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vonJakob Hein 01.05.2012

Reptilienfonds

Heiko Werning über das tägliche Fressen und Gefressenwerden in den Wüsten, Sümpfen und Dschungeln dieser Welt.

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Früher rockten die Klosprüche irgendwie mehr

Morgen wird der traditionelle Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen begangen. An diesem Tag wird nicht nur gegen den Zwang zur Lohnarbeit sondern auch gegen sinnlose Produkte demonstriert, weil diese mit verantwortlich sind für eine Spirale des Wahnsinns. Anstatt ein ordentliches Produkt herzustellen, das man stetig leicht verbessert und dann von Robotern gefertigt zu einem guten Preis verkaufen kann, werden immer wieder von Scheinbeschäftigten Scheininnovationen entwickelt und auf den Markt geworfen, um Menschen dazu zu bewegen, diese zu kaufen.

Eine besonders unangenehme Innovation in dieser Hinsicht ist das umweltfreundliche Toilettenpapier der Firma Zewa. Wir kauften es, da es das einzige mit einem blauen Engel zertifizierte Klopapier an diesem Tag war und der Darm nicht warten kann, bis Rossmann wieder Ware bekommt. Zum Lohn haben sich nun Rollen auf dem Papierhalter eingenistet, die auf jedem Einzelblatt einen Spruch zum Thema Umweltschutz haben. „Ihre Wäsche wird im 60 Grad Programm genauso sauber wie im 95 Grad Programm – das spart bis zu 45% Strom!“ „Umwelt schonen und gleichzeitig Geld sparen können Sie durch den Einbau von Sparduschköpfen!“ usw. usf. Da man ja das Toilettenpapier gern in Griffweite hat und ebenso gern im Blickwinkel, da die Benutzung möglichst leicht sein soll, in dem Moment, wo man es braucht und weil man auf der Toilette ja sitzt (um jetzt mal diesen ‚Männer, hinsetzen‘-Streit thematisch zu vermeiden), hat man jedenfalls immer diese Rolle vor der Nase, während man scheißt. Und jeden Tag stehen da zwei neue, neunmalkluge Sprüche. Es ist so, als ob man mit einem Gelehrten der Gedärme auf dem Klo gelandet wäre, als ob die sprichwörtliche Schwiegermutter an der Toilettenwand hockt und einem die Leviten lesen möchte. Es ist schrecklich, beklemmend und kontraproduktiv. Unwillkürlich beschleichen einen Fantasien, schreiend vom Klo zu springen, mit einem Hubschrauber  in die chinesischen Wälder zu fliegen und dort Pandabären mit phosphathaltigem Sprengstoff zu töten. Jeder Beitrag zum Umweltschutz sollte sich wie etwas anfühlen, für das man sich selbst entschieden hat und nicht wie etwas, das einem das eigenen Klopapier noch geraten hat, bevor man sich damit den Hintern abputzte.

Deswegen: Morgen heraus zum Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen. Motto: Wir haben Zeit!

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