vonJakob Hein 02.08.2013

Reptilienfonds

Heiko Werning und Jakob Hein über das tägliche Fressen und Gefressenwerden in den Wüsten, Sümpfen und Dschungeln dieser Welt.

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Plagiatsjäger„Die Karikatur“, schreibt Wikipedia, „übertreibt bewusst, spitzt zu und verzerrt charakteristische Züge eines Ereignisses oder einer Person, um durch den aufgezeigten Kontrast zur Realität und die dargestellten Widersprüche den Betrachter der Karikatur zum Nachdenken zu bewegen.“

Nun, es wäre so schön. Der Komplex gefälschter Doktorarbeiten bietet viele Themen. Einerseits ist da natürlich die Eitelkeit der Menschen sich mit Titeln zu schmücken, ohne die man jedoch in akademischen Zusammenhängen auch keine besonderen Karriere-Aussichten hat. Andererseits ist da auch die Begeisterung der Menschen für diese Titel, ohne die der Schmuck nicht getragen werden würde. Da gibt es den Wunsch der Menschen danach, dass die Politiker einen besenreinen Keller haben, während der eigene mit Leichen vollgestopft ist. Da gibt es natürlich auch das gute alte Machtinstrument des Gerüchts und der Verleumdung, das eingesetzt werden kann. Es geht um den neuen Begriff von Öffentlichkeit, die langsam zu einer Art Hyper-Öffentlichkeit wird, weil sich die Öffentlichkeit nicht mehr nur auf das Hier und Jetzt einer Person bezieht, sondern auch auf das Da und Dort, weil jedes studentische Fehlverhalten auch noch vierzig Jahre später ein Problem sein könnte.

Der Karikatur aus der „SZ“ vom 01. August 2013 gelingt es, absolut nichts von diesem Problem zu Papier zu bringen. Irgendwelche Hunde schnüffeln in Bibliotheken herum und erinnern fatal an kitschige Bilder billiardspielender Bulldoggen. Was soll das heißen? Das die Plagiatsjäger dreckige Hunde sind, die die schönen Bibliotheken des Wissens beschmutzen? Letztendlich sieht es doch allem Anschein danach aus, dass die Bibliotheken durch die Arbeit der Plagiatsjäger eher verbessert und um wissenschaftlich wenig wertvolle Schriften erleichtert werden. Die Standards an Promotionen sind in den letzten Jahren gewiss gestiegen und „copy & paste“ dürfte als klassische Arbeitstechnik bei wissenschaftlichen Arbeiten ausgedient haben.

Wahrscheinlich gibt es mal wieder keinen Sinn außer dem, die Meinungs-Bleiwüste auf Seite 4 mit irgendeiner Zeichnung zu bedrucken. Wird schon keiner hinsehen.

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https://blogs.taz.de/reptilienfonds/2013/08/02/nachrichten-vom-niedergang-der-politischen-karikatur-xxxix/

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kommentare

  • Dem kann ich nur zustimmen : Die SZ beschäftigt schon seit Jahren diverse Zeichner, deren Karikaturen (und auch die deren technische Ausführung) sich allenfalls auf Schülerzeitungsniveau bewegen. Und selbst da gibt es bessere. Es ist wirklich völlig unverständlich, dass die SZ nicht bessere Leute findet – oder finden will …
    Bei mir lösen diese hilflosen Machwerke noch am ehesten den Reflex des „Fremdschämens“ aus. Es ist wirklich armselig – Leute wie Haitzinger zeichnen in der Münchener TZ, einem üblen, zusammengestümperten Boulevardblatt, und die SZ, die man wenigstens lesen kann, beschäftigt solche witzlosen Gesellen .

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