vonJakob Hein 03.03.2013

Reptilienfonds

Heiko Werning und Jakob Hein über das tägliche Fressen und Gefressenwerden in den Wüsten, Sümpfen und Dschungeln dieser Welt.

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So'n Hals würde der kriegen - bestimmt

Es gibt wahrscheinlich nichts Sinnvolles, das man einen Schriftsteller zu seiner Arbeit fragen kann. „Woran arbeiten Sie gerade?“ ist genauso unmöglich wie „Woher kommen Ihre Ideen?“ Sehr beliebt ist auch die Frage: „Wie lange haben Sie an diesem Buch gearbeitet?“ oder „Wer ist Ihr Lieblingsschriftsteller.“ Leute unter 25 fragen gern, wieviel Geld man mit dem Schreiben verdient. Auf alle diese Fragen könnte man „Ja“ mit der gleichen Berechtigung wie „Nein“ oder „Dinsdale“ antworten, ohne vom Gefühl beschlichen zu werden, eine irgendwie adäquate Antwort gefunden zu haben.

Dennoch gehen die Leute zu Lesungen, um die Autorin / den Autor kennenzulernen, der sich jedoch in der Regel gern hinter seinem Text, wenn nicht sogar hinter seiner Wohnungstür verbergen würde. Nur eine Frage ist vollkommen verboten, da sie auf die Delegitimierung des Geschriebenen abzielt und aus schlimmen Gründen immer wieder gern gestellt wird. Aber im Fall des FAZ-Schirrmachers und seinem neuen Buch „Ego – Das Spiel des Lebens“ würden wir da vorschlagen, eine Ausnahme zu machen.

Aus der Werbung des Verlags für dieses Buch:

Ein egoistisches Wesen, das nur auf das Erreichen seiner Ziele, auf seinen Vorteil und das Austricksen der anderen bedacht war: ein moderner Homo oeconomicus. Nach seiner Karriere im Kalten Krieg wurde er nicht ausgemustert, sondern eroberte den Alltag des 21. Jahrhunderts.

Es wäre zu schön, wenn sich nach einer Lesung aus dem Buch, jemand melden würde: „Verzeihung: Inwieweit ist das, was Sie schreiben, autobiografisch?“

 

Heute abend aber dafür eine Tip-Top-Lesung in der „Reformbühne Heim & Welt“, wie immer im Kaffee Burger, wie immer 20.15, diesmal mit der großartigen Marlen Pelny mit neuen Liedern und alter Gitarre sowie dem zuverlässig überzeugenden Volker Surmann.

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