vonJakob Hein 07.01.2012

Reptilienfonds

Heiko Werning und Jakob Hein über das tägliche Fressen und Gefressenwerden in den Wüsten, Sümpfen und Dschungeln dieser Welt.

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Kann wahrscheinlich auch schon der Kochlehrling im 1. Lehrjahr kochen: Berliner Nationalgericht.

Wie es Christian W. W. Wulff gesagt hat: „Wem es in der Küche zu heiß ist, der darf nicht Koch werden wollen, wie es Harry S. Truman gesagt hat.“

Sollte er damit seinen ehemaligen amerikanischen Präsidenten-Kollegen (und insofern seinen zukünftigen Ex-Präsidenten-Kollegen) Truman gemeint haben, dann hat er sich das Zitat signifikant verändert gemerkt.  Truman sagte: „If you can’t stand the heat, get out of the kitchen.“ Die Übersetzung hierfür ist wohl eher „Wenn Du die Hitze nicht aushältst, verlasse die Küche.“ Und die Unterschiede sind schon interessant. Geblieben ist das Bild von der Hitze, die in der Küche herrscht, wir nehmen an, die Politik ist gemeint. Und beide Präsidenten sind der Meinung, dass man sich als Amtsinhaber der betreffenden Hitze aussetzen muss, obwohl man darüber nachdenken sollte, dass die Funktion eines amerikanischen Präsidenten sich erheblich vom deutschen Ersatzkaiser unterscheiden und Christian Wulff amerikanische Vorwahlen wohl ähnlich grandios gemeistert hätte wie die unsägliche Ex-Präsidentschaftskandidatin Bachmann in Iowa.

In einer privaten Küche ist niemand Koch und die Hitze steigt dort auch nur an sehr wenigen Tagen mehr als zwei Grad über den Rest der Wohnung an, so dass die übermäßige Hitze nur von Drückebergern als Ausrede benutzt werden kann, was sicher nicht die beabsichtigte Aussage der Metaphern von Wulff oder Truman war. Mithin darf davon ausgegangen werden, dass die Rede von einer professionellen Küche in einem Restaurant ist. Nun ergibt sich die Frage, in welcher Funktion man sich in der Küche sieht. Die Köche sind sehr mit der Fertigung der Speisen beschäftigt, haben Brandwunden an Händen und Armen und können nur sehr selten überhaupt einmal über den Tellerrand schauen. Die Kellner haben selten Ahnung davon, was es eigentlich heißt, ein Confit zu machen oder 20 Schokoladentörtchen mit flüssigem Kern auf den Punkt gleichzeitig fertig zu machen und was der Unterschied zwischen Induktion und Reduktion ist. Gleichzeitig sind beide Berufe dringend notwendig in einem gut funktionierenden Restaurant.

Aber wünscht man sich einen Präsidenten als Koch? Von einem Präsidenten würde man sich wohl eher wünschen, dass er Verständnis für die Belange der Köche hat und gleichzeitig die Wichtigkeit des Kellnerberufs wertschätzen kann, dass ihm vor allem aber das Wohl der Gäste am Herzen liegt, denn auch wenn Köche und Kellner eigentlich einen guten Job machen, ist alles vergeblich, wenn es den Gästen nicht gefällt. Der beschriebene Job ist der eines Restaurantleiters, eines „primus inter pares“.  In Trumans Bild ist das durchaus denkbar und passt auch zu dem Präsidenten, von dem der berühmte Satz stammt: „The buck stops here.“, was in etwa bedeutet: „Letztendlich liegt die Verantwortung hier!“ (Den Spruch hatte er sich als Schild auf seinen Schreibtisch gestellt.)

Wulff hingegen hat die Vorstellung, dass er „Koch werden will“. Das soll er machen. Wo er das doch so gern mit seinen alten Freunden in deren Ferienhäusern macht:  „zusammen zu kochen, zu frühstücken, im Gästezimmer zu schlafen.“ Aber für uns als Gäste seines metaphorischen Restaurants ist das alles ziemlich wenig.

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https://blogs.taz.de/reptilienfonds/2012/01/07/innovative-zitate-nicht-innovativer-menschen/

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kommentare

  • Liebe Jacinta, wir haben auch schon gemeckert, das Problem soll in den nächsten Tagen gelöst werden. Ist keine gestalterische Absicht, sondern ein technisches Problem, bei dem ich auch noch gelernt habe, Screenshots zu machen und als jpgs zu speichern. Ich weiß, das ist ein wenig so, als würde ein Mann in der Bronzezeit begeistert in eine Schmiede laufen und damit angeben, dass er herausgefunden hat, wie man Feuer machen kann, aber für mich war es eben trotzdem toll.
    Wegen Deiner Liebe Christian fürchte ich auch, dass er bald wieder viel Zeit haben wird, um Drehbücher zu lesen, wie man in der Filmbranche so sagt.

  • Seitdem bei eurem Blog der Text über das Foto geht, ist es schwer für mich zu lesen. Will nicht meckern. Aber früher war’s besser!

    Ich liebe Christian Wulff, übrigens. Habe ihm einen Unterstützungsbrief geschickt. Aber ich glaube, dass er bis Ende nächste Woche raus aus der Küche ist, wollte sogar mit meinem Freund wetten, bei Muburak habe ich 30 euro gewonnen, aber er sagte, nee, wegen Wulff wollte er nicht wetten, denn seine Zeit ist um.

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