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vonJakob Hein 27.04.2012

Reptilienfonds

Heiko Werning über das tägliche Fressen und Gefressenwerden in den Wüsten, Sümpfen und Dschungeln dieser Welt.

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Gelingt es, solche Blagen zukünftig aus unseren Kindergärten rauszuhalten?

Na gut, ich geb es  zu: Jetzt bin ich verwirrt. Bisher war ich immer davon ausgegangen, die Herdprämie (Spitzname „Das Betreuungsgeld“) würde dazu dienen, Mütter und Kinder aus sozial schwachen Familien aus den Kitas rauszuhalten. Das war für mich verständlich: Die halten ihre ungekämmten, verlausten, bildungs- und verhaltensschwachen Gören aus den Kindergärten raus, damit die Kita-Plätze nicht fehlen für die Anwälte, Ärzte und „Irgendwas mit Medien“. Zum Dank bekommen sie irgendein an den Bierpreis gekoppeltes Almosen, dass dann der Kindsvater nach eigenem Gutdünken anlegen darf. Weil damit auch noch die Mütter aus der Arbeitslosenstatistik herausgehalten werden und die für die Schönung der letzteren so wichtigen Plätze im Niedrigstlohnbereich für andere sozial Schwache frei lassen, schloss sich der Kreis in vollendeter Formschönheit. Am besten war dabei der Vorschlag von CDU-CSU-„Supervolker“-Kauder, zusätzlich dazu die Rentenleistungen zu erhöhen für Eltern von vor 1992 geborenen Kindern, weil das natürlich in sich geschlossen ist, dass man einen Beitrag, den man der Gesellschaft durch Frühausgrenzung dauerhaft vorenthält, dann am anderen Ende auch ausgibt. Die Koalition kann sich von rückwärtsgewandtem kaufmännischem Sophismus der Vergangenheit befreien und ist ganz in der Logik des 21. Jahrhunderts angekommen: Wenn ich jemandem etwas verkaufe, für das er kein Geld hat, dann kann ich ihm doch einfach auch noch einen Kredit dafür geben. Bestimmt wird den irgendjemand zurückzahlen.

Doch nun stellt sich heraus, dass die Herdprämie von den angeblich zu niedrigen Hartz-IV-Sätze abgezogen wird. Das heißt, die Herdprämie ist nur für die Familien eine Prämie, für die sie ohnehin nicht besonders viel Geld bedeutet. Kann man dann nicht auch eine Autoprämie einrichten, für die Fahrer von Sport- und Geländewagen? Oder eine Villenprämie zur Unterstützung von Häuslebauern ab 500 qm Wohnfläche? Oder eine Kaviarprämie zur Unterstützung von Iod-reicher Ernährung? Und wie will man das finanzieren? Ginge das vielleicht über die Erhebung von Abgaben auf Einhörner und Gebühren für das Halten von Trollen?

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