen werden. Angefangen hat ja Samoa, die extra den 30. Dezember übersprungen haben, um von der letzten Nation, die Silvester feiert, zur ersten zu werden. Also wünschen auch wir allen eine dufte Sause mit Bowle, Hütchen und lauter Beatmusik vom Band, warum nicht?

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